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Braunschweig – Harvesse – was wird aus der Bahnstrecke?



Braunschweig

Braunschweig – Harvesse – was wird aus der Bahnstrecke?

von Robert Braumann


Foto: Dieter Hoeschen

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Braunschweig. Das Land Niedersachsen hat in den letzten Monaten geprüft, welche zurzeit nicht betriebenen Bahnstrecken sinnvoll für den Personenverkehr reaktiviert werden können. In einem ersten Schritt verblieb dabei auch die Strecke Braunschweig-Harvesse, die in der Vergangenheit auch schon Bestandteil des Projektes RegioStadtBahn war. Das hatte bei einigen Bürgern vor Ort für Unbehagen gesorgt (BraunschweigHeute.de berichtete). Die Grünen sehen einen Ausbau der Strecke aber auch als Chance.

Nachdem diese Strecke bei der Vorauswahl noch als die mit dem höchsten Potential galt, ergab sich in der näheren Untersuchung ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von nur 0,7. Das Land will die Reaktivierung dieser Strecke nun zunächst nicht prioritär weiter verfolgen. Die Strecke wird momentan für Mülltransporte genutzt, zudem möchte VW nach der Fertigstellung des Logistikzentrums in Harvesse die Strecke für Transporte nutzen. Das hätte laut den Grünen bisher keine hinreichende Berücksichtigung gefunden. Holger Herlitschke (Grüne) sagte: "Diese Nutzung stößt in Watenbüttel und Völkenrode nachvollziehbar auf Proteste, weil der Zustand der Strecke sowohl in lärmtechnischer wie auch sicherheitstechnischer Hinsicht lediglich auf dem minimal für eine Nutzung notwendigen Niveau ist. Die mit den Transporten verbundenen Erschütterungen und Lärmemissionen in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern, die vor etlichen Jahren im Glauben an eine stillgelegte und nicht wieder in Betrieb gehende Bahnstrecke errichtet worden sind, sind für die AnwohnerInnen sehr belastend. Wenn die Strecke - wie von der Gemeinde Wendeburg und dem Zweckverband Großraum Braunschweig vorgeschlagen - für den Personenverkehr hergerichtet würde, würden weitergehende Anforderungen an den Lärmschutz und auch an die Signaltechnik gelten, die möglicherweise die Situation der AnwohnerInnen verbessern könnten. Schon aus diesem Grunde muss die Stadt Braunschweig ein Interesse an der Entwicklung der Strecke haben." In diesem Zusammenhang müsse man laut den Grünen über eine Trassenführung über die Hamburger Straße direkt in Richtung der Braunschweiger Innenstadt nachdenken. Voraussichtlich würde dies das Nutzen-Kosten-Verhältnis verbessern und eine Reaktivierung mit Unterstützung des Landes - dann allerdings als Stadtbahn mit Zweisystemfahrzeugen - wahrscheinlicher machen.

Grüne stellen Anfrage im Rat


In der Ratssitzung stellten die Grünen in diesem Zusammenhang eine Anfrage an die Verwaltung. Sie wollten beantwortet haben: Welche Lärmschutzmaßnahmen, welche Maßnahmen gegen Erschütterungen und welche technischen Einrichtungen an Kreuzungen mit Wegen und Straßen werden für den Betrieb der Bahnstrecke Harvesse-Braunschweig mit Güterverkehr im Zusammenhang mit dem Logistikverkehr von VW für die Anwohnerinnen und Anwohner in Völkenrode und Watenbüttel ergriffen wurden und welche Maßnahmen nötig wären, um die Strecke mit Personenverkehr als Regionalbahn oder Stadtbahn (Zweisystemfahrzeuge) zu betreiben? Dazu wollten die Fraktion wissen, ob die Verwaltung vor hat gegenüber ZGB und Land aktiv zu werden, um eine Prüfung der Streckenführung Harvesse- Hamburger Straße- Innenstadt- Hauptbahnhof herbeizuführen?

Große Umbauarbeiten von Nöten


Die Verwaltung gab bekannt, dass der schienengebundenen Nahverkehr in der Region eine Aufgabe des ZGB (Zweckverband Großraum Braunschweig) wäre, so dass die Antwort in Abstimmung mit diesem erfolge. Nach Kenntnis des ZGB werden sich für den Betrieb der Bahnstrecke Harvesse-Braunschweig im Zusammenhang mit dem VW-Logistikverkehr gegenüber heute keine Veränderungen ergeben. Wenn die Strecke im Personenverkehr betrieben werden würde, wären vor dem Hintergrund der höheren Geschwindigkeiten sowie der damit verbundenen höheren Sicherheitsanforderungen viele Baumaßnahmen nötig: Anpassung der Entwässerung, Neubau technisch gesicherter Bahnübergänge, Ertüchtigung von Brücken, teilweise Erneuerung des Oberbaues (Schwellen auf Schotter), Weichenneubauten, Neubau von Bahnsteigen mit notwendiger Ausstattung (Wetterschutz, etc.), Neubau von Signalen und Stellwerkseinrichtungen einschließlich Verkabelung, Schallschutz, ergänzende Maßnahmen im Straßenbau (wegen Neubau von Bahnübergängen), Abbruch bestehender Altanlagen und baustellenbedingte Maßnahmen. Zur dritten Frage hieß es: "Der ZGB hatte zusätzlich zu der Variante "Eisenbahnstrecke" die "Variante RegioStadtBahn 2.0" für das Bewertungsverfahren eingereicht. Das Land hatte diesbezüglich darauf verwiesen, dass nur Eisenbahnstrecken im Rahmen der Begutachtung berücksichtigt werden. Eine abschließende Bewertung der Untersuchung sollte nach Vorlage der streckenspezifischen Unterlagen erfolgen. Diese liegen dem ZGB noch nicht vor." Aktuell hat der ZGB einen neuen Nahverkehrsplan erarbeitet. Darüber soll in den kommenden Wochen informiert werden. Inwiefern dabei die angesprochene Strecke im Antrag der Grünen eine Rolle spielt, könne die Verwaltung noch nicht äußern.


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