Helau und Alaaf allen Faschingsenthusiasten, ein herzliches Hallo allen Faschingsmuffeln! Kürzlich wurde ich von einem Bekannten gefragt, wie ich eigentlich die Hass- und Schmähkommentare auf mein Geschreibsel – sprich die Pi(n)kant-Kolumne – ertrage. Kurze, knappe Antwort: Ohne bleibende Schäden, bin ich doch nach 30 Jahren Kommunalpolitik, davon 25 Jahre im Rat der Stadt und davon 15 Jahre als Bürgermeister so einiges gewohnt.
Ich falle weder in tiefe Traurigkeit noch bedarf ich seelsorgerischer Hilfe. Und noch etwas! Würden mir infolge meiner bescheidenen geistigen Ergüsse rote Herzen, Daumen hoch und flammende Botschaften entgegenfluten, hätte ich etwas falsch gemacht. Ich wäre dann ein Fall für den „Rosamunde-Pilcher-Nachwuchswettbewerb“ und das möchte ich nicht. Allerdings ist die allgemeine Diskussions- und Auseinandersetzungskultur durch die sogenannten Sozialen Netzwerke nicht nur rauer, sondern auch respektloser, unverschämter, beleidigender und niveauloser geworden.
Vor allem zu politischen Sach- und Personalthemen regionaler und überregionaler Bedeutung. Beispielhaft dafür waren die zuweilen geistig unterirdischen Kommentare der letzten Wochen und Monate zu den Bewerbungserklärungen für die Bürgermeister- und Landratskandidaturen in der Region. Bereits vor einigen Monaten hatte ich mir selbst einen Forschungsauftrag erteilt, um die Qualität dieser digitalen Geistesblitze zu untersuchen. Ich gebe zu, ich bin nicht neutral. Ich stehe mit diesen modernen digitalen Kommunikationsplattformen auf Kriegsfuß, weil ich sie für höchst manipulativ, oft bewusst gefälscht und sehr häufig als Propagandainstrument demokratiefeindlicher Kräfte ausgemacht habe. Alter, weißer Mann also!
Meine höchstpersönlichen Untersuchungen ergaben, dass lediglich rund 10 % der dann folgenden Kommentare sachlich und ernst zu nehmen sind. Der Rest teilt sich gefühlt in drei Kategorien von „Meinungsbekundungen“ auf, die zur güldenen Epoche der klassischen Leserbriefzeiten niemals den Weg in die Druckmaschine gefunden hätten, sondern ihr Ende in den geistigen Rieselfeldern der Redaktionen, den Papierkörben, erlebt hätten. Das hat nun rein gar nichts mit Zensur zu tun, sondern mit journalistischer Verantwortung und mit Respekt und Anstand auch Andersdenkenden gegenüber.
Ein nicht zu unterschätzender Anteil riecht förmlich danach, dass hier die verbalen, aber oft lahmen Fußtruppen des Auffangbeckens für Destruktive (AfD) am pseudoliterarischen Werk waren. Wenn ich schon den Begriff „Altparteien“ lese, weiß ich, aus welcher Richtung der Mist riecht! Als diese Lautsprecher klein waren, wollte häufig niemand mit ihnen spielen und heute spielen sie sich auf, als würden sie einer wie auch immer gearteten Höcke- ähem Herrenrasse angehören!
Hier fällt mir ganz spontan der erst kürzlich vom Amtsgericht Würzburg wegen diverser Straftaten verknackte bayerische AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Halemba ein, der mir den Eindruck vermittelt, schon prenatal mit Leberkäse und Bayrisch Hell ernährt worden zu sein. Einem kürzlichen Kommentar auf Facebook muss ich daher aufs Energischste widersprechen. Ich zitiere: „Hier ist AfD-Land!“ saftete ein Aktivist! Oh nein Gevatter, das ist es nicht! Da hat man sich wohl um ein paar Kilometer auf der Landkarte vertan. Hier sind bei allen unterschiedlichen Auffassungen die Demokraten in der Lage, diese Kommunalwahlen zu dominieren! Da bin ich sehr, sehr sicher.
Eine weitere Gruppe, die fleißig jedes ihr vor die Linse kommende Thema kommentiert, sind die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen die schon bei Schulstunden wie „Singen und Klatschen“ den Grundschulunterricht geschwänzt haben. Häufiges leidvolles Nebenprodukt ihrer schriftstellerischen Werke ist, dass sie sich kaum an den Grundregeln unserer schönen Sprache orientieren, was möglicherweise von manchem modernen Pädagogik- oder Kulturwissenschaftler als künstlerische Freiheit beurteilt wird. Ganz bitter ist dann jedoch, wenn ihr Diskussionsbeitrag völlig am Thema vorbeigeht. Da bleibt nur: Setzen – Sechs!
Besorgt muss man auch immer wieder mal Beiträge von Mitmenschen zur Kenntnis nehmen, denen offensichtlich alles, quasi chronisch, missfällt, was so veröffentlicht wird. Sicher, vieles was in den einschlägigen Netzwerken so kundgetan wird, ist sinnfrei, aber für den aufmerksamen und kritischen Beobachter entweder Ursache anhaltender Lachkrämpfe oder tiefgehender Besorgnis. Es mutet daher schon wie eine Art Therapieansatz an, wenn man die Gedankensplitter der Unzufriedenen und Missgestimmten liest. Man spürt förmlich hinter ihren Formulierungen den tiefen Triumph: „Ha! Denen da (..oben), habe ich es aber mal wieder gegeben.“
In diese Kategorie fällt auch eine kürzlich bei mir aufgelaufene Botschaft auf dem Anrufbeantworter. „Pink – Arschloch!“ Ich war glücklich! Glücklich, weil ich einer geschundenen Seele oder einem durch böse Darmträgheit gepeinigten Zeitgenossen die Gelegenheit verschaffte, sich im wahrsten Sinne des Wortes Luft zu machen!
In diesem Sinne, alles Gute und eine fröhliche Zeit, Ihr Thomas Pink.
Pi(n)kat: Diese Zeitgenossen haben beim „Singen und Klatschen“ geschwänzt
Wolfenbüttels Bürgermeister a.D. Thomas Pink beobachtet unterirdische Kommentare zu den Bewerbungserklärungen für die Bürgermeister- und Landratskandidaturen in der Region.
von Thomas Pink
Möchte kein Fall für den „Rosemunde-Pilcher-Nachwuchswettbewerb“ sein: Bürgermeister a.D. Thomas Pink. | Foto: regionalHeute.de

