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Zehn Jahre Schloss-Arkaden: Glücksfall oder Betonwüste?



Braunschweig

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Zehn Jahre Schloss-Arkaden: Glücksfall oder Betonwüste?

von Nick Wenkel


Im regionalHeute.de-Interview gehen die Meinungen von Dr. Gert Hoffmann und Joachim Wrensch weit auseinander. Fotos/Video: Nick Wenkel/André Ehlers

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Braunschweig. In diesem Jahr feiern die Schloss Arkaden ihren zehnten Geburtstag. Noch immer spaltet das Einkaufs-Center die Meinungen der Einzelhändler und der Bürgerinnen und Bürger. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zogen die Verantwortlichen ein Resümee.



Im Jahr 2004beschlossder Rat der Stadt Braunschweig mit einer Stimme Mehrheit das Grundstück des Schlossparks an den Hamburger Großinvestor ECE Projektmanagement zu verkaufen. 13 Jahre nach dem Startschuss und zehn Jahre nach der Eröffnungsfeier der Schloss-Arkaden, erhitzt das Großprojekt nach wie vor die Gemüter. Das wurde auch am Montagabend im IHK-Kongresssaal deutlich: Als Redner auf dem Podium waren: Mark Alexander Krack (Geschäftsführer Einzelhandelsverband Harz-Heide e.V.), Jan Tangerding (Centermanager Schloss-Arkaden), Carl Langerfeldt (ehemaliger IHK-Vizepräsident), Gerold Leppa (Geschäftsführer Citymarketing), Dr. Gert Hoffmann (ehemaliger Oberbürgermeister) und Joachim Wrensch (IHK-Vizepräsident).

Erinnerungen an den Schlosspark



Joachim Wrensch (IHK-Vizepräsident) Foto:




Für den gebürtigen Braunschweiger und Geschäftsführer der Buchhandlung Graff, Joachim Wrensch, war der 18. Mai 2005 ein „schwarzer Tag". Mit BaumfällungenundRodungen wurden die Bauarbeiten für die Schloss-Arkaden eingeleitet. Das ist auch heute noch ein großes Ärgernis für Wrensch. Vor allem treffe ihn der Verlust des Schlossparks, den er als ehemaliger Gauß-Schüler und Familienvater oft besuchte und an den er durchweg positive Erinnerungen habe. Niemand sei gegen ein neues Einkaufs-Center gewesen, sondern schlicht gegen den Standort. Viele Einkäufer würden ins Schloss-Parkhaus fahren, aber den Weg nicht in die restliche Innenstadt finden. Als Geschäftsführer der Buchhandlung Nahe des Welfenhofs merke er die Auswirkungen anvorderster Front. Er habe deutlich weniger Mitarbeiter als vorher - die Auszubildendenzahl habe sich halbiert. Neben dem ökonomischen Effekt kritisiert er die Arkaden auch in Hinblick der Ästhetik: „Wenn ich vom Herzog Anton Ulrich-Museum Richtung Stadt fahre, sehe ich die Rückseite der Schloss-Arkaden. Und die sieht schrecklich aus."

Schloss-Arkaden als „große Chance"



Dr. Gert Hoffmann, ehemaliger Oberbürgermeister von Braunschweig. Foto:




Als damaliger Braunschweiger Oberbürgermeister war Dr. Gert Hoffmann maßgeblich für den Bau der Schloss-Arkaden verantwortlich und traf mit seiner Entscheidung auf viele Gegner des Projektes. Doch was hat ihn zu der Entscheidung bewegt? „Wir hatten große Sorgen", erklärte Hoffmann die damalige Situation des Einzelhandels in der Innenstadt. Neben dem nicht vorhandenen, professionellen Stadtmarketing erschwerte auch der Shopping-Aufschwung in Wolfsburg die Situation in Braunschweig. Das ECE-Projekt in Wolfsburg machte aus dem Braunschweiger Shopping-Monopol lediglich eine Einkaufs-Alternative. Niemand habe ein Rezept für den Einzelhandel gehabt. Die „große Chance" sei dann abermit der damaligen ECE-Anfrage gekommen, auch in der Braunschweiger Innenstadt ein neues Shopping-Center zu bauen. Nach sorgfältiger Untersuchung und der Überwindung großer rechtlicher Hürden - „eine Feinschmeckerei für Juristen" - sei er nach wie vor überzeugt, dass er die richtige Entscheidung getroffen habe: „Selten hat es eine Entscheidung gegeben, die so segensreich und richtig war." Im Bezug auf die von Wrensch angesprochene Ästhetik der Rückfassade erwiderte Hoffmann: „Vom Herzog Anton Ulrich-Museum kommend, verweile ich auch nicht und denke, wie schön die Rückseite ist. Das mache ich aber auch bei anderen Kaufhäusern nicht."

