Talk im All: Schüler sprachen mit Alexander Gerst

von Christina Balder




Braunschweig. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, live mit einem Astronauten im All zu sprechen? Mehr als 100 Schüler von vier Schulen aus Braunschweig und Wolfenbüttel haben am Freitagmittag mit der Hilfe der Amateurfunker vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum per Funk mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst gesprochen, der gerade auf der Internationalen Raumstation ISS arbeitet. 

Absolute Ruhe, Spannung  liegt in der Luft. Gleich saust die ISS über Europa hinweg. Knappe 11 Minuten haben die Funker, um Gerst zu erwischen, sie rechnen mit siebeneinhalb Minuten Gesprächszeit. Denn danach ist er schon wieder Richtung Asien verschwunden. “DP0ISS, this is DN2DLR, calling for scheduled contact, over!” Niels-Holger Siegmund, Amateurfunker, ruft Gerst, endlich meldet er sich. Die Schüler vom Wilhelm-Gymnasium, der IGS Franzsches Feld, der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule und der Wolfenbütteler Großen Schule dürfen vorbereitete Fragen stellen, Gerst antwortet – man hört ihm an, dass ihm die Sache Spaß macht.

Dass ein Weltraumspaziergang keine spontane Sache ist, sondern lange vorbereitet werden muss, erzählt Gerst. Und dass er es vermisst, im Regen Joggen zu gehen, so wie er auch manchmal die Schwerkraft vermisst. 19 Fragen haben die Jugendlichen vorbereitet. Bei Antwort 13 war dann Ende. Und auch die Antworten vorher waren kein reines Hörvergnügen.

Die Hauptsache ist, dass die Verbindung steht


Es knackt, es rauscht, es knistert, einige Male versteht man kein Wort. Die Amateurfunker feiern das zerstückelte Gespräch trotzdem als Erfolg. Wie viele Endorphine und wie viel Adrenalin nach dem Gespräch durch ihre Körper rast, kann man nur ahnen, aber sie strahlen und teilen High Fives aus. Der rauschende Applaus aus dem Plenum ist bei Gerst noch angekommen, da sind sich die Funker sicher. “Das ging richtig super”, sagt Michael Przybilla. Und Jens Wucherpfennig freut sich: “Die Qualität war ausgesprochen gut!” Immerhin 13 Fragen haben die Schüler geschafft; bei einem Versuch in Neustrelitz sei man lange nicht so weit gekommen.

Hauptsache sei, dass die Verbindung  zustande gekommen sei. Mit relativ einfachen Mittel haben die Amateurfunker das DLR School Lab aufgerüstet für diesen Tag. Monatelang haben sie sich auf diese paar Minuten vorbereitet, mehrere Tausend Euro hat die Ausrüstung gekostet (die aber immerhin hinterher weiter genutzt wird). Sie haben vorher getestet und geprobt und waren sich schließlich “zu 99 Prozent sicher, dass die Verbindung zustanden kommt”, sagt Siegmund.

Kein Einfluss auf Störungen


Ohne Zeitverzögerung konnten die Schüler mit Gerst sprechen, obwohl die ISS über 400 Kilometer weit von der Erde entfernt ihre Bahnen zieht. Denn Funkwellen verbreiten sich mit Lichtgeschwindigkeit und von Braunschweig aus entstand der Kontakt direkt, ohne Umleitung. Auf Störungen haben die Funker aber keinen Einfluss.

Auch die Schüler können die Störungen verschmerzen. “Es ist zwar schade, dass vieles nicht zu verstehen war, aber das war schon etwas besonderes – und es war ja nicht ganz katastrophal”, sagt Johannes Reparon von der Großen Schule Wolfenbüttel. Kristopher Wilkens ergänzt: “Wir machen im Unterricht eh gerade das Thema Wellen, da passt das ganz gut.”

Die Schüler sind in der elften und zwölften Klasse und haben Physik  als Kurse mit gesteigerten Anforderungen belegt. Bei der Vermittlung der Funkkontakte wurde das DLR von der Vereinigung ARISS (Amateur Radio on the International Space Station) unterstützt.

Vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wurde uns der Audio-Mittschnitt zur Verfügung gestellt.

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