Braunschweig. Die Corona-Zeit ist vielen Menschen noch schmerzlich in Erinnerung. Akute Atemprobleme waren ein wichtiges Symptom, eine künstliche Beatmung bei schweren Verläufen oft die Folge. Doch auch nach schweren Operationen und durch Erkrankungen kann eine künstliche Beatmung nötig werden. Ein Umstand, der schnellstmöglich behoben werden sollte, denn bereits nach kurzer Zeit nimmt die Muskulatur zum Atmen spürbar ab. Die Entwöhnung von der Beatmung nennt sich Weaning. Und genau darauf haben sich die Experten des Städtischen Klinikums Braunschweig (skbs) spezialisiert, wie dieses in einer Pressemitteilung berichtet.
„Eine Entwöhnung von der künstlichen Beatmung hin zum eigenständigen Atmen ist bei uns das primäre Ziel“, erklärt Prof. Dr. Thomas Bitter, Chefarzt der Pneumologie und Beatmungsmedizin. Das Ziel beim Weaning ist, die Patientinnen und Patienten schrittweise wieder zu einer eigenen Atmung zu führen. „Das ist zwar nicht bei jedem Patienten möglich, aber das nächstbeste Ziel ist dann, eine sichere außerklinische Versorgung vorzubereiten.“ Das könne zum Beispiel eine unterstützende Atemmaske, eine sogenannte nichtinvasive Beatmung, sein.
Gerade vor dem Hintergrund steigender Patientenzahlen im gehobenen Alter gewinne eine gut ausgestattete und verzahnte Weaning-Station immer mehr an Bedeutung. „Die Zahl an Menschen, die nach einer akuten Erkrankung weiter beatmet werden müssen, nimmt merklich zu“, erklärt Prof. Dr. Bitter. „Daher ist es umso wichtiger, dass Kliniken über eine gute Weaning-Station und ein gut ausgebildetes Team verfügen.“
Zentraler Anlaufpunkt in der Region
Das skbs sei mit seinen Spezialisten der überregionale Anlaufpunkt für Patientinnen und Patienten sowie Kliniken zugleich, die die Versorgung nicht selbst stemmen können. Denn zwischen Hannover, Göttingen und Magdeburg gebe es kein zertifiziertes Weaning-Zentrum. „Wir arbeiten bereits an dieser Zertifizierung. Der große Vorteil unseres Hauses liegt darin, dass wir als Maximalversorger interdisziplinär auf die Probleme und Ziele der Patientinnen und Patienten reagieren können. Unser Team ist bestens eingespielt und verfügt über eine große Expertise. Intensivmediziner, Pneumologen, Physiotherapeuten, Logopäden und Atmungstherapeuten arbeiten bei uns Hand in Hand, um unseren PatientInnen die bestmögliche Behandlung zu garantieren“, erklärt Prof. Dr. Bitter.
Zehn Betten, interdisziplinäre Intensivstation
Vier Fachärzte für Pneumologie und Intensivmedizin und fünf Atmungstherapeuten kümmern sich zusammen mit den intensivmedizinisch ausgebildeten Kollegen der Klinik für Anästhesiologie auf einer neu geschaffenen interdisziplinären Intensivstation um die Patienten – zehn Betten sind speziell für das Weaning bereitgestellt. „Dort beginnt dann der schrittweise Prozess der Entwöhnung. Das Ziel ist es, die PatientInnen sukzessive zum eigenständigen oder unterstützten Atmen zu bringen“, so Prof. Dr. Bitter. „Die Erfolgschancen sind hier ganz individuell. Dabei kommt es auf unterschiedliche Faktoren an, zum Beispiel, wie kräftig die Atemmuskulatur der PatientInnen ist. Je länger Menschen künstlich beatmet werden, desto komplexer wird die Entwöhnung.“
Die Behandlung könne durchaus einen Monat dauern, in dem die Patienten stationär behandelt werden. Am Ende sei aber ein erstrebenswertes Ziel zu erkennen: „Wir wollen den Menschen so vor allem ein gutes Stück Lebensqualität zurückgeben.“