Positive Entwicklung in der Stadt



Gerold Leppa (Geschäftsführer Stadtmarketing) Foto:



Eine Einkaufsstadt wie Braunschweig ohne ein großes Shopping-Center hätte heute keinen Erfolg mehr, findet Gerold Leppa, Geschäftsführer des Stadtmarketings. Durch die Bedingungen, die die IHK vor Baubeginn der Verwaltung vorlegte, aber auch durch das riesige Konfliktpotenzial konnte das Projekt ins Leben gerufen werden. Die IHK habe vieleArgumente nicht einfach weg gewischt und somit maßgeblich zum Erfolg beigetragen. „Ich bin froh, dass wir auf so einem hohen Niveau arbeiten können", zeigte er sich optimistisch. Trotz des steigenden Online-Handels stehe die Stadt super da. Auch im Hinblick auf den rückläufigen Westen, vom City-Point bis zur Burgpassage, zeigte er sich hoffnungsvoll. Bereits vor zwei Jahren wurde vom Eigentümer der Wunsch geäußert, die Burgpassage auszubauen. „Es wird vorangehen", ergänzte Leppa. Beim City-Point befinde man sich dagegen derzeit in Gesprächen. Er ist aber überzeugt davon, dass man bis zum Jahresende gute Konzepte sehen könne. Grund für seinen Optimismus ist der positive Trend in der Stadt. Damals standen 28 von über 400 Ladenlokale leer. Mittlerweile seien bereits 21 neu bestückt, eines befinde sich noch im Umbau und „lediglich" fünf seien unvermietet.

Online-Handel bereitet Probleme



Jan Tangerding (Centermanager Schloss-Arkaden) Foto:



Entgegen der Meinung, dass die Schloss-Arkaden verantwortlich für den Rücklauf des Einzelhandels sei, betonte Centermanager Jan Tangerding, dass viele Leute das Parkhaus der Arkaden nutzen und dann in der Stadt verweilen: „Rund 30 Prozent parken, aber nutzen die Schloss-Arkaden überhaupt nicht.“ Er ergänzte insbesonderedie Rolle des Online-Handels für den Wandel im Einkaufsverhalten. Alleine 17 Prozent des Buchhandels erfolge bereitsonline. Als Oberzentrum habe Braunschweig eine lange Geschichte. Umso mehr erfreue es ihn, dass Touristen vom Anblick des Schlosses schwärmten. Oft wurde ihm bereits gesagt, dass das Gebäude traumhaft schön aussehe. Für ihnliege das vor allem an der „außergewöhnlichen Außenfassade".

Allgemeine Attraktivität im Vordergrund



Mark Alexander Krack (Geschäftsführer Einzelhandelsverband Harz-Heide) Foto: Archiv



Der große Meinungsunterschied innerhalb der Bevölkerung zeige sich auch im Einzelhandelsverband Harz-Heide, erklärte Geschäftsführer Mark Alexander Krack. Heute noch gebe es in der Mitgliederschaft Verfechter und Gegner der Schloss-Arkaden. Als Flächenverband stehe aber vor allem die Attraktivität der Region im Vordergrund. Ein solches Einkaufs-Center gehöre zum Zentrum mit so vielen Einwohnern dazu. „Ich kann schon nachvollziehen, dass eine Not bestand, dieses Projekt ins Leben zu rufen", erklärte er die damalige Situation des Einzelhandels.

Nur eine„Betonwüste"



Roland Kowalzik, Zuschauer und Kritiker bei der Podiumsdiskussion. Foto:



Nicht nur auf, sondern auch neben der Bühne wurde deutlich die jeweilige Meinung vertreten. Der Braunschweiger Roland Kowalzik nahm im Publikum Platz und durfte in der anschließenden Fragerunde Stellung beziehen. Er sei kein Freund der Schloss-Arkaden. Für ihn sei ganz deutlich, dass man die Kaufströme der Stadt nicht mit denen des Shopping-Centers vergleichen könne. Kowalzik finde das Schloss alles andere als schön und erinnerte sich gleichzeitig an die sonnigen Tage im Schlosspark. Mit dieser jetzigen „Betonwüste" könne er überhaupt nichts mehr anfangen.

Frühzeitig Probleme lösen



Carl Langerfeldt (ehemaliger IHK-Vizepräsident und Kaufmann) Foto:



Das Schlusswort hielt Carl Langerfeldt, ehemaliger Vize-Präsident der IHK. Sein Resümee nach zehn Jahre fällt „überwiegend positiv" aus. Für ihn sei von Beginn an wichtig gewesen, dass man so ein Projekt konsequent anpacken und mit Forderungen an die Verwaltung verknüpfen müsse. Dass der Einzelhandel in der westlichen Innenstadt derzeitzurückginge, sei auch eine Verkettung von unglücklichen Zufällen. Für die Zukunft sei es wichtig, dass die eigentlichen Eigentümer der Immobilien ausfindig gemacht und aufgelistet werden müssten. So könne man diskrete Gespräche führen und eine vertrauliche Ebene schaffen, um frühzeitig Probleme gemeinsam zu lösen. Das sagte der Kaufmann, der sein traditionsreiches Bekleidungsgeschäft Ende des Jahres schließen wird, mit Blick auf die hohen Mieten für Gewerbeflächen in der Innenstadt.


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