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Aufruf zum Gedenken an den 8. Mai: Auschwitz-Überlebende fordert Feiertag



Aufruf zum Gedenken an den 8. Mai: Auschwitz-Überlebende fordert Feiertag

In einem Überblick berichtet die IG Metall über Äußerungen von Wirtschaft und Politik in Salzgitter zum Gedenktag am 8. Mai - dem Tag der Befreiung.

Am Tag der Befreiung wird der Opfer des 2. Weltkrieges gedacht und die Hoffnung gefeiert.
Am Tag der Befreiung wird der Opfer des 2. Weltkrieges gedacht und die Hoffnung gefeiert. Foto: pixabay

Salzgitter. Anlässlich des 75. Jahrestages des Tages der Befreiung spricht sich Oberbürgermeister Frank Klingebiel dafür aus, dass dieser Tag immer Mahnung und Hoffnung sein soll. Klingebiel unterstreicht die Freundschaft der Stadt Salzgitter zu Partnerstädten in Frankreich, England und Russland und erinnert daran, dass mit dem Kriegsende auch die Stadt Salzgitter wiedergeboren wurde. Die Gründung der Stadt sei eng verbunden mit dem 2. Weltkrieg, wie die Leiterin der Gedenkstätte des KZ Drütte betont. Auf dem Rücken der Zwangsarbeiter sei die Stadt geschaffen worden. So sieht auch die in Salzgitter ansässige Industrie einen wichtigen Auftrag darin, an die Opfer des 2. Weltkriegs zu erinnern. Der Betriebsratsvorsitzende der Salzgitter Flachstahl GmbH bedauerte, dass angesichts der Corona-Krise kein öffentlicher Gedenktag möglich sei. Die IG Metall Salzgitter-Peine unterstützt die Petition der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano, den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag in ganz Deutschland zu etablieren. Dies berichtet die IG Metall in einer Pressemitteilung.



Frank Klingebiel äußert sich zur Bedeutung des 8.Mai: „Der Tag der Befreiung soll Mahnung dafür, dass nie wieder Krieg in Europa stattfinden soll und Hoffnung für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, christliche Nächstenliebe und vor allem für die Unantastbarkeit der Menschenwürde sein. Er sollte stehen für nie wieder Krieg und Faschismus,“ so Klingebiel weiter. Er erinnerte daran, dass der Tag der Befreiung auch gleichzeitig für die zweite Geburtsstunde der Stadt Salzgitter steht und dass die Menschen Salzgitters durch ihre engen und langjährigen Verbindungen zu den Menschen in den Partnerstädten Créteil (Frankreich), Swindon (England) und Staryj Oskol (Russland) einen Beitrag zu 75 Jahre Frieden in Europa geleistet haben. „Aus Kriegsgegnern wurden Freunde!“, stellt Klingebiel erfreut fest.

Maike Weth, Leiterin der Gedenkstätte KZ Drütte, erinnerte daran, dass die Gründungsgeschichte der Stadt Salzgitter eng mit dem 2. Weltkrieg verbunden war und damit „vor allem auf dem Rücken von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen aufgebaut wurde.“ Viele von ihnen erlebten das endgültige Ende des Krieges nicht mehr. Darunter war auch Albert van Lieshout. Der 23-jährige Niederländer wurde im Oktober 1944 nach Salzgitter verschleppt und dort zur Arbeit bei den Reichswerken „Hermann Göring“ gezwungen. Er starb nur sieben Monate später, nämlich am 7. Mai 1945 - einen Tag vor dem Ende des 2. Weltkrieges. Er wurde auf dem Friedhof Jammertal bestattet. „Es begann ein 75-jähriger Frieden, ein Frieden der nicht selbstverständlich ist,“ so Weth weiter, „sondern ein Frieden für den wir jeden Tag Verantwortung übernehmen müssen.“



"Kein Gedenken in gebotener Form möglich"


Hasan Cakir, Betriebsratsvorsitzender der Salzgitter Flachstahl GmbH, drückte seine tiefe Trauer darüber aus, angesichts der aktuellen Corona-Krise den 75. Jahrestag nicht in der gebotenen Form würdigen zu können. „75 Jahre in Frieden leben zu können,“ führt Cakir weiter aus, „sollten für uns alle - jung und alt - Grund genug sein, alles dafür zu tun, dass die grausame Zeit nie wiederkommt und, dass so etwas nie wieder passiert.“ Die weißen Fahnen in den Fenstern und auf den Plätzen am Ende des Zweiten Weltkrieges sollten wir seiner Ansicht nach nicht als Aufgabe oder Kapitulation verstehen, „sondern die Befreiung von Krieg und Gewaltherrschaft herbeigesehnt zu haben.“ In diesem Sinne hofft Cakir, „dass alle Menschen alles dafür tun, den Frieden zu erhalten und die Welt lebenswert weiterzuentwickeln.“


Matthias Wilhelm, Bevollmächtigter der IG Metall Salzgitter-Peine, erinnerte daran, dass „der 8. Mai vor 75 Jahren mit der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erst ein demokratisches Deutschland möglich machte.“ Um jegliche Angriffe auf die Demokratie abzuwehren und damit sich die Geschichte nicht wiederholt, setzt sich die IG Metall konsequent für die Achtung der Menschenwürde, Respekt, Solidarität und den Erhalt der Demokratie ein, so Wilhelm weiter.

„Heute, 75 Jahre nach dem Kriegsende ist der Frieden wieder bedroht und es unsere Verpflichtung, dass das 21. Jahrhundert nicht zu einem Jahrhundert der Konfrontation und Gewalt wird,“ mahnt Wilhelm. Deshalb unterstützt die IG Metall Salzgitter-Peine auch den Aufruf der Friedensinitiative „abrüsten statt aufrüsten“, die zu einer Kultur des Friedens, der Vernunft und der Verständigung aufrufen. Die Initiatoren fordern unter anderem den Aufbau einer gesamteuropäischen Friedensordnung, die Stärkung der Vereinten Nationen und weltweite Abrüstung sowie Rüstungskontrollen. Nicht nur mit Blick auf die Geschichte, sondern auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen, lehnt Wilhelm die Erhöhung der Rüstungsausgaben ab und fordert die vorgesehenen Geldmittel von rund 40 Milliarden Euro für Gesundheit, Umwelt, Bildung und Soziales einzusetzen.

Auschwitz-Überlebende fordert Feiertag am 8. Mai


In ihrer Forderung den Tag der Befreiung zu einem dauerhaften gesetzlichen Feiertag zu bestimmen, unterstützt die IG Metall Salzgitter-Peine eine Petition von Esther Bejarano, Ehrenvorsitzende der VVN-BdA, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und des gemeinnützigen Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano hatte in einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel und Mitglieder des Bundestages gefordert, den 8. Mai zum Feiertag zu erklären.

Wilhelm betont: „Ein gutes Leben für alle ist nur möglich, wenn wir Verbrechen und Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Nur wenn wir aus der Geschichte lernen, haben wir eine gute Zukunft. Es ist Zeit, dafür zu handeln. Glück auf, Salzgitter!“


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