"Gib Gates keine Chance": Glaubt der neue AfD-Vorstand an Verschwörungsmythen?

Schriftführerin Elvira Dresler trug ein Shirt mit dem Slogan "Gib Gates keine Chance" auf einem Pressefoto des neuen Vorstandes. Der AfD-Kreisverband gibt keine Stellungnahme ab - Elvira Dresler beruft sich auf ein vermeintlich erschreckendes Zitat des Microsoft-Gründers Bill Gates.

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Elvira Dresler (vorne rechts) irritierte auf diesem Pressefoto des neu gewählten Vorstandes mit dem unter Verschwörungstheoretikern beliebten Slogan "Gib Gates keine Chance" auf dem T-Shirt.
Elvira Dresler (vorne rechts) irritierte auf diesem Pressefoto des neu gewählten Vorstandes mit dem unter Verschwörungstheoretikern beliebten Slogan "Gib Gates keine Chance" auf dem T-Shirt. | Foto: AfD Wolfsburg

Wolfsburg. Auf dem Pressefoto zur Wahl des neuen Vorstandes der AfD in Wolfsburg präsentierte sich die langjährige Schriftführerin der AfD Wolfsburg in einem Shirt mit der Aufschrift "Gib Gates keine Chance" (regionalHeute.de berichtete). Diese Abwandlung des alten Slogans "Gib AIDS keine Chance" ist vor allem unter Anhängern der Verschwörungstheorie verbreitet, dass Microsoft-Gründer Bill Gates die Welt zwangsimpfen und mit dadurch implantierten Mikrochips kontrollieren möchte. regionalHeute.de hat nachgefragt, was es mit dieser "Botschaft im Bild" auf sich hat.


Der Kreisverband der AfD Wolfsburg lehnte eine Stellungnahme hierzu zunächst ab und verwies direkt an seine Schriftführerin Elvira Dresler. Auf Anfrage unserer Online-Zeitung reagierte sie defensiv: "Sie sprechen von Verschwörungstheorien, dieser Begriff wurde in den letzten Monaten von den Medien aber auch von der Politik als Abwertung immer dann in den Raum geschmissen, wenn sie mit kritischen Meinungen konfrontiert wurden", meint Dresler und ergänzt: "In einer sogenannten Demokratie eine fragwürdige Handlung."

Sieben Milliarden Menschen sollen geimpft werden?


Was die Botschaft des von ihr getragenen T-Shirts angeht, beruft sie sich auf ein Interview der Tagesschau mit Bill Gates, der mit seiner Bill & Melinda Gates Stiftung als größter privater Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation WHO seit Ausbruch der Pandemie die Findung eines Impfstoffes gegen das Corona-Virus finanziell unterstützt. "Bill Gates hat es doch öffentlich bei einer Sendezeit von mehreren Minuten in unserem öffentlich rechtlichen Fernsehen gesagt. Ich zitiere: 'Wir werden den zu entwickelnden Impfstoff letztendlich sieben Milliarden Menschen verabreichen', und genau hier kann ich nicht mitgehen, was das Shirt auch ausgedrückt hat. Sie sehen also, es liegt überhaupt keine sogenannte Verschwörungstheorie dahinter", beruhigt Dresler.

Kontext und Übersetzung des dubiosen Satzes


Das Interview mit dem Milliardär und Microsoft-Gründer Bill Gates wurde am 13. April in der ARD ausgestrahlt. Den Satz, auf den sich Dresler bezieht, (im englischen original: "(...) And this is a Vaccine we're gonna give to seven Billion people.") sagt Gates jedoch um die Gefahren einer beschleunigten Impfstoffentwicklung zu verdeutlichen. Normalerweise, so Gates, dauere es mehr als fünf Jahre um einen Impfstoff zu erstellen, zu testen und entsprechend zu fertigen. Dies werde nun zur Erstellung eines Corona-Impfstoffes auf 18 Monate verkürzt. "Impfstoffe sind häufig nicht stark genug um älteren Menschen zu helfen, eine Immunität aufzubauen. Und das ist ja hier das wichtigste. Wenn die Wirksamkeit eines Impfstoffes erhöht wird, damit er auch bei älteren Menschen funktioniert, muss man vorsichtig sein, dass dies nicht zu Problemen mit der Sicherheit des Wirkstoffes führt. Das ist immerhin ein Impfstoff, den wir sieben Milliarden Menschen geben werden." (Übersetzt von regionalHeute.de aus dem englischen Original-Interview)

Der Einfluss der Bill & Melinda Gates Stiftung


Die Bill & Melinda Gates Stiftung ist nicht darauf ausgelegt, das Vermögen des Milliardärs Bill Gates anzufüttern. Die Gewinne, die über Anlagen des zur Stiftung gehörenden Trusts erwirtschaftet werden, fließen in gemeinnützige Projekte. Immun gegen Kritik ist die Stiftung jedoch trotz ihrer gemeinnützigen Ausrichtung nicht - Schuld daran ist auch das Handeln des US-Präsidenten Donald Trump, der die Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation eingestellt hat. Mit dem Ausscheiden der USA ist die Bill & Melinda Gates Stiftung der größte Geldgeber der WHO und bestimmt durch die Zweckgebundenheit maßgeblich die Richtung, in welche die Forschung geht. Der SWR berichtete in einem Beitrag ausführlich über die finanziellen Verstrickungen und Implikationen, welche die Übermacht der privaten Geldgeber für die Weltgesundheitsorganisation bedeuten. Doch trotz dieser Probleme hat die WHO keinen Einfluss auf die Gesetzgebung einzelner Länder. Ein "Impfzwang" müsste von Ländern wie Deutschland in nationalen Gesetzgebungsverfahren angeordnet werden. Gesundheitsminister Jens Spahn bekräftigte zuletzt im Juli, dass es keine Pläne für eine Impfpflicht gegen das Corona-Virus gebe, und auch auf EU-Ebene bestehen hierfür nach aktuellem Stand für eine derartige Maßnahme keinerlei Pläne.


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