Braunschweig. Die Löwenstadt wird wieder Bundeswehrstandort – diese Meldung sorgte am gestrigen Donnerstag für Aufsehen, offenbar aber auch für Missverständnisse. Warum, wo und in welcher Form die Streitkräfte wieder in der Löwenstadt vertreten sein werden, lässt sich bisher nur teilweise beantworten.
"Das ist eine großartige Nachricht für unsere Stadt." So ließ sich Oberbürgermeister Thorsten Kornblum gestern in einer Pressemitteilung zitieren. Doch was verbirgt sich hinter dieser Nachricht? Auf den Facebook-Seiten von regionalHeute.de spekulierten viele Leser bereits darüber, wo denn die neuen Truppen untergebracht werden sollen, nachdem alle ehemaligen Braunschweiger Kasernen inzwischen stillgelegt sind und zivil genutzt werden.
Keine neuen Kasernen in Braunschweig
Die vermeintliche Kriegsrhetorik des Oberbürgermeisters kritisierte unter anderem der Braunschweiger Landtagsabgeordnete Andreas Hoffmann (Grüne). Er erklärte: "Ein Musterungszentrum ist kein Bundeswehrstandort. Es geht um zivile Verwaltungsaufgaben in angemieteten Räumen – nicht um eine Kaserne, nicht um Truppenstationierung und nicht um die Rückkehr Braunschweigs als Garnisonsstadt.“
Tatsächlich wird Braunschweig aber nach den Plänen des Bundesverteidigungsministeriums tatsächlich wieder Bundeswehrstandort werden. Denn: "Als Standort werden Kommunen mit mehr als 14 Bundeswehrdienstposten bezeichnet", heißt es dazu auf der Homepage der Bundeswehr. Und: In Braunschweig sollen sogar gut 50 Dienstposten entstehen. Es handelt sich dabei um zivile Dienstposten. Schließlich wird Braunschweig nach diesen jetzt veröffentlichten Plänen kein neuer Truppenstandort mit Kaserne.
Es geht also nicht um eine Rückkehr der Streitkräfte, es geht vielmehr um ein Musterungszentrum im Zuge des neuen Wehrdienstes und der damit angestrebten Rekrutierung, die viele als Vorstufe zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht sehen, gegen die am heutigen Freitag in vielen Städten Deutschlands – unter anderem auch in Braunschweig – demonstriert wird. Braunschweig wird also künftig einer von vielen neuen zivilen Verwaltungsstandorten.
Darum wurde Braunschweig als Bundeswehrstandort ausgewählt
Warum ausgerechnet Braunschweig? Dafür sprechen größtenteils demographische Gründe. Nicht nur in der Löwenstadt soll ein solches Zentrum entstehen, sondern auch in Bielefeld, Dortmund, Jena, Kempten, Offenburg, Regensburg und Würzburg. Weitere Zentren werden an 16 bereits bestehenden Bundeswehrstandorten eingerichtet. Dafür ausgewählt wurden "Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte und einem potenziell großen Bewerberaufkommen", erklärt die Bundeswehr, die dafür aktuelle Daten der statistischen Bevölkerungsverteilung ausgewertet habe.
Außerdem würde die Entscheidung den Grundprinzipien jeder Stationierung folgen: Funktionalität, Kosten, Attraktivität und Präsenz in der Fläche. Maßgebend waren die funktionalen Anforderungen sowie die zeitliche Realisierbarkeit. Um die Musterungen an zentralen und gut erreichbaren Orten durchzuführen, werden in insgesamt 14 Bundesländern externe Objekte angemietet.
Wird jetzt das Kreiswehrersatzamt reaktiviert?
Aber Moment: Musterung in Braunschweig – war da nicht etwas? Klar: Im Kreiswehrersatzamt in der Grünewaldstraße mussten alle wehrpflichtigen Männer der Stadt vorstellig werden. Damit war 2011 mit dem Ende der Wehrpflicht aber Schluss. Kurz danach hatte die Bundeswehr die Immobilie verlassen. Jetzt steht sie seit mehr als zehn Jahren leer. Das Land Niedersachsen sucht als Eigentümer des Baus nach einem Käufer.
Dass die Immobilie für das neue Musterungszentrum reaktiviert wird, scheint äußerst fraglich zu sein. Schließlich ist das Haus in einem schlechten baulichen Zustand und arg sanierungsbedürftig. Die Bundeswehr wird sich nach anderen Flächen umsehen müssen. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht: Bereits 2027 soll der Betrieb aller neuen Musterungszentren laufen, einige sollen noch in diesem Jahr an den Start gehen.

