Braunschweiger Karnevalsumzug: Alle Infos zum Schoduvel im Überblick


whatshotTopStory

Alleskönner im Katastrophenschutz: Neue Hightech-Flotte an regionale Feuerwehren übergeben

Zwölf Katastrophenschutzfahrzeuge wurden im Beisein des Innenministers an Feuerwehren in der Region übergeben. Bund, Länder und Kommunen rüsten sich damit für einen möglichen Katastrophenfall.

von Marvin König


Der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und der BBK-Präsident Christoph Unger bei der symbolischen Übergabe der Katastrophenschutzfahrzeuge. Der Bundestagsabgeordnete Carsten Müller, Oberbürgermeister Ulrich Markurth und der Landtagsabgeordnete Dr. Christos Pantazis wohnten der Zeremonie neben vielen weiteren Vertreter aus Landes- und Lokalpolitik ebenfalls bei.
Der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und der BBK-Präsident Christoph Unger bei der symbolischen Übergabe der Katastrophenschutzfahrzeuge. Der Bundestagsabgeordnete Carsten Müller, Oberbürgermeister Ulrich Markurth und der Landtagsabgeordnete Dr. Christos Pantazis wohnten der Zeremonie neben vielen weiteren Vertreter aus Landes- und Lokalpolitik ebenfalls bei. Foto: Marvin König

Artikel teilen per:

22.01.2020

Braunschweig. Ein Anblick, den man nicht alle Tage hat - Zwölf nagelneue Löschgruppenfahrzeuge, bestimmt für den Katastrophenschutz, zierten am heutigen Mittwoch den historischen Burgplatz. Die neuen Fahrzeuge des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wurden in Braunschweig an die kommunalen Feuerwehren der Region übergeben.


Die zwölf Löschgruppenfahrzeuge, welche nach der feierlichen Übergabe im Ratssaal des Rathauses Braunschweig auf dem Burgplatz begutachtet werden konnten, reihen sich nach der bereits im Juli vergangenen Jahres erfolgten Übergabe von zehn Löschgruppenfahrzeugen in Hildesheim ein. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren bundesweit über 306 neue Löschgruppenfahrzeuge an die Länder und Kommunen übergeben werden. 115 wurden bereits ausgeliefert und stehen auf dem Hof des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und warten auf die Zuteilung auf die Kommunen. 350 Löschgruppenfahrzeuge müssen noch ersetzt werden - dies soll in den nächsten drei bis vier Jahren erfolgen, so der Präsident des BBK, Christoph Unger, in seiner Festrede im Ratssaal. Doch nicht alles laufe rund.

Die schlechte Nachricht ist: Beim Schlauchwagen, der ja eigentlich gerade auch im Hinblick auf Waldbrände wichtig wäre, haben wir ein Riesenproblem. Der Hersteller war nach drei Jahren nicht in der Lage, uns ein vernünftiges Auto auf den Hof zu stellen. Wir müssen den Auftrag wahrscheinlich neu ausschreiben.

- Christoph Unger, BBK-Präsident.



Bereit für zukünftige Herausforderungen


Die Löschgruppenfahrzeuge werden bei den Feuerwehren in Braunschweig, Emden, Göttingen, Goslar, Hannover, Munster, Nienburg, Nordenham und Rinteln stationiert. Dort werden sie eingegliedert in die Bereitschaften der jeweiligen Kreisfeuerwehr. "Sie werden zukünftig aber nicht nur regional, sondern auch innerhalb von Niedersachsen oder über die Landesgrenzen hinweg eingesetzt", wie das Niedersächsische Innenministerium erläutert. Innenminister Pistorius hält die Verjüngung der Flotte, insbesondere aufgrund der kommenden Herausforderungen für die Feuerwehren und den Katastrophenschutz für wichtig.



Der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius am Rednerpult im Großen Ratssaal. Foto: Marvin König


Torge Malchau, Leiter Feuerwehr Braunschweig erklärt die technischen Details: "Bei den Fahrzeugen handelt es sich um sogenannte Löschfahrzeuge Katastrophenschutz. Das sind Löschfahrzeuge die besonders geländegängig sind, damit können sie auch bei Wald- und Flächenbränden gut eingesetzt werden." Auch für Hochwasser seien die Löschgruppenfahrzeuge bestens gerüstet: "Deswegen sind sie auch in der Lage, zum Beispiel durch 60 Zentimeter tiefes Wasser zu fahren."


Torge Malchau, leitender Branddirektor der Berufsfeuerwehr Braunschweig, ist von der Qualität seiner jüngsten beiden Flottenmitglieder überzeugt. Foto: Marvin König


Allrad-Antrieb für alle Einsatzlagen


Im Kontext mit diesen Vehikeln häufig erwähnt wird auch ein möglicher Verteidigungsfall. Laut dem BBK-Präsidenten bergen die weltweiten Konflikte in instabilen Regionen und das Internet - beziehungsweise das Darknet - die Möglichkeit, dass gefährliche Substanzen und Waffen in die falschen Hände geraten. Der Schutz der Bevölkerung bei einem eintretenden Krieg oder einer kriegsähnlichen Situation könnte unter anderem durch die auf dem Burgplatz vorgestellten Multitalente erfolgen. Torge Malchau dazu: "Man geht davon aus - das kommt noch aus alten Zeiten - dass es eben auch bei einem Verteidigungsfall oder bei kriegerischen Auseinandersetzungen zu großen Bränden kommt, die dann eben mit diesen Fahrzeugen bekämpft werden können."

Einsatz in unwegsamem Gelände



Zusammen sind die zwölf Löschgruppenfahrzeuge, die sich hier auf dem Burgplatz präsentieren, über zweieinhalb Millionen Euro wert. Foto: Marvin König


Die Fahrzeuge seien laut Malchau hervorragend geeignet für Einsätze abseits vorhandener zivilisatorischer Strukturen. "Sie sind für die Brandbekämpfung im unwegsamen Gelände ausgestattet, sie haben 600 Meter Schlauch dabei, das ist deutlich mehr als normale Löschfahrzeuge, sodass sie mit ihrem Allrad-Fahrgestell auch dann noch funktionieren, wenn Straßen nicht vorhanden sind, und wir können damit auch Einsatzstellen erreichen, die Abseits von den befestigten Straßen liegen"

Hightech für 223.000 Euro


Bei Beschaffungskosten von 223.000 Euro pro Fahrzeug biete das Löschgruppenfahrzeug-Katastrophenschutz (LF-KatS) alles, was im Einsatz benötigt wird, wie das BBK in einer Pressemitteilung zu den neuen Fahrzeugen beschreibt: von der Feuerwehraxt, über Atemschutzgeräte, analoge und digitale Funkgeräte bis hin zu einer Tragkraftspritze mit einer Förderleistung von über 1.500 Litern pro Minute, sowie einen Löschmittelbehälter mit 1.000 Liter Fassungsvermögen.

Während die Automatikschaltungen handelsüblicher LKW in der Regel auf eine wirtschaftliche Fahrweise ausgelegt sind, verfügt das LF-KatS über eine sogenannte "Feuerwehrschaltung", die kürzere Schaltzeiten - zum Beispiel für Einsatzfahrten mit Sonderrechten - ermöglicht. Weitere technische Details zeigt das BBK in einem YouTube-Video.

Trotz aller technischer Raffinesse seien die Alleskönner aber für jeden normalen Kameraden zu bedienen: "Die Fahrzeuge sind den normalen Feuerwehrfahrzeugen recht ähnlich. Das heißt wir brauchen keine großartigen zusätzlichen Ausbildungen, die Maschinisten - also die Fahrzeugbediener - haben nochmal eine Werkseinweisung bekommen, wie das aber auch bei anderen Löschfahrzeugen der Standard ist, ansonsten bauen die Fahrzeuge auf genormter Feuerwehrtechnik auf", so Malchau abschließend.


zur Startseite


Lesen Sie auf regionalSport.de: