Liedfett berühren Braunschweig

Nähe, Leichtigkeit und laute Ehrlichkeit: Im Rahmen ihrer „Herzlich Willkommen im Club“-Tour gastierte die Band am Donnerstag im Schön & Frölich.

von Stefan Stümpel


Daniel Michel, barfuß wie immer, mit seiner Band Liedfett auf der Bühne des Schön & Frölich.
Daniel Michel, barfuß wie immer, mit seiner Band Liedfett auf der Bühne des Schön & Frölich. | Foto: Stefan Stümpel

Braunschweig. Es gibt Abende, an denen Musik mehr ist als Unterhaltung. Abende, an denen eine Band nicht nur spielt, sondern Menschen miteinander verbindet. Genau so fühlte sich der 30. April im Schön & Frölich an, als Liedfett im Rahmen ihrer „Herzlich Willkommen im Club“-Tour die Bühne betraten und Braunschweig für zwei Stunden in einen Ort verwandelten, an dem Nähe, Leichtigkeit und laute Ehrlichkeit plötzlich ganz selbstverständlich waren. Schon nach den ersten Takten lag dieses besondere Knistern im Raum – ein Gefühl, das man nicht planen kann, das aber jeder spürte, der an diesem Abend dort war.



Vorneweg stand Daniel Michel, barfuß wie immer, mit dieser Mischung aus Schelm, Direktheit und Wärme, die sofort Nähe schafft. Links von ihm ließ Lucas Uecker seine Gitarre mal zärtlich, mal bissig aufleuchten, während Philipp Pöhner am Schlagzeug mit einer beeindruckenden Mischung aus Präzision und Spielfreude den Puls des Abends vorgab. Zusammen mit Bass und zweiter Gitarre entstand ein Klang, der nicht einfach gespielt, sondern gelebt wurde.

Hommage an Édith Piaf


Der Einstieg war überraschend zart: „Non, je ne regrette rien“, eine Hommage an Édith Piaf, die den Raum sofort still werden ließ. Doch kaum verklang der letzte Ton, kippte der Abend in diese typische Liedfett‑Wucht. „Partybrille“, „Das war ich“ und „Gib mir dein Finger“ ließen das Schön & Frölich beben. Menschen tanzten, lachten, sangen – und die Band war mittendrin, nicht davor.

Humor, Haltung und Herz


Mit „Zu kurz“, „Feierabend“ und „Alle wissen Bescheid“ folgte ein Trio, das die Mischung aus Humor, Haltung und Herz perfekt auf den Punkt brachte. Zwischendurch erzählte Michel kleine Geschichten – mal witzig, mal nachdenklich, immer nahbar. Besonders „Kopf frei“ und „Alles wird gut“ wirkten wie kurze Atemzüge inmitten der Energie, bevor „Ball“, „Wer hat mich geschubst“ und „Einsamkeitsgefahr“ den Saal wieder in Bewegung brachten.

Liedfett begeistere das Publikum in Braunschweig.
Liedfett begeistere das Publikum in Braunschweig. Foto: Stefan Stümpel



Mit „Sowie du bist“, „Froh“ und „Herzlich willkommen im Club“ steuerte der Abend auf seinen ersten emotionalen Höhepunkt zu – drei Songs, die wie kleine Umarmungen funktionieren und das Publikum noch enger zusammenrücken ließen. Der Zugabenblock schließlich war ein Befreiungsschlag: „Du erkennst mich“, „Planet“, „Verkackt bevor es losgeht“, „Brich das Eis“ und „Kommst du mit?“ – fünf Songs, die den Saal noch einmal komplett auf links drehten. Barfuß, verschwitzt, völlig im Moment verabschiedete sich die Band, während das Publikum noch immer jede Zeile mitsang.


Liedfett auf der Bühne: Schon nach den ersten Takten lag dieses besondere Knistern im Raum.
Liedfett auf der Bühne: Schon nach den ersten Takten lag dieses besondere Knistern im Raum. Foto: Stefan Stümpel



Als das Licht anging, blieb dieses Gefühl im Raum hängen: Wir waren Teil von etwas. Nicht nur Zuschauer, sondern Mitwirkende eines Abends, der sich anfühlt wie ein kleines Stück Leben. Liedfett haben im Schön & Frölich nicht einfach ein Konzert gespielt. Sie haben Braunschweig berührt. Und wer dabei war, wird diesen Abend so schnell nicht vergessen.

Braunschweiger Konzertfrühling


Nach der bereits ausverkauften Jolly‑Joker‑Revival‑Party am 2. Mai geht es im Braunschweiger Konzertfrühling direkt weiter: Am 7. Mai steht mit Manfred Mann’s Earth Band die nächste Legende auf der Bühne. Resttickets sind noch erhältlich – und nach diesem intensiven Liedfett‑Abend dürfte klar sein: Das Schön & Frölich bleibt in diesen Tagen einer der lebendigsten Orte der Stadt.