Wolfsberater - ein Ehrenamt auf dem Abstellgleis

Zum 1. Januar soll die Rissbegutachtung von Nutztieren in staatliche, professionelle Hände fallen.

von Martin Laumeyer


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Pixabay

Region. Nach übereinstimmenden Medienberichten, soll ab dem 1. Januar 2022 die Rissbegutachtung bei Nutztieren nicht mehr von ehrenamtlichen Wolfsberatern vorgenommen werden, sondern durch Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer. Karl-Gustav Laser, Wolfsberater für Gifhorn und Braunschweig, ärgert sich im Gespräch mit regionalHeute.de über den Umgang mit den Ehrenamtlichen, denen jetzt kaum Aufgaben bleiben. Doch was ist eigentlich ein Wolfsberater und was macht dieser eigentlich?



Karl-Gustav Laser, von Beruf Landwirt und Landschaftspfleger, ist seit ungefähr zehn Jahren ein ehrenamtlicher und vom Umweltministerium des Landes berufener Wolfsberater im Landkreis Gifhorn, in dem es drei Rudel gebe, die im Durchschnitt jeweils um die zehn Tiere fassen. Er ist autorisiert, beim Riss eines Tieres, ein Gutachten zu machen und eine eigene Einschätzung abzugeben, ob es sich bei dem Vorfall wirklich um einen Wolfsriss gehandelt hat, was im Nachhinein extern geprüft werde. Wenn es kein Wolf war, so erklärt es Laser, dann können auch etwa Maderhunde, Hunde oder sogar Kolkraben als Übeltäter infrage kommen, je nachdem welches Tier gerissen wurde.

Laut Laser leisten Wolfsberater Präventionsarbeit und beraten Geschädigte, sodass sie nicht das Gefühl haben, in dieser Situation allein zu bleiben. Auch wenn viele dem Wolf positiv gegenüberstehen, sei es aber eine emotionale Tortur, wenn auf einmal das Lieblingsschaf gerissen wird, daher plädiert er: "Wenn wir in Deutschland den Wolf haben wollen, dann haben die Leute das Recht, dass man sie auffängt. Ich blieb daher früher auch noch im Nachhinein mit den Geschädigten in Kontakt, um zu fragen, wie es ihnen geht". Er spricht deshalb in der Vergangenheit, da die Präventionsarbeit mittlerweile zum größten Teil von der Landwirtschaftskammer übernommen werde.

Karl-Gustav Laser, ehrenamtlicher Wolfsberater aus Gifhorn, mit seinem Esel
Karl-Gustav Laser, ehrenamtlicher Wolfsberater aus Gifhorn, mit seinem Esel "Sam" auf seiner Weide. Foto: Martin Laumeyer


Eine Präventionsmaßnahme ist beispielsweise, dass Geschädigte die Möglichkeit haben, Gelder zu beantragen. In einer Anekdote erzählt Laser dazu, dass er in einem Falle auf die Überreste von acht verendeten Schafen gestoßen ist, die als Wolfsriss ausgegeben wurden. Doch ein Wolfsberater erkenne an den Überresten sofort, wenn es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um einen Wolfsriss handelt. Denn sie haben eine spezielle Ausbildung genossen, um das zeitintensive Ehrenamt auszuüben, die um die 3000 Euro verschlungen habe. Zeitintensiv ist es deshalb, weil mit ihm unplanbare Arbeitszeiten und auch viel Öffentlichkeitsarbeit verbunden seien.

Ein dickes Fell muss man haben


Bei seiner Arbeit als Wolfsberater seien Laser zahlreiche Anfeindungen entgegengekommen, die er aber nicht persönlich nehme: "Das Thema ist emotional aufgeladen und die Leute projizieren auf mich ihren Unmut. Ich bin damit nicht persönlich gemeint", erzählt Laser entspannt. Um Wolfsberater zu werden, benötigt man daher eine Affinität für Wölfe, aber auch ein dickes Fell.

Neben der Beratung als solcher gehört zum Aufgabenbereich des Wolfsberaters das Untersuchen von Bewegungs- und Verhaltensmuster der Tiere. "Wölfe fressen nicht wie im Film, sondern geben das Fressen eher an die Welpen weiter, weil sie den Genpool weitergeben. Die Natur ist intelligenter als der Mensch sich vorstellen kann", beschreibt der Gifhorner Wolfsberater seine Erkenntnis aus diesem Aufgabenbereich. Für Menschen und für Wölfe soll eine Koexistenz ermöglicht werden, findet er, der die Sorgen der Menschen ernst nehme: "Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe die Leute und ihre Sichtungen immer ernst genommen, weil es mir wichtig war, dass der Wolf als natürliches Bindeglied der Natur anerkannt wird und eben nicht nur als das böse Tier. Ich bin der Meinung, dass ein Miteinander möglich ist. In anderen Ländern geht es doch auch", so Laser.

"Es bleibt nicht mehr viel"


Wolfsberater Karl-Gustav Laser auf seiner Weide.
Wolfsberater Karl-Gustav Laser auf seiner Weide. Foto: Martin Laumeyer


Aber ab dem 1. Januar werde die Begutachtung von Nutztierrisse auch in die Hände der Landwirtschaftskammer fallen. Das Begutachten von Wildtierrissen bleibe bei den Ehrenamtlichen, "aber was nützt das, wenn wir wissen, dass der Wolf ein Reh gefressen hat. Es ist seine Natur. Da können wir froh sein, dass er ein Reh und kein Schaf gegessen hat", ärgert sich Laser. Nutztiere seien eigentlich nicht des Wolfes Hauptmahlzeit, sondern eher Wildtiere. Für das Ehrenamt des Wolfsberaters blieben daher nur die Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit, was ihm ermöglichen solle, sich mehr auf die Fälle von Nahbegegnungen zu konzentrieren. Das kann Laser nicht nachvollziehen. Es sei eine Funktion, die sie ohnehin haben und jetzt aufgebauscht werde. "Es bleibt nicht mehr viel, da nimmt man uns eine große Kompetenz weg", so Laser.


Was ihn aber wirklich störe, ist die Art und Weise, wie man diese Entscheidung mitgeteilt habe: "Wir haben einen Brief bekommen, aber ein Austausch mit den Ehrenamtlichen fand nicht statt. Dass es professioneller laufen muss, verstehe ich, aber man hätte das so machen können, dass der Bürger sich zwischen dem professionellen und dem bereits bekannten, ehrenamtlichen Wolfsberater hätte entscheiden können", berichtet er.

Wie die Rissbegutachtung in Zukunft laufen wird, könne sich Laser nicht vorstellen, weil der Aufwand groß und die Fahrten lange dauern können. In Zukunft solle eine Außenstelle der Landwirtschaftskammer in Braunschweig für das gesamte Braunschweiger Land zuständig sein. Laser hat aufgrund der Situation für sich entschieden, dass er die Rissbegutachtung bis zum neuen Jahr einstellt. Bis dahin werde er Wolfsberater bleiben, aber ob er danach weitermacht, werde er noch sehen.


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