Diese Kinder leben Toleranz

von Robert Braumann


| Foto: Robert Braumann



Braunschweig. Mit einem etwa einstündigen Bühnenstück war eine Theatergruppe von jüdischen und arabischen Jugendlichen des Kinderheims Neve Hanna in Kiryat Gat, Israel, zu Gast. Die Jugendförderung der Stadt Braunschweig kooperierte als Gastgeber dabei mit der Neuen Oberschule und dem Wilhelm Gymnasium. Die 13 Kinder und Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahre, führten ihr Stück Gratwanderung  auf. Es wird in Zukunft auch in Israel aufgeführt.

Das Kinderheim Neve Hanna in Kiryat Gat, Israel, besteht seit 40 Jahren und bietet jüdischen Kindern aus zerrütteten Familien ein Zuhause. Seit 25 Jahren unterhält Neve Hanna Friedensprojekte, darunter seit zehn Jahren den jüdisch-beduinischen Tageshort „Pfad des Friedens“. Hier treffen sich Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichem kulturellen Background. Lorenz Wruck, der als freiwilliger Helfer vor Ort war, weiß um die Besonderheit der Einrichtung: "Hier ist es möglich, dass die Kinder sich frühzeitig kennenlernen, ohne das die Mauern schon hochgezogen wurden. So können Freundschaften entstehen, die später vielleicht undenkbar wären." Diese Problematik vor Ort spiegelt sich auch in dem Stück wieder, dass die Gruppe einstudiert hat. Es geht um die Liebe zwischen einer Jüdin aus frommem Elternhaus und einem Araber.



Mohammed, ein junger beduinischer Araber, arbeitet im Haus der Familie Shapira, wo er Naomi kennen lernt. Vor dem Hintergrund einer eskalierenden Sicherheitslage nimmt die Liebesgeschichte zwischen dem Beduinen und der Jüdin ihren Lauf. Als Naomis Eltern davon erfahren, weigern sie sich, die Verbindung ihrer Tochter zu akzeptieren und verstoßen sie.



Zum Glück finden das Liebespaar Zuflucht im Haus von Mohammeds Mutter. Als am Ende die Hochzeit ansteht, kommen auch die Eltern von Naomi. Ein Happy-End auf der Bühne, dass im wirklichen Leben so wohl selten zu finden ist. Den Kindern und Jugendlichen war es besonders wichtig, dass sie zusammen mit der Regiesseurin die Geschichte entwickelt haben. Das Stück wurde extra für die Reise nach Deutschland kreiert und basiert auf einer wahren Geschichte. Lorenz Wruck erzählt: "Die zweiwöchige Reise nach Deutschland ist auch eine Belohnung für die Arbeit der Gruppe. Viele kommen aus Verhältnissen, die so einen "Ausflug" nie zulassen würden. Allein aus finanzieller Sicht." Die Aufführung nach Deutschland zu bringen war eine Mammutaufgabe. Allein die Reisevorbereitung für die Gruppe nahm viel Zeit in Anspruch. Doch die Kinder und Jugendlichen zahlten das Vertrauen zurück und boten ein emotionales Stück, das hoffentlich dazu beiträgt die Völkerverständigung ein wenig voranzubringen. Die Gruppe hat mit ihrem beherzten Stück in jedem Fall ein großes Zeichen für Toleranz gesetzt. Mehr Informationen über das Kinderheim finden sie hier.


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