Zu viele Parkplätze: Dieses Viertel hat ein in Braunschweig seltenes Problem

Bereits vor fast 20 Jahren wurde entsprechender Handlungsbedarf gesehen. Nun soll ein Förderprogramm bei der Umsetzung helfen.

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Zu viele Parkplätze: Unter anderem stehen Parkpaletten im Emsviertel leer.
Zu viele Parkplätze: Unter anderem stehen Parkpaletten im Emsviertel leer. | Foto: Matthias Kettling

Braunschweig. Dass in Braunschweig die Parkplätze äußerst ungleich verteilt sind, ist nichts Neues. Während im Östlichen Ringgebiet die Suche oft nahezu aussichtslos ist und es in Teilen der Innenstadt manchmal schwierig ist, selbst einen freien kostenpflichtigen Platz zu finden, gibt es Bereiche der Stadt, in denen es ganz anders aussieht. So etwa im Emsviertel in der Weststadt. Hier steht sogar ein ganzes Parkhaus leer.



Aktuell gibt es Bestrebungen, das Emsviertel aufzuwerten. Hierfür will die Stadt Braunschweig die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ beantragen. Der Rat muss hierfür am kommenden Dienstag noch sein Okay geben, damit der Antrag bis 1. Juni gestellt werden kann. Die Stadt selbst würde die durch den Bund und das Land Niedersachsen geförderte städtebauliche Gesamtmaßnahme durchführen und müsste gemäß aktueller Planung rund 7,94 Millionen Euro Eigenmittel aufbringen.

Überangebot von Parkständen


Das Thema Parkplätze ist dabei nur ein Punkt in dem über 200-seitigen Integrierten Entwicklungskonzept für das Emsviertel, das die GOS mbH für die Stadt angefertigt hat. Darin heißt es, dass bereits im Rahmen des Integrierten Stadtteilentwicklungs- und Handlungskonzepts 2007 ein deutliches Überangebot von Parkständen im Straßenraum der Emsstraße festgestellt wurde.

Zudem sei eine Fehlbelegung des öffentlichen Raums analysiert und die drohende Verwahrlosung der Anlagen bemängelt worden. Daher wurden der Rückbau überzähliger Parkplätze, der Ersatz durch Grünflächen und Baumbepflanzungen, Entsiegelungen sowie die Herstellung von Aufenthaltsbereichen für die Anwohner vorgeschlagen. Die Maßnahmen wurden bislang nicht umgesetzt, stehen aber wieder auf der Agenda des neuen Konzeptes.

Handlungsbedarf bei Parkpalette


Ein Beispiel sei die Parkpalette im zentralen Quartiersbereich zwischen Emsstraße und den Gebäuden des westlichen Blocks im Eigentum der LEG Immobilien SE. Die Palette weise ein ungepflegtes Erscheinungsbild auf und werde zudem nicht vollständig genutzt: Die untere Ebene befinde sich in der Vermietung, während die obere Ebene nicht mehr vermietet werde. Eine Aufwertung, Umnutzung oder Rückbau der Parkpalette sollte aus städtebaulichen Gründen angestrebt werden, heißt es in dem Konzept.

Nichts los: Diese Etage im Parkhaus steht komplett leer.
Nichts los: Diese Etage im Parkhaus steht komplett leer. Foto: Matthias Kettling



Ein weiteres Parkhaus in der Eiderstraße, das ebenfalls der LEG gehört, sei - wie es im Beamtendeutsch heißt - abgängig. Es wird schon seit Jahren nicht mehr genutzt. Ein Neubau sei laut Entwicklungskonzept hier aber aufgrund der Abstandsflächen zu Balkonen eines angrenzenden Seniorenheims schwierig.

Handlungsbedarf sei deutlich


Zu viele und heruntergekommene Parkplätze sind aber nicht das einzige Problem des Emsviertels. Die Beschlussvorlage der Verwaltung kommt zu dem Fazit: "Die festgestellten städtebaulichen Defizite, sozialen Herausforderungen sowie Entwicklungsbedarfe in den Bereichen Integration, Aufenthaltsqualität und Quartiersstruktur verdeutlichen den Handlungsbedarf." Gleichzeitig zeigten die positiven Erfahrungen in den angrenzenden Gebieten „Ilmweg“ und dem Fördergebiet „Donauviertel“, dass die eingesetzten Instrumente der Städtebauförderung in der Weststadt wirksam und nachhaltig greifen können.

Vor diesem Hintergrund würden sehr gute Voraussetzungen bestehen, die Entwicklung des Emsviertels erfolgreich zu steuern und zugleich die Gesamtentwicklung der Weststadt langfristig zu stärken. Der Stadtbezirksrat Weststadt und der städtische Ausschuss für Planung und Hochbau sprachen sich jeweils einstimmig für den Antrag aus. Am Dienstag kann der Rat nachziehen.