Montez macht Braunschweig zu seinem „Safe Space“

Überraschungsgast: Plötzlich steht Nico Santos auf der Bühne

von Stefan Stümpel


"Ein Montez-Konzert ist für mich mein Safe Space."
"Ein Montez-Konzert ist für mich mein Safe Space." | Foto: @fotobully

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Braunschweig. Große Gefühle, eine Reise durch 15 Jahre Karriere und ein Überraschungsgast, mit dem wohl die wenigsten gerechnet hatten: Montez feierte am Freitagabend auf der BRAWO Bühne in Braunschweig sein Jubiläum. Zuvor hatte Christoph Sakwerda das Publikum auf den Abend eingestimmt.



Als Montez schließlich die Bühne betrat, machte er schnell deutlich, dass dieser Abend für ihn mehr sein sollte als die nächste Station einer großen Tour. „Ein Montez-Konzert ist für mich mein Safe Space“, sagte er und richtete sich direkt an die Menschen vor der Bühne. Gerade an diesem Abend in Braunschweig fühle er sich wohl und bekomme eine „schöne Energie“ zurück.

Kontakt zu den ersten Reihen


Diese Nähe zum Publikum blieb nicht nur eine Ansage. Immer wieder suchte Montez den Kontakt zu den ersten Reihen. Er ging an den Bühnenrand, nahm sich Zeit für Fotos und Autogramme, sprach mit Kindern und reagierte auf selbst gebastelte Plakate. Selbst als ihm über den In-Ear bereits signalisiert wurde, dass die Show weitergehen müsse, versprach er den Fans auf der anderen Bühnenseite: „Ich komme auf jeden Fall noch zu euch.“

Vom fast leeren Festival zur großen Bühne


Besonders persönlich wurde der Abend, als Montez von seinem langen Weg bis hierher erzählte. Mehr als zehn Jahre lang habe er Konzerte gespielt und sei auf Festivals aufgetreten, teilweise vor gerade einmal zehn oder 20 Menschen. Diese Erfahrungen wirkten offenbar bis heute nach. Noch immer, erzählte der Musiker, stehe er vor dem Beginn einer Show hinter dem Vorhang und denke: „Da steht da eh keiner.“ Und dann falle der Kabuki – und vor ihm stünden plötzlich Tausende Menschen.

Diese Nähe zum Publikum blieb nicht nur eine Ansage. Immer wieder suchte Montez den Kontakt zu den ersten Reihen.
Diese Nähe zum Publikum blieb nicht nur eine Ansage. Immer wieder suchte Montez den Kontakt zu den ersten Reihen. Foto: @fotobully



Wie unwirklich ihm das manchmal noch erscheint, zeigte auch eine musikalische Zeitreise. Montez fragte zunächst, wer ihn bereits seit fünf, zehn oder sogar 15 Jahren kenne. Anschließend führte er das Publikum zurück bis in die Jahre 2010 und 2011. Auf den Leinwänden waren Aufnahmen des damals gerade einmal 16-jährigen Musikers zu sehen. Jahr für Jahr arbeitete sich Montez durch seine eigene Geschichte. Songs und Bilder wurden zu Stationen einer Karriere, deren Ausgang für den Jugendlichen von damals kaum vorstellbar gewesen sein dürfte.


„Irgendwann kommt der Song“


Dabei verschwieg Montez auch die schwierigen Jahre nicht. Heute lasse sich seine Geschichte vor einer großen Menschenmenge leicht erzählen, sagte er. Mehr als zehn Jahre lang sei das jedoch „gar nicht so witzig“ gewesen. Man müsse auf dem Weg eben „so ein bisschen die ganze Scheiße fressen“. Er selbst sei das beste Beispiel dafür, „dass man irgendwie alles schaffen kann“ – dass ein ehemaliger Pizzafahrer irgendwann solche Konzerte spielen könne.

Dann folgte einer der stärksten Sätze des Abends: „Auch wenn es tausend Songs lang nicht sein sollte, irgendwann kommt der Song.“
Bei Montez war dieser Song „Auf & Ab“. Er habe sein komplettes Leben verändert, sagte der Sänger, ebenso das seiner Freunde und seiner Familie – und zwar zum Positiven.

