Schatz aus der Bronzezeit bei Arbeiten für Windpark gefunden

92.780 Quadratmeter Fläche wurden während der Bauzeit archäologisch geprüft. Über 400 Funde wurden insgesamt gemacht.

Entnahme des Depotfundes von Ahlum als Blockbergung.
Entnahme des Depotfundes von Ahlum als Blockbergung. | Foto: Arcontor Projekt GmbH

Wolfenbüttel. Im Bereich der Gemarkungen Ahlum und Dettum wurden durch die SAB WindTeam GmbH 19 Windenergieanlagen errichtet. In diesem Zuge wurde auch ein bronzezeitlicher Depotfund gemacht. Darüber berichtet das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in einer Pressemitteilung.



Im Rahmen der behördlichen Prüfung war aufgefallen, dass, obwohl im unmittelbaren Baugebiet bisher keine archäologischen Fundstellen bekannt waren, die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sei, bisher unbekannte Fundstellen zu berühren. Entsprechend machte die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Wolfenbüttel in Absprache mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege eine archäologische Baubegleitung zur Auflage. Mit deren Durchführung beauftragte die SAB WindTeam die in Braunschweig ansässige Firma Arcontor Projekt GmbH.

Ausnahmefunde von hohem Wert


Eingetaktet in den Bauablauf wurden zwischen August 2024 und September 2025 92.780 Quadratmeter Fläche archäologisch geprüft. Dabei konnte ein beeindruckender Querschnitt der Prähistorie des Braunschweiger Landes in 412 erhaltenen Befunden gewonnen werden, darunter einige sehr gut erhaltene Ausnahmefunde von hohem wissenschaftlichen Wert.

Depotfund von Ahlum (1500–1300 v. Chr.): Auswahl an Funden, Halskragen und Fragmente, Bernsteinperlen, Lockenspirale, Nadelfragmente und Fragmente einer Armspirale.
Depotfund von Ahlum (1500–1300 v. Chr.): Auswahl an Funden, Halskragen und Fragmente, Bernsteinperlen, Lockenspirale, Nadelfragmente und Fragmente einer Armspirale. Foto: C. Wehrstedt / NLD


So konnten im Süden zwei weitergehend erhaltene Hausgrundrisse der Linearbandkeramik – der ersten bäuerlichen Kultur in Niedersachsen – entdeckt werden. Zahlreiche Funde und umfangreiches Probenmaterial können damit Aufschluss über die Erstbesiedlung der Region seit der Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr. geben.

Ensembles bestatteter Hunde


Auch aus den Jahrhunderten nach Christi Geburt konnten mehrere Siedlungsstellen identifiziert werden. Dabei stechen mehrere Gruben hervor, die wohl bewusst zusammengestellte Ensembles aus hier bestatteten Hunden, nach römischem Vorbild hergestellter Drehscheibenkeramik und Metallobjekten enthielten.

Knochenkamm des 4./5. Jahrhunderts mit Bronzenieten.
Knochenkamm des 4./5. Jahrhunderts mit Bronzenieten. Foto: T. Uhlig / NLD


Ein besonderes Highlight stellt ein nahezu komplett erhaltener sogenannter Dreilagenkamm des 4./5. Jahrhunderts n. Chr. mit Kreisaugenzier und Bronzenieten dar. Entsprechende Kämme waren persönlicher Besitz und sind als Grabbeigaben bekannt, wurden dort aber mit auf den Scheiterhaufen gegeben und sind im Regelfall nur in Kleinstfragmenten erhalten.

Objekte aus Bronze und Bernstein


Beim Aufzug einer Windradstellfläche kam isoliert der wohl bedeutendste Fundkomplex der Grabung zum Vorschein. Schon beim ersten Baggeraufzug traten eng beieinander liegende Objekte aus Bronze und Bernstein auf. Die sofort hinzugezogene Restaurierung des NLD begleitete eine Blockbergung, bei der die fragilen Funde mit umliegendem Erdreich geborgen wurden, um sie unter Laborbedingungen freilegen zu können.

Das hochsensible Ensemble entpuppte sich als die Schmuckausstattungen von mindestens drei weiblichen Individuen, die aus teilweise verzierten Halskragen, Armspiralen, Blechschmuck und mindestens zwei Scheibennadeln bestand. Sie stammen aus dem Zeitraum zwischen 1500 und 1300 v. Chr. Einzigartig ist eine Kette aus mehr als 156 Bernsteinperlen.

Bisher größter Einzelfund


Bernstein spielte nach einer 2025 veröffentlichten Studie der Universität Arhus eine zentrale Rolle im Fernhandelsnetzwerk der frühen und mittleren Bronzezeit, das von Südskandinavien bis nach Assur reichte. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem hier vorliegenden Schatzfund um eine religiös motivierte Niederlegung der lokalen Elite. Der Fund ist der bisher größte Einzelfund von bronzezeitlichem Bernstein in Niedersachsen.

Für das niedersächsische Nordharzvorland ist es der erste bronzezeitliche Depotfund seit 1967 und der einzige, der nach modernen wissenschaftlichen Standards ausgegraben wurde. Die Erforschung und Restaurierung der hochsensiblen Objekte beginnen gerade erst. In Kooperation mit der TU Clausthal sind eine Reihe von weiterführenden Materialanalysen geplant.