Effizienz von Lampen: Weltweit genauestes Messgerät steht in Braunschweig

Die Forschungsanstalt hat sich dieses Gerät selbst gebaut. Es ist weltweit einzigartig.

Symbolbild.
Symbolbild. | Foto: pixabay

Braunschweig. Mehr als zehn Prozent der elektrischen Energie werden in Deutschland allein für Beleuchtung aufgewendet. Da ist es wichtig, die Effizienz von Lampen genau zu messen. Das kann die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) jetzt mit der weltbesten Genauigkeit, wie die Forschungsanstalt aus Braunschweig mitteilt. Mit ihrem komplett selbst entwickelten Goniophotometer kann sie der Lampenindustrie die Kalibrierung von Lampen aller Art anbieten – etwa für Beleuchtung, Gewächshäuser, UV-Entkeimung und vieles mehr. Am 1. Juni geht dieser neue Goniophotometer MultiSpeX offiziell in den Betrieb.



Der Raum ist riesig im Vergleich zu der kleinen Lampe, die mittendrin hängt und gerade vermessen wird: rund 10 mal 10 mal 10 Meter. Alles ist sehr schwarz. Unter der Lampe steht PTB-Physiker Thorsten Gerloff und überwacht konzentriert die Bewegung der beiden riesigen Roboterarme des neuen Goniophotometers, die um die Lampe herumfahren. Jeder der beiden Arme ist insgesamt knapp fünf Meter lang. Sie wurden vom wissenschaftlichen Gerätebau der PTB in höchster Sorgfalt gefertigt und setzen eine Leichtbauweise um, bei der carbonfaserverstärkte Kunststoffrohre (CFK) mit Aluteilen verbunden werden.

Neues Gerät kann viel mehr als das alte


Auf den ersten Blick sieht das neue Gerät ganz ähnlich aus wie das alte Goniophotometer, das hier rund 20 Jahre lang seine Dienste getan hat. Das war aber kein Eigenbau. Und das neue kann viel mehr. „An jedem Arm sitzen jetzt acht Messgeräte, beim alten Gerät waren es nur drei“, erklärt Thorsten Gerloff. Die neuen Geräte sind nochmal besser als die alten, die auch schon eine sehr hohe Genauigkeit liefern konnten. Es sind drei Spektroradiometer, drei Radiometer und zwei Photometer. „Photometer sind Messgeräte, die das Licht ähnlich dem menschlichen Auge bewerten. Damit ist die Spannbreite dessen, was wir jetzt hier messen können, enorm hoch“, erklärt Gerloff. Sie reicht von der einfachen Glühlampe bis zur Speziallampe für alle möglichen Einsatzzwecke. Auch das alte Gerät hatte schon eine große Spannbreite, jetzt ist aber zum Beispiel der Bereich des UV- und des Infrarot-Lichts dazugekommen. Die Vielseitigkeit des neuen Geräts ist auch in seinen Namen eingegangen: MultiSpeX.

MultiSpeX misst viele verschiedene photometrische Größen: etwa den Lichtstrom und das dazugehörige Lichtspektrum, aus dem sich die Lichtfarbe und auch die Qualität des Lichts für einen bestimmten Einsatzzweck ermitteln lassen. Die ökonomisch und ökologisch wichtigste dieser Größen ist der Lichtstrom. „Lichtstrom geteilt durch elektrische Leistungsaufnahme ergibt die Effizienz einer Lampe in Lumen pro Watt“, erklärt Gerloff. „Da über 10 Prozent der elektrischen Energie in Deutschland für Beleuchtung verwendet werden, ist ihre Effizienz von enormer Bedeutung – für die Stromkosten, die Umwelt und die Volkswirtschaft insgesamt“, fügt er hinzu.