Braunschweig. Bei diversen Anlaufstellen melden sich immer wieder junge Frauen, die in Fahrschulen sexuell belästigt wurden. Da zu diesem Thema keine Daten vorliegen, werden die Übergriffe schnell als Einzelfälle abgetan und es scheint kein Handlungsbedarf vorzuliegen. Deshalb wird in Braunschweig eine repräsentative Befragung der 18–25-jährigen Einwohner von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften durchgeführt. Darüber informiert das Gleichstellungsreferat der Stadt.
Aktuell werden 10.000 Anschreiben per Post verschickt, mit der Aufforderung, sich bis Ende Juli 2026 an der anonymen Online-Befragung zu beteiligen. Die Teilnahme an der Befragung sei selbstverständlich freiwillig und anonym. Die erhobenen Daten würden vertraulich behandelt und anonym ausgewertet. Bis zur Löschung verbleiben die Daten demnach ausschließlich bei Prof. Dr. Olaf Lobermeier von der Ostfalia-Hochschule. Weder Eltern, Lehrkräfte, Mitschüler noch Fahrlehrer würden etwas über die gemachten Angaben erfahren. Für Fragen zur Studie steht Prof. Dr. Olaf Lobermeier per E-Mail an fahrschule-s@ostfalia.de zur Verfügung.
Handlungsbedarf soll ermittelt werden
Die Untersuchung soll eine Datenlücke schließen: Es existieren bisher bundesweit keine Zahlen über die Art und Häufigkeit von sexuellen Übergriffen in Fahrschulen. Deshalb soll mit dieser Datenerhebung ein Grundstein gelegt werden. Besonderes Augenmerk gelte der Situationsanalyse und den Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen. Ebenso erfasst die Untersuchung die psychischen, emotionalen und physischen Auswirkungen der Übergriffe auf die betroffenen Personen. Mit der Befragung soll geprüft werden, ob ein Handlungsbedarf besteht. Sollten die Zahlen dies belegen, wolle man mit Fahrschulen und deren Verbänden ins Gespräch kommen, um Präventionsstrategien und Aufklärungskampagnen auf den Weg zu bringen.
Zahlreiche Stellen eingebunden
Entwickelt wurde die Befragung in Zusammenarbeit mit der „Arbeitsgruppe Fahrschule“ des Braunschweiger „Runden Tisches gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und jungen Menschen“. Im Rahmen der Untersuchung sind die kommunale Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig, das Präventionsteam der Polizeiinspektion Braunschweig, die „Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften“, die Braunschweiger Fahrschulen „Ulrike Kasper“ und „Zachmann“, die Jugendberatung bib und „Sichtbar. Fachzentrum gegen sexualisierte Gewalt“ beteiligt, die sich mit dem Thema der sexuellen Übergriffe in Fahrschulen auseinandersetzen. Die wissenschaftliche Begleitung wird von Prof. Dr. Olaf Lobermeier von der „Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften“ gewährleistet.