Musik als gemeinsame Therapiestunde


Dass Erfolg für Montez an diesem Abend aber nicht allein mit großen Bühnen und Hits zu tun hatte, zeigte eine andere Geschichte. Er erinnerte sich an einen Festivalauftritt, bei dem zeitgleich auf einer zweiten Bühne eine Partyband spielte. Während von dort die Bässe herüberschallten, stand er mit seinen Balladen auf der eigenen Bühne und wollte nach eigener Aussage am liebsten „im Erdboden versinken“.

Dann habe er in die Gesichter und Augen der Menschen vor seiner Bühne geschaut – und sich wieder daran erinnert, warum er überhaupt Musik mache. Schon als 13- oder 14-Jähriger habe er begonnen, Texte und Lieder zu schreiben, um darin seine Gefühle zu verarbeiten. Daran habe sich bis heute nichts geändert. „Ich möchte, dass jeder, der auf ein Montez-Konzert kommt, ein bisschen geheilter nach Hause geht, als er oder sie hineingekommen ist“, sagte Montez. Ein Konzert sei für ihn eine „gemeinsame Therapiestunde“ – egal, ob dabei gelacht oder geweint werde. Genau deshalb hoffe er, dass ein Montez-Konzert nicht nur für ihn selbst, sondern auch für seine Fans ein Safe Space sei.

Überraschung: Nico Santos kommt auf die Bühne


Und dann hatte der Abend noch eine Überraschung zu bieten: Nico Santos kam als unangekündigter Gast auf die Bühne. Montez sparte anschließend nicht mit Lob. Santos sei ein „Überprofi“, ein „richtiger Profi“. Die gemeinsame Performance hätten sie lediglich einmal und am selben Tag noch einmal kurz und locker geprobt. Dass Santos extra für diesen Auftritt angereist sei, bedeute ihm sehr viel.

Mit einem Augenzwinkern stellte Montez außerdem fest, wie schnell sich der besondere Gast bemerkbar machte: Kaum erschien Nico Santos, gingen im Publikum reihenweise die Smartphones nach oben. Es war einer dieser Momente, die zu einem Abend passten, der immer wieder zwischen großer Show und sehr persönlichen Geschichten wechselte. Mal ließ Montez die Menschen zu seinen Songs mitsingen, mal erzählte er ausführlich von den schwierigen Jahren seiner Karriere, dann wieder sollten nach all den „Kuschel-Songs“ für zwei Titel sämtliche Sorgen vergessen werden: „Jetzt brauchen wir ein bisschen Energy.“

Band im Rampenlicht


Auch seine Band rückte Montez an diesem Abend bewusst ins Rampenlicht. Besondere Aufmerksamkeit bekam dabei Keyboarder Malte, den Montez zuvor mit einem „Malte, das hast du wunderschön gespielt“ gelobt hatte. Wenig später setzte sich der Sänger selbst ans E-Piano – nicht ohne augenzwinkernd zu erzählen, dass er erst vor ein oder zwei Jahren beschlossen habe, dass es als professioneller Musiker eigentlich nicht sein könne, sich mit keinem Instrument selbst begleiten zu können.

Christoph Sakwerda hatte das Publikum auf den Abend eingestimmt.
Christoph Sakwerda hatte das Publikum auf den Abend eingestimmt. Foto: @fotobully



15 Jahre später ist der Traum Wirklichkeit


Was als musikalische Zeitreise durch die eigene Vergangenheit begann, bekam im Laufe des Abends eine ziemlich klare Botschaft. Montez feierte nicht einfach nur 15 Jahre Karriere und die Erfolge, die inzwischen dazugehören. Er sprach mindestens ebenso offen über Zweifel, Rückschläge und die Jahre, in denen der große Durchbruch noch weit entfernt war. Dass er heute auf einer solchen Bühne steht, scheint für ihn deshalb noch immer keine Selbstverständlichkeit zu sein. Der 15- oder 16-Jährige, dessen alte Konzertaufnahmen zuvor auf den Leinwänden zu sehen waren, hatte einen großen Traum. Wie weit dieser Traum einmal führen würde, habe er sich damals nicht vorstellen können.

Am Freitagabend in Braunschweig musste Montez dafür nur vor sich schauen. Tausende Menschen standen vor ihm – und machten aus seinem „Safe Space“ für einige Stunden ihren eigenen.