"Keine Impfung schützt absolut" - Durchbrüche auch nach dem Booster möglich

Die Niedersächsische Landesregierung betont dennoch die Wichtigkeit des Impfens. Das Risiko werde deutlich verringert.

von Alexander Dontscheff


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

Niedersachsen. "Es gibt keine Impfung, die absolut schützt", stellte Heiger Scholz, Leiter des Corona-Krisenstabs der Niedersächsischen Landesregierung, am heutigen Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz klar. Daher könne es auch bei Personen, die dreifach geimpft wurden, zu Impfdurchbrüchen kommen. Nichtsdestotrotz würde sich das Risiko sich zu infizieren, schwer zu erkranken oder gar zu sterben durch Impfungen deutlich verringern.


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Den Erfolg der Impfungen könne man am Vergleich der Zahlen sehen. Genau vor einem Jahr habe die 7-Tage-Inzidenz in Niedersachsen bei 95,2 gelegen. Das sei zwar deutlich höher als der heutige Wert von 77,9. Die Anzahl der Corona-Patienten in den niedersächsischen Krankenhäusern war damals mit 757 aber fast doppelt so hoch wie heute (408). Allerdings nehme diese Zahl derzeit ständig zu. Der Leitindikator des Niedersächsischen Stufensystems, die Hospitalisierungsinzidenz, habe sich innerhalb eines Monats fast verdoppelt und liege jetzt bei 3,9. Für das Auslösen der ersten Warnstufe ist ein Wert von 6 erforderlich. Die Intensivbetenbelegung habe dagegen aktuell wieder den kritischen Wert von 5 Prozent erreicht. Ohne das Überschreiten der Hospitalisierungsinzidenz hat dies allerdings keine Auswirkung.

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90 Prozent der Intensivpatienten ungeimpft


Noch deutlicher werde der Erfolg der Impfungen, wenn man auf die Intensivstationen schaut, so Heiger Scholz. Hier seien 90 Prozent der Personen ungeimpft. Nach seinen Erfahrungen seien dies aber nicht unbedingt alles überzeugte Impfgegner. Oftmals habe bislang nur die richtige Gelegenheit gefehlt. Daher sei es eine wichtige Aufgabe der mobilen Impfteams, diese Menschen zu erreichen. Das "aufsuchende Impfen" stehe hier im Vordergrund. "Die Impfquote zu verbessern ist ein hartes Brot, aber wichtig", so Scholz.

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Die Auffrischungs- oder Booster-Impfungen liefen dagegen langsam an. Das habe vor allem den Grund, dass diese erst sechs Monate nach der zweiten Impfung durchgeführt wird. In Frage hierfür kommen aktuell also nur Personen, die bereits Anfang Mai vollständig geimpft waren. Bislang gibt es auch nur eine Empfehlung der Stiko für Über-70-Jährige und Risikopatienten. Laut Scholz sei hier auch keine Eile geboten. Er empfiehlt den Über-70-Jährigen, sich mit dem Hausarzt in Verbindung zu setzen und in Ruhe einen Termin auszumachen. "Es drängt nicht. Es wird da kein Schalter umgelegt und der Impfstoff wirkt von einem Tag auf den nächsten nicht mehr. Die Wirkung lässt nur schleichend nach", so Scholz.

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Bei Bedarf stationäre Angebote ausbauen


Wie Regierungssprecherin Anke Pörksen im Rahmen derselben Pressekonferenz betonte, plane man in Sachen Booster-Impfung ein stark bedarfsorientiertes System. Man wisse, dass die Ärzte stark gefordert seien. Wenn der Andrang zu groß werde, könne man seitens des Landes über die Gesundheitsämter der Städte und Landkreise die stationären Angebote wieder ausweiten. Die Impfzentren wieder zu öffnen lohne sich wohl aber kaum. So viel Bedarf sehe die Landesregierung nicht.


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