PTB-Präsident Joachim Ullrich erhält Bundesverdienstkreuz


Prof. Dr. Joachim Ullrich, Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Foto: PTB
Prof. Dr. Joachim Ullrich, Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Foto: PTB | Foto: privat

Braunschweig. Der Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) erhält als weltweit renommierter Forscher und Wissenschaftsmanager das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Die feierliche Übergabe durch Oberbürgermeister Ulrich Markurth findet am 24. Mai in der Dornse des Altstadtrathauses statt.


Er ist ein Spitzenwissenschaftