Corona-Infektionen / Genesene / Verstorbene in der Region
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Stand: 05.04.20, 13.50 Uhr - Insgesamt gemeldete Infektionen in Rot. Davon Genesene, sofern bekannt, in Grün. Verstorbene in Schwarz. Quelle: Offizielle Bestätigungen der Landkreise und Städte oder des Gesundheitsministeriums.



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10 Millionen Corona-Infizierte in drei Monaten - RKI warnt vor Horrorszenario

Dieses Szenario lasse sich jedoch ganz einfach vermeiden, indem die aktuellen kontaktreduzierenden Maßnahmen konsequent umgesetzt werden.

von Marvin König


Immer mehr Menschen erkranken am neuartigen Coronavirus - Es gehe jetzt darum, die Zahl der Neuinfektionen zu verlangsamen.
Immer mehr Menschen erkranken am neuartigen Coronavirus - Es gehe jetzt darum, die Zahl der Neuinfektionen zu verlangsamen. Foto: Marvin König

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18.03.2020

Region. Innerhalb von zwei bis drei Monaten könnten über zehn Millionen Menschen an der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit COVID-19 erkrankt sein. Dies würde eine erhebliche Überlastung des Gesundheitssystems bedeuten. "Wir haben ein exponentielles Wachstum. Um das klar zu machen, wir befinden uns erst am Anfang einer Epidemie", so Prof. Dr. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Pressekonferenz des Instituts am heutigen Mittwoch. Ein düsteres Szenario - Das abgewendet werden kann. Das Einschränken sozialer Kontakte und die Einhaltung von Hygienemaßnahmen seien das Gebot der Stunde.


„Wir alle, die keine Experten sind, haben das Virus unterschätzt“, kommentierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die derzeitige Situation im Interview mit der BILD-Zeitung. Sie deutet ebenfalls an, dass das Gesundheitssystem schon jetzt bis ans Äußerste belastet ist. Prof. Dr. Lothar Wieler richtet auch einen Appell an die Krankenhäuser und Ärzte in Deutschland. Auf lange Sicht werden höhere Kapazitäten benötigt. Einzelne Kliniken müssten sich vollständig auf COVID-19 Patienten spezialisieren. "Wir müssen die Kapazität der Beatmungsplätze in Deutschland maximal erhöhen", so der Wissenschaftler. Diese Aussichten verdeutlichen, welche Maßnahmen auch unter Annahme einer nicht funktionierenden Kontaktreduzierung vonnöten sein werden.

Jeder Einzelne ist gefragt


"Ich will das ganz deutlich machen: Wenn wir es nicht schaffen die Kontakte unter den Menschen wirksam und über einige Wochen nachhaltig zu reduzieren, dann ist es möglich, dass wir in zwei bis drei Monaten bis zu zehn Millionen Infizierte in Deutschland haben", prognostiziert der RKI-Präsident die Lage, sollte die Stillegung des öffentlichen Lebens von den Bürgern missachtet werden. Wieler schlussfolgert: "Wir alle können dazu beitragen, dass dieses Szenario nicht wahr wird. Unsere Berechnungen zeigen eben auch, dass es möglich ist, die Erkrankungswelle durch die Minimierung der Kontakte deutlich zu drücken. Je konsequenter uns das gelingt, desto besser."

"Wir brauchen jetzt Vernunft und Solidarität, und wenn wir das umsetzen, dann können wir die Erkrankungszahlen drücken."

- Prof. Dr. Lothar Wieler, RKI-Präsident




Der Wolfenbütteler Landtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg. Foto: Alexander Dontscheff



Auch Vertreter der Lokal- und Landespolitik schließen sich diesem Appell an. Der Landtags-Vizepräsident Frank Oesterhelweg: "Aus Verantwortung für uns alle müssen wir ohne weitere Verzögerungen für einen begrenzten Zeitraum unser gesellschaftliches Leben und unsere Gewohnheiten weiter herunterfahren. Alles hat sich dem Schutz unserer Bevölkerung und der Gesundheit unterzuordnen, so sehr einige auch am Sinn bestimmter Maßnahmen zweifeln mögen. Wir dürfen jetzt keine Zeit verlieren und müssen besonders an die denken, die aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes besonders gefährdet sind."


Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth Foto: Alexander Panknin



Auch Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth betonte in einer Videobotschaft, dass er die aktuellen Maßnahmen vor zwei Wochen noch für übertrieben gehalten hätte. "Aber nun ist die Lage eine andere", so Markurth. "Dieses Virus ist besonders infektiös und sehr bedrohlich für Menschen mit einer besonderen Beeinträchtigung, etwa der Atemwege. Auch hochbetagte, alte Menschen gilt es zu schützen", appelliert Markurth und schlussfolgert: "Wir haben alle gemeinsam eine große Verantwortung. Wir wollen präventiv dafür sorgen, dass die Ansteckungsketten unterbrochen werden. Wir brauchen diese Zeit, damit die medizinisch-pflegerische Versorgung sich gut vorbereiten kann."


Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel. Foto: Alexander Dontscheff



Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel mahnt, dass nun Besonnenheit und gesunder Menschenverstand gefragt seien: "Wir haben jetzt eine gemeinsame Aufgabe und die lautet: die zu schützen, die Schutz wirklich brauchen, lebensnotwendig brauchen, nämlich die Risikogruppen unserer Stadtgesellschaft", formuliert Klingebiel in seinem Statement.

Nicht jeder zeigt Symptome


Von 5788 der 8198 in Deutschland registrierten Fälle liegen dem Institut klinische Informationen vor. 309 davon sind mit dem Coronavirus infiziert, zeigen aber keine für den Ausbruch der COVID-19 Erkrankung typischen Symptome. Dennoch sind sie hochansteckend - ein Beispiel dafür, wie wichtig das Gebot der Selbstisolation zur aktuellen Stunde ist, selbst wenn man keine Symptome zeigt.

Warum wird nicht jeder getestet?


Ein weiteres Beispiel, welches die Dringlichkeit dieser Maßnahmen verdeutlicht. Aktuell können in Deutschland etwa 160.000 Tests pro Woche auf das Coronavirus durchgeführt werden. Wie die Gesundheitsämter der Städte und Kreise immer wieder betonen, werde nur bei sogenannten begründeten Verdachtsfällen überhaupt getestet. Wie laut dem Robert Koch-Institut ein begründeter Verdacht ermittelt wird, erfahren Sie hier. Ein Verdachtsunabhängiger Test aller zurzeit in Deutschland lebenden Bundesbürger würde bei der aktuellen Kapzität von 160.000 Tests die Woche mindestens neun Jahre dauern. Somit ist es wichtig, erst gar keinen Verdacht aufkommen zu lassen und den Kontakt zu möglicherweise mit dem Coronavirus infizierten Patienten zu meiden. "Maßnahmen zur Eindämmung sind extrem wichtig in der jetzigen Lage und sie werden wichtig bleiben", schlussfolgert Wieler.

Der Appell von Prof. Dr. Lothar Wieler an die Öffentlichkeit:
"Setzen Sie die von der Bundesregierung geforderten Maßnahmen uneingeschränkt um. Abstand halten, mindestens 1,5 meter. Bitte reduzieren Sie soziale Kontakte wo immer Sie können. Das Virus wird nur von Mensch zu Mensch übertragen, deswegen können wir die Übertragung eindämmen.

Wenn sie Symptome haben wie Fieber, Schnupfen, trockenen Husten oder Atemwegsinfektionen haben, bleiben Sie bitte zu Hause. Rufen Sie ihren Arzt an und lassen sie sich beraten, was zu tun ist. Schützen Sie bitte unsere alten und chronisch kranken Mitmenschen vor Ansteckung. Das tun sie durch all die Maßnahmen, die wir vorgeschlagen haben."

Um welche Maßnahmen geht es?


Drei Maßnahmen, die voneinander abhängig sind, bilden den Kern der Strategie des Robert Koch-Instituts. Soziale Distanz schaffen, Fallfindung und Absonderung von Erkrankten und engen Kontaktpersonen, vulnerable Gruppen schützen und medizinische Versorgung entlasten. Auf dieser Strategie fußt beispielsweise der Erlass der Landesregierungen, die derzeit von den Kommunen umgesetzt werden. Betretungsverbote von medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen zum Schutz vulnerabler Gruppen, die Ermittlung von Erkrankten und Kontaktpersonen, welche sich anschließend in Quarantäne begeben, und die Schließung von Geschäften und öffentlichen Räumen zur Schaffung sozialer Distanz. Auch die Absage sämtlicher Veranstaltungen gehöre dazu, ebenso die Möglichkeiten der Wahrnehmung von Heimarbeit und die Reduzierung von persönlichen Kontakten auf wenige, jederzeit bekannte und anzugebende Personen.

Die detaillierten Maßnahmen inklusive Begründung lassen sich hier nachlesen.

Der RKI-Präsident mahnt weiterhin eindringlich, dass sich die Situation in Deutschland derzeit ebenso entwickle wie in Italien. Das Land meldet (Stand 18. März) zurzeit 31.506 Infizierte und 2.503 Todesfälle. Italien bilde nach Meinung von Lothar Wieler die Situation in Deutschland in einer bis zwei Wochen ab - Auch hier gilt wieder: So muss es nicht kommen. Es hängt jetzt vom Verhalten jedes Einzelnen ab.


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