Kampf um die Krone: Drohne fordert Baumkletterer heraus

Beim Forschungsduell im Laubmischwald geht es hoch hinaus.

Die Drohne der TU Braunschweig transportiert eine aus der Baumkrone abgeschnittene Blattprobe.
Die Drohne der TU Braunschweig transportiert eine aus der Baumkrone abgeschnittene Blattprobe. | Foto: Zum Staunen*

Braunschweig. Wie lässt sich feststellen, ob ein Baum unter Stress steht, Nährstoffe fehlen oder welche Wasserquelle er nutzt? Antworten auf solche Fragen erfordern oft Proben aus den Baumkronen – eine Herausforderung bei Bäumen, die bis zu 40 Meter hoch sind, teilt die TU Braunschweig in einer Pressemeldung mit.



Die Technische Universität Braunschweig und die Universität Göttingen haben ein Projekt gestartet, ein „Forschungsduell im Blätterdach“ zwischen einem Baumkletterer und einer Sampling-Drohne, festgehalten in einem Kurzfilm.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder


Wälder leiden unter den Folgen des Klimawandels, was Forscher und Förster vor Herausforderungen stellt. Im aktuellen Waldzustandsbericht wird festgestellt, dass 2024 etwa 36 Prozent der Bäume Lücken in ihren Kronen aufweisen, während nur 21 Prozent ohne sichtbare Schäden sind. Um besser zu verstehen, wie Bäume auf Umweltveränderungen reagieren und wie ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt werden kann, seien Informationen aus den Baumkronen unerlässlich. „Die Krone ist dem direkten Einfluss der Umwelt ausgesetzt. Dort lässt sich der Gesundheitszustand eines Baumes am besten analysieren“, erklärt Dr. Christina Hackmann von der Universität Göttingen.

Dr. Hackmann forscht im Rahmen des Projekts FoResLab (Future Lab towards Forests Resilient to Climate Change), unterstützt vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Auch Dr. Matthias Beyer von der TU Braunschweig spielt mit seiner Forschungsgruppe „Isodrones“ eine zentrale Rolle in diesem Vorhaben.

Baumkletterer gegen Drohne


Bei einem Feldeinsatz mit Christian Ammer, Professor für Waldbau und Waldökologie an der Universität Göttingen, entstand schließlich die Idee eines Forschungsduells. Hackmann, die als Baumkletterin ausgebildet ist, tritt gegen die von Beyer entwickelte „Isodrone“ an, die speziell für das Einsammeln von Ast- und Blattproben entworfen wurde.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Eva Mayr-Stihl Stiftung unterstützten die Produktion eines Videos, das die beiden Techniken gegenüberstellt. Dies dient nicht nur der wissenschaftlichen Aufklärung, sondern untersucht auch die Kosten und den Aufwand bisheriger Methoden.

Mit Schrotflinte und Hubschrauber


Beyer erläutert, wie die Idee der „Isodrone“ entstand: „In der Vergangenheit, aber auch heute noch in einigen Gebieten, werden Proben mit der Schrotflinte von den Bäumen geschossen“, erzählt er. Alternativ kommen „Slingshots“ (Zwillen) oder sogar Hubschrauber zum Einsatz. „Ich dachte, das muss doch einfacher und kostengünstiger gehen“, sagt er. Nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit ist die „Isodrone“ nun funktionsfähig und findet großes Interesse. Doch ob sie mit den herkömmlichen Baumkletterern mithalten kann, bleibt abzuwarten.

Video zum Forschungsduell


Der Film „Per Seil oder Drohne zur Krone?“ begleitet die Teams in die Höhen eines Mischwaldes südwestlich von Hannover. Während Christina Hackmann und Sharath Paligi von der Universität Göttingen die Baumkronen erklimmen, setzen Malkin Gerchow und Steffen Dohmen von der TU Braunschweig auf ihre technische Entwicklung: die Drohne.

„Team Klettern“ und „Team Drohne“ verfolgen dasselbe Ziel: wertvolle Proben aus den Baumkronen zu sammeln, um den Gesundheitszustand der Bäume besser zu verstehen. Dies könnte die Grundlage für eine widerstandsfähige und nachhaltige Waldbewirtschaftung bilden. In neun Runden bietet der Film Einblicke in die Methoden und die Motivation der Forschenden.

Das Forschungsduell ist auf YouTube zu sehen.

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