Medizinstudium in Braunschweig ist weiterhin Ziel der Stadt

Bei der Kooperation zwischen der Universitätsmedizin Göttingen und dem Klinikum Wolfsburg, war Braunschweig leer ausgegangen. Stattdessen werden künftig in Wolfsburg die Ärzte von Morgen ausgebildet.

von Martin Laumeyer


Symbolbild.
Symbolbild. | Foto: Axel Otto

Braunschweig. Bei der Kooperation zwischen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und dem Städtischen Klinikum Braunschweig ist die Löwenstadt leer ausgegangen. Stattdessen werden künftig in Wolfsburg die Ärzte von Morgen ausgebildet. Doch in Braunschweig gibt man sich noch nicht geschlagen, wie Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum (SPD) und Christoph Bratmann, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt, unabhängig voneinander in Gesprächen mit regionalHeute.de-Chefredakteur Werner Heise erklären. Um dieses Ziel zu erreichen, liege der Schlüssel zum Erfolg in einer intensiveren Kooperation mit der MHH in Hannover.



Dass Braunschweig bei der Kooperation mit der UMG leer ausgegangen war, hatte zu einem öffentlichkeitswirksamen Konflikt mit Wolfsburg geführt, der mittlerweile jedoch beigelegt sei. "Wir hatten gute Gespräche auch in Richtung Wolfsburg. Der Draht ist nach wie vor gut, auch ins Rathaus. Im Moment gibt es ja nach wie vor eine Kooperation der Kliniken Braunschweig und Wolfsburg", so Bratmann.

Für Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum ist die medizinische Ausbildung in Braunschweig weiterhin ein klares Vorhaben, für das man "in guten Gesprächen" mit der Technischen Universität Braunschweig und dem Land Niedersachsen sei. Dass Braunschweig bereits ein Universitätsstandort ist, sieht der Oberbürgermeister als einen großen Vorteil für das Vorhaben. "Ich hoffe, dass bei dem Bedarf, den das Land Niedersachsen an Medizinstudienplätzen hat, wir dort auch mithelfen können. Denn wir haben hier im Grunde alles vor Ort", macht Kornblum deutlich und weist darauf hin, dass das Klinikum Braunschweig von der Größe her gleich auf mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sei. Mit dieser peile man nun auch eine entsprechende Kooperation an.

Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum.
Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum. Foto: Thomas Stödter


Das sieht auch Christoph Bratmann so. Eine intensivere Kooperation mit der MHH in Hannover hinsichtlich der Hochschulausbildung von Medizinern sei der Schlüssel, um Braunschweig als universitären Medizinstandort weiter zu profilieren. Dadurch könnten sich in Zukunft auch andere Fördermöglichkeiten ergeben. Das Wichtigste sei seiner Ansicht nach aber, dass das Klinikum Braunschweig gut aufgestellt ist und der wichtigste Versorger in der Region sei. Es sei zudem das größte nicht universitäre Klinikum in ganz Norddeutschland und "von daher ist es so wichtig, dass wir es dafür einsetzen und dass es auch auf Ebene der universitären Ausbildung vorangeht", so der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Christoph Bratmann.
Christoph Bratmann. Foto: Niklas Eppert


Braunschweig fühlte sich übergangen


Im Oktober vergangenen Jahres hatten das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK), die UMG und das Klinikum Wolfsburg eine Absichtserklärung zum Aufbau eines "Medizincampus Wolfsburg (MCW) der Universitätsmedizin Göttingen" am Klinikum Wolfsburg unterzeichnet. Mit der Errichtung des neuen Lehrcampus ab Frühjahr dieses Jahres sollen die klinischen Ausbildungskapazitäten der UMG ausgebaut und ein zweiter klinischer Ausbildungsstandort errichtet werden. In einer zweiten Ausbauphase sollen dann ab 2023 bis zu 60 Studenten pro Jahr aus Göttingen drei von insgesamt sechs klinischen Semestern vollständig am Lehrcampus Wolfsburg absolvieren.


In Wolfsburg werden jetzt Ärzte ausgebildet



Die Stadt zeigte sich von dieser Information insofern überrascht, als bereits im Februar 2018 zwischen dem Ministerium, der UMG und dem Städtischen Klinikum nach vorbereitenden Gesprächen vereinbart wurde, am Klinikum einen Campus der UMG zu etablieren. Nur wenige Punkte hätten nicht abschließend geklärt werden können, unter anderem wäre eine Finanzierung vom Land notwendig gewesen. Im Februar 2020 wurde die Öffentlichkeit über diese Problematik informiert und vorgeschlagen, den Start des Medizinstudiums in Braunschweig um ein Jahr auf das Wintersemester 2022 zu verschieben. Daraufhin hatte das Ministerium für sich entschieden, die Kooperationsgespräche zu beenden.




Am 19. Januar wurde von der Stadt Wolfsburg und der UMG der Kooperationsvertrag unterzeichnet, womit der Aufbau des Medizincampus eingeläutet wurde. Erste Studenten hatten einer damaligen Pressemitteilung nach bereits mit Untersuchungskursen begonnen. 

Die UMG zählt zu den größten medizinischen Fakultäten Deutschlands und bildet derzeit pro Jahr 400 Studenten aus.


mehr News aus der Region