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BI Baumschutz kritisiert geplante Bahnhof-Umgestaltung



Braunschweig

BI Baumschutz kritisiert geplante Bahnhof-Umgestaltung


"Hände weg von Viewegs Garten", so die BI Baumschutz. Foto: Alexander Dontscheff
"Hände weg von Viewegs Garten", so die BI Baumschutz. Foto: Alexander Dontscheff Foto: Alexander Dontscheff

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Braunschweig. Die Stadt plant das Bahnhofsumfeld in Braunschweig neu zu gestalten und so attraktiver zu machen. Am 1. Oktober gaben Oberbürgermeister Markurth und Stadtbaurat Leuer den Siegerentwurf des Architekturwettbewerbs für das Bahnhofsumfeld bekannt. Der Entwurf sieht eine komplette Umgestaltung vor Hauptbahnhof und Bravo-Park vor. Dies geschehe auf Kosten von Natur, Stadtklima und Radverkehr, wie die Bürgerinitiative Baumschutz in einer Pressemitteilung berichtet.



„Weit über 350 Bäume weniger, zwei Ecken des historischen Parks Viewegs Garten mit Hochhäusern bebaut, den Radverkehr schlichtweg vergessen, 18.000 Quadratmeter neue Versiegelung und eine ordentliche Portion Steinwüste vor dem Hauptbahnhof – Klimaschutz sieht anders aus“, so Sabine Sambou von der Bürgerinitiative. Sie habe die Bäume gezählt. Die Zahl von 350 weniger Bäumen sei die Differenz aus den vorhanden, großen alten Bäumen im Planungsgebiet, die für die Umgestaltung gefällt würden und den kleinen Bäumen, die laut Entwurf neu gepflanzt werden sollen.

"Klimaschutz bleibt auf der Strecke"


Mit der Entscheidung habe die Stadt es sehr eilig. Viewegs Garten sei zwar nicht denkmalgeschützt, stehe aber planungsrechtlich unter Schutz. Das solle nun durch eine Änderung des Flächennutzungsplans aufgehoben werden. Dies und die Aufstellung eines Bebauungsplans sollen am 29. Oktober im Bezirksrat vorgestellt, am 30. Oktober im Planungs- und Umweltausschuss vorentschieden und am 5. November im Verwaltungsausschuss in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen werden.



Dazu Baumschützer Edmund Schultz: „Auf der Strecke bleiben Bürgerbeteiligung, Klimaschutz, Natur und Radverkehr! Den Rückbau von Kurt-Schumacher-Straße und Heinrich-Büssing-Ring halten wir zwar für zukunftsweisend, um Raum für Gehwege, Radverkehr, ÖPNV, Bäume und Sträucher zu schaffen. Davon kann hier jedoch nicht die Rede sein. Die frei werdenden Flächen sollen dicht mit bis zu achtgeschossigen Hochhäusern bebaut werden – aber nur mit 300 Wohnungen! Der Radverkehr, den Braunschweig angeblich fördern will, wurde in den Plänen komplett vergessen. Ausnahme ist, dass die Radabstellplätze vor dem Bahnhof in ein Parkhaus daneben verlegt werden. Der klimaschädliche Autoverkehr wird durch den Neubau eines Parkhauses sogar noch zunehmen. Die großen, wertvollen grünen Verkehrsinseln mit ihren vielen Bäumen und Beeten sollen ersatzlos verschwinden.“

"Bürgerbeteiligung ist nichts wert"


Gerade 2006 sei der Park noch aufwändig saniert worden, Wege wurden erneuert und Bäume gepflanzt. 2017 habe dort der Tag des Baumes stattgefunden. 2014 habe die Stadt im Rahmen des Projekts „Drei Bäume für Deutschland“ in einer feierlichen Zeremonie an der Südostspitze drei Bäume gepflanzt. Diese sollen nach dem Siegerentwurf jetzt wieder gefällt werden.


Renate Rosenbaum von der BI weist auf den Bürgerbeteiligungsprozess ISEK hin: „Bei ISEK war der Wunsch der Braunschweiger nach Erhalt und Ausweitung unserer Parks einer der Spitzenreiter. Hier sieht man wieder einmal, dass diese Bürgerbeteiligung keinen Pfifferling wert ist, wenn die Verwaltung etwas durchsetzen will!“

„Während die meisten Ratsleute zustimmend nicken, wenn Fridays for Future vor dem naheliegenden Aussterben der Menschheit warnt wegen Untätigkeit angesichts der Klimakatastrophe, wird gleichzeitig ein Entwurf zum Sieger gekürt, der große Flächen versiegelt, hunderte wertvolle alte Bäume vernichtet und den Radverkehr vergisst! Schon jetzt kann Braunschweig seine Klimaziele nicht einhalten und dieses Projekt ist ganz offensichtlich in hohem Maße klimaschädlich! Solange es in der Stadt noch Dächer ohne Solaranlage gibt und Orte, wo ein Baum oder ein Strauch wachsen könnte, sollte man nicht einmal daran denken, Geld anders zu investieren als in das Ringen um unser aller Überleben“, soEdmund Schultz.

Alle Entwürfe werden ab 28. Oktober im Rathaus im 2. OG ausgestellt.

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