2050 könnte es heiß werden: Stadt stellt Klimaanalyse vor

von Alexander Dontscheff


Thomas Gekeler, Leiter der Abteilung Umweltschutz der Stadt Braunschweig, präsentierte die Ergebnisse. Fotos und Podcast: Alexander Dontscheff
Thomas Gekeler, Leiter der Abteilung Umweltschutz der Stadt Braunschweig, präsentierte die Ergebnisse. Fotos und Podcast: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

Braunschweig. Wie sieht das Stadtklima im Jahr 2050 aus? Und welche Maßnahmen müssen ergriffen, welche Faktoren berücksichtigt werden, damit es sich auch dann noch angenehm hier leben lässt? Mögliche Antworten auf diese Fragen liefert die neue Stadtklimaanalyse der Stadt, die am heutigen Mittwoch vorgestellt wurde.


Schon seit 1992 werden in Braunschweig Gutachten zum Stadtklima und zu möglichen Belastungen durch Überwärmung in der Stadt erstellt. Im Laufe der Jahre sind vor allem durch den technischen Fortschritt ganz andere Erkenntnisse möglich. Die jetzt vorliegende Analyse wertet auch Daten auf kleinstem Raum aus. Darüber hinaus wirft sie einen Blick in die Zukunft. Welche Verhältnisse herrschen im Jahr 2050 unter der Voraussetzung, dass es dann im Stadtgebiet durchschnittlich 1,5 Grad wärmer sein wird?

In der Stadtklimaanalyse wird vor allem eine wolkenlose und windarme Situation im Sommer mit viel Sonne betrachtet, eine sogenannte autochthone Wetterlage. Denn bei dieser Wetterlage treten die Unterschiede zwischen Stadt und Umland besonders deutlich auf und auch die besondere Hitzebelastung in Städten ist dann am stärksten.

Wärmeinseln in der Innenstadt


Thomas Gekeler, Leiter der Abteilung Umweltschutz der Stadt Braunschweig, erklärt: "Die Analyse zeigt: Auch in Brauschweig gibt es den Effekt der ‚Städtischen Wärmeinseln‘. In den stark versiegelten Bereichen wie der Innenstadt, Teilen der Ringgebiete und auch in den großflächigen Industrie- und Gewerbeflächen, können in der Nacht bis zu 8°C höhere Lufttemperaturen auftreten als im Umland. In Zukunft wird sich dieser Effekt durch den Klimawandel weiter verstärken. Diese Unterschiede sind gerade in heißen Sommernächten problematisch, da durch die erhöhte Lufttemperatur in der Stadt der Schlaf und somit die Regenerationsphase gestört werden kann."

Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer zur Bedeutung der Stadtklimaanalyse:

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Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Foto:



Die Stadtklimaanalyse befasst sich außerdem mit der Wechselwirkung zwischen der städtischen Bebauung einerseits und den Grün- und Freiflächen als Ausgleichsraum andererseits. Luftleitbahnen sind hierbei die Verbindungselemente. So wird im Stadtklimagutachten unter anderem identifiziert, wie die einzelnen Wohnquartiere mit Kaltluft versorgt werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei in Braunschweig die Auen von Oker, Wabe und Schunter sowie die großen stadtnahen Freiflächen.

Luftleitbahnen dürfen nicht zugebaut werden


Die in der Klimaanalyse identifizierten Luftleitbahnen und Kaltluftentstehungsgebiete sind wichtig und werden in Zukunft durch den Klimawandel noch wichtiger für die Durchlüftung und Kühlung des Stadtgebietes. Luftleitbahnen transportieren kühlere und saubere Luft unter anderem aus unbebauten Kaltluftentstehungsgebieten in das Stadtgebiet und tragen so zur Reduzierung der Temperatur bei. Daher ist es schon heute ein Ziel, die Funktion dieser Flächen zu sichern. Als konkretes Beispiel wurde etwa im Baugebiet Holzmoor ein 80 Meter breiter Streifen frei gelassen, um die Luftleitbahn nicht zu stören.

Dass es da auch Interessenskonflikte gibt, ist Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer bewusst. "Jeder Bauantrag ist immer auch ein Abwägungsprozess", so Leuer. So müsse sich die Stadt einerseits entwickeln, andererseits bedeute eine zunehmende Verdichtung in der Innenstadt auch eine weitere Erwärmung. Und Thomas Gekeler ergänzt, selbst in seiner Abteilung würde es konträre Interessen geben. So würden Wände dem Schallschutz dienen, Gebäude Schatten spenden, andererseits aber beides den Luftstrom behindern.

Wird es tropisch in Braunschweig?

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Überall im Stadtgebiet wird es in 30 Jahren deutlich wärmer sein als bisher und die Anzahl der Tropennächte, so werden Nächte mit Temperaturen von über 20°C bezeichnet, wird zunehmen. Außerdem wird sich der Effekt der "Städtischen Wärmeinseln" verstärken und die Wärmebelastung insbesondere in dicht besiedelten Gebieten und auf versiegelten Flächen spürbar ansteigen. Großflächige Parkanlagen werden dann noch wichtiger. In der Nacht wirken sie mit ihrer Abkühlung als Ausgleichräume und am Tag dienen schattenspendende Bäume als Rückzugsorte. Auch kleine Grünflächen können eine wichtige Entlastungsfunktion für die umliegend wohnende beziehungsweise arbeitende Bevölkerung darstellen. Daher gilt es, sowohl große als auch kleine Grünflächen zu erhalten und zu entwickeln.

Das Gutachten zur Stadtklimaanalyse und die Klimaanalyse- und Planungshinweiskarten sind zu finden unter www.braunschweig.de/stadtklima.


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