Ausstellung über Kriegsbeginn: Was war 1939 in Braunschweig und Łódź?


| Foto: Sina Rühland



Braunschweig. Mit der Eröffnung einer Ausstellung haben das Braunschweiger Gymnasium Neue Oberschule und das Katholische Gymnasium und Lyzeum in Łódź am Freitagnachmittag ein einjähriges Kooperationsprojekt abgeschlossen. „Braunschweig – Łódź 1939“ zeigt mit zahlreichen Fotografien und Dokumenten einen Vergleich der beiden Großstädte. Bei der Konzeption richteten die beteiligten Schüler besondere Aufmerksamkeit auf die Verfolgung von Minderheiten. Die Ausstellung ist in der Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße bis zum 13. August zu sehen.

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"Braunschweig, eine nationalsozialistische Musterstadt in der Provinz". Foto: Sina Rühland



Die durch die Textilindustrie geprägte Großstadt Łódź galt in der Vorkriegszeit als Beispiel dafür, wie vier Bevölkerungsgruppen friedlich zusammenleben konnten. So gab es neben polnischen und jüdischen Einwohnern auch eine deutsche Minderheit und einzelne russischstämmige Mitbürger. Braunschweig präsentierte sich 1939 als eine nationalsozialistische Musterstadt mit zahlreichen neuen Siedlungen und gerade eröffneten staatlichen und politischen Bildungseinrichtungen. Doch war die Kriegsvorbereitung in Kasernen und Fabriken längst im Gange und die Verfolgung von Minderheiten hatte mit dem Novemberpogrom einen ersten Höhepunkt erlebt. Die Besetzung von Łódź durch die Deutsche Wehrmacht war mit der Errichtung eines Gettos als abgesperrtes Elendsquartier für die jüdische Bevölkerung verbunden. Die nach dem deutschen General Litzmann neu benannte Kommune sollte zur östlichsten Großstadt des Reichsgebiets werden, aus der nun auch polnische Bewohner gewaltsam vertrieben wurden.

In parallelen Unterrichtsprojekten haben sich ein Kurs der 11, Klasse der Neuen Oberschule und eine Klasse des Gymnasiums in Łódź mit dieser Entwicklung befasst, haben Dokumente und Fotografien zusammengetragen und eine zweisprachige Ausstellung konzipiert. Zweimal besuchten sich die Gruppen, lernten ihre jeweiligen Heimatstädte kennen und besprachen die Arbeitsergebnisse. Die Gedenkstätte Schillstraße eignet sich besonders als erster Ausstellungsort, da sie an Häftlinge erinnert, die aus dem Getto Łódź kamen und an diesem Ort in einem KZ-Außenlager für die Rüstungsproduktion arbeiten mussten. Die Präsentation ist in der Gedenkstätte zu den Öffnungszeiten (Dienstag und Mittwoch von 14 bis 17 Uhr, Donnerstag von 16 bis 19 Uhr – weitere Besuchsmöglichkeiten für Gruppen) zu sehen.

Die dem Projekt vorausgehenden historischen Recherchen wurden durch die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten gefördert. Im Rahmen des Programms „Europeans for Peace“ förderte die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft großzügig die erforderlichen Reisen des Austausches, die Richard Borek Stiftung und die Stiftung Deutsches Holocaust-Museum ermöglichten die Gestaltung der Abschlussausstellung. Das Volkswagenwerk Braunschweig zeichnete unlängst das erfolgreiche Kooperationsvorhaben im Rahmen des Sally-Perel-Preises für Respekt und Toleranz aus.


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