Region. Ständig steigende Energiepreise belasten nicht nur Verbraucher, sondern auch die Wirtschaft. So stehen zum Beispiel Zoos und Tierparks unter enormem Preisdruck. In der vergangenen Woche gab es Meldungen, dass einige Einrichtungen bereits Tiere aus Kostengründen abgeben mussten. Andere verzichteten auf bestimmte Arten, deren Haltung einen besonders hohen Energiebedarf hat. regionalHeute.de fragte bei den Tierparks in der Region, wie hier die Lage ist.
"Für den Zoo Braunschweig gibt es derzeit keine Planungen, aufgrund gestiegener Energiekosten Tiere abzugeben oder den Tierbestand aus Kostengründen zu reduzieren. Die Versorgung und artgerechte Haltung unserer Tiere ist sichergestellt", versichert Peter Wilhelm.
"Keine Auswirkungen auf die Tierhaltung"
Die Energiekosten machten bei dem Tierpark in Stöckheim aktuell rund 2,5 Prozent der Gesamtkosten aus. "Natürlich beobachten auch wir die Entwicklung der Energiepreise sehr genau. In den vergangenen Monaten war die Kostenbelastung spürbar, bewegt sich für unseren Zoo aber in einem Rahmen, der keine Auswirkungen auf die Tierhaltung oder die Zusammensetzung unseres Tierbestands erforderlich macht", so Wilhelm weiter.
Gleichzeitig sei wichtig zu betonen, dass nicht nur die reinen Energiekosten gestiegen seien. Auch viele indirekt damit verbundene Kosten hätten sich erhöht. Dazu zählten insbesondere alle Bereiche, in denen Transporte eine Rolle spielten, etwa Futterlieferungen, Materiallieferungen, die Mistentsorgung sowie weitere Ver- und Entsorgungsleistungen. "Diese Entwicklungen belasten den laufenden Betrieb zusätzlich", so Wilhelm.
Selber Strom erzeugen
"Ein wichtiger Grund dafür, dass wir diese Kostenentwicklung bislang abfedern können, ist, dass wir bereits seit vielen Jahren in eine möglichst unabhängige und effiziente Energieversorgung investieren", erklärt der Geprüfte Tierpflegemeister und Geschäftsführer. Im Bereich Photovoltaik betreibe man unter anderem eine 80-kW-Anlage auf der Lagerhalle, die 2009 errichtet wurde und Strom mit entsprechender Vergütung einspeise. Hinzu kämen weitere Anlagen mit 5 kW, 7 kW und 15 kW Leistung, die vor allem dem Eigenverbrauch dienten. "An sonnigen Tagen können wir inzwischen 80 bis 90 Prozent unseres Strombedarfs selbst abdecken", betont Peter Wilhelm.
Auch bei der Wärmeversorgung setze man auf unterschiedliche Bausteine. Dazu gehörten ein Blockheizkraftwerk, das seit 2013 im Einsatz ist, ein Holzvergaser mit 12.000 Liter Pufferspeicher sowie ein Pelletkessel mit 170 kW Leistung, der seit 2022 betrieben werde. "Diese Maßnahmen helfen uns, Energie gezielter einzusetzen und Kostenentwicklungen besser abzufedern", so der Geschäftsführer.
Photovoltaikanlagen werden erweitert
Darüber hinaus baue man aktuell eine Erweiterung der Photovoltaikanlagen um weitere 12 kW. Ergänzend sei ein 10-kW-Speicher vorgesehen, um den Eigenverbrauch weiter zu erhöhen und den zugekauften Strombedarf zu reduzieren. Wahrscheinlich werde der Speicher mittelfristig noch erweitert.
"Gestiegene Energiekosten und transportbedingte Mehrkosten sind auch für den Zoo Braunschweig ein Thema. Sie führen bei uns aber nicht zu Überlegungen, Tiere abzugeben. Durch bestehende und geplante Investitionen in Photovoltaik, Eigenverbrauch, Wärmetechnik und Energieeffizienz versuchen wir, die Belastung aktiv zu begrenzen, ohne Abstriche beim Tierwohl zu machen", so das Fazit von Peter Wilhelm.
So sieht es im Essehof aus
Im Tierpark Essehof im Landkreis Helmstedt sieht die Lage ähnlich aus. Geschäftsführer Gregor Wilhelm schreibt: "Bei uns machen die Energiekosten 6 bis 8 Prozent der Gesamtkosten aus. Da wir seit einigen Jahren eine Biomasseheizanlage haben, sind wir relativ unabhängig." Tierverkäufe seien also kein Thema.
Zum Thema Energiekosten sagt Alexandra Drick vom Artenschutzzentrum in Grasleben: "Wir haben einige Tiere aus dem asiatischen Bereich, die dementsprechend auch Wärme benötigen. Deshalb haben wir jetzt aufgerüstet und unsere Hallendächer mit Photovoltaikanlagen ausgestattet und hoffen, dass uns das bei den Energiekosten unterstützen wird."




