Alles, was man über Kanarienvögel wissen sollte

Sowohl bei der Auswahl als auch bei der Haltung der Tiere sollten Interessierte einiges beachten, um ihren Vögeln tiergerechte Bedingungen zu bieten.

Kanaris sollten immer mindestens zu zweit gehalten werden. Symbolbild
Kanaris sollten immer mindestens zu zweit gehalten werden. Symbolbild | Foto: Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V.

Mehr regionalHeute.de bei Google sehen?

Jetzt als bevorzugte Quelle festlegen

Region. Zusammen mit Wellensittichen, Unzertrennlichen und Zebrafinken zählen Kanarienvögel zu den am häufigsten gehaltenen Ziervögeln. Sowohl bei der Auswahl als auch bei der Haltung der Tiere sollten Interessierte einiges beachten, um ihren Vögeln tiergerechte Bedingungen zu bieten. Darauf weist der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V. in einer Pressemitteilung hin.



Der Kanarienvogel ist die gezüchtete und domestizierte Form des Kanarengirlitzes (Serinus canaria). „Ursprünglich stammen Kanarengirlitze von den Kanarischen Inseln, Madeira und den Azoren. Dies erklärt ihren wissenschaftlichen Namen ‚canaria‘, aus dem der Begriff Kanarienvogel abgeleitet wurde“, erklärt Jonas Liebhauser, Referent für Heimtiere vom Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier und Artenschutz e. V. (BNA).

Beim Adel sehr beliebt


Bereits im 15. und 16. Jahrhundert gelangten die ersten Tiere auf das europäische Festland. Besonders der melodische Gesang der Männchen machte sie beim Adel sehr beliebt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine intensive Zucht, vor allem in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Dadurch entstanden weltweit über 100 verschiedene Kanarienrassen, die in drei Hauptgruppen unterteilt werden: Gesangs-, Farb- und Positurkanarien.

Bedenkliche Zuchtformen


Während Gesangskanarien keine Hinweise auf Qualzuchten aufzeigen, sieht dies bei diversen Positurkanarien anders aus: Sie können unter abweichenden Gefiederstrukturen, extremen Körperhaltungen oder Federhauben leiden. Bei den Farbkanarien sind hingegen nur wenige Farbschläge betroffen. „Die handelsüblichen roten, gelben oder gelbgescheckten Kanarienvögel sind als unbedenklich einzustufen“, beruhigt Liebhauser. Die meisten Zuchtformen von Kanarienvögeln seien mit keinerlei Nachteilen für das Tierwohl verbunden.

Kanarienvögel als Heimtiere


Kanarienvögel können sowohl in einer Außenvoliere mit Schutzraum oder in der Wohnung gehalten werden. Dabei sollte unbedingt das Flugbedürfnis der quirligen Tiere berücksichtigt werden. Für die Wohnungshaltung bietet sich daher ein Vogelzimmer oder eine Voliere (mindestens 150 mal 60 mal 100 Zentimeter) mit täglichem mehrstündigem Freiflug an. Sollte keine Möglichkeit bestehen, den Tieren Freiflug zu gewähren, sollte die Grundfläche der Voliere für zwei Tiere bei mindestens zwei Quadratmetern liegen und das Volumen mindestens drei Kubikmeter aufweisen, zum Beispiel 200 mal 100 mal 150 Zentimeter.

Weitere Tipps für die tiergerechte Haltung


Ausstattung: Neben Sitzstangen in unterschiedlichen Stärken, idealerweise Naturäste, sollten die Vögel eine Bademöglichkeit haben. Auch Beschäftigungsmaterial sollte den Tieren regelmäßig angeboten werden, beispielsweise Wühlschalen oder mit Heu oder Gräsern gefüllte Futterbälle.

Beleuchtung: Wichtig bei der Wohnungshaltung sind flackerfreies Licht und eine Leuchtquelle, die UV-A- und UV-B-Strahlung abgibt.

Ernährung: Kanarienvögel brauchen eine spezielle Saatenmischung, die sich durch einen höheren Anteil ölhaltiger Sämereien von einer Mischung für Wellensittiche oder Prachtfinken unterscheidet. Bei der Auswahl der richtigen Futtermischung berät der Fachhandel. Um Übergewicht vorzubeugen, sollten die Tiere nicht zu viel Futter zur Verfügung haben: Ein gehäufter Teelöffel der Saatenmischung täglich pro Kanarienvogel ist in der Regel ausreichend. Ergänzt wird der Speiseplan durch eine Mineralienmischung und Grit. Dieser enthält kleine Steinchen, die die Vögel in ihrem Muskelmagen zur Zerkleinerung der Saaten nutzen. Frischfutter wie Kräuter und Bittersalate wie Chicorée oder Radicchio runden die Ernährung ab. Dazu mögen die Vögel Gurke und geraspelte Karotte. Mindestens einmal täglich gewechseltes Wasser ist ein Muss.

Gruppengröße: Die Tiere müssen mindestens paarweise, also je ein Männchen und Weibchen oder zwei weibliche Tiere, gehalten werden. Auch eine Haltung in der Gruppe kann bei entsprechendem Platzangebot funktionieren – allerdings können männliche Kanarienvögel in der Brutzeit zänkisch werden und auch aufgrund ihres Territorialverhaltens aggressiv auf Nebenbuhler reagieren und/oder die Weibchen zu stark bedrängen. In diesem Fall kann eine Trennung der Tiere erforderlich werden.

Der kleine Unterschied


Grundsätzlich lassen sich Männchen und Weibchen vor allem durch den Gesang unterscheiden: Das markante Trällern wird nur vom Männchen vorgetragen. Eine äußere Unterscheidung der Geschlechter ist kaum möglich.

Zuchtbestrebungen: Wenn Jungvögel erwünscht sind, brauchen die Kanarienvögel ein schalenförmiges Nistkörbchen aus Draht oder Schilfgewebe sowie Nistmaterial wie Kokos-, Sisal- oder Jutefasern. Das Weibchen wird daraus ein napfförmiges Nest errichten, in dem die meist vier bis sechs Eier circa zwei Wochen bis zum Schlupf bebrütet werden. Sollen sich die Tiere nicht vermehren, sollte man ihnen keine Nistmöglichkeiten oder Fasern zum Nestbau anbieten.

Themen zu diesem Artikel


Tiere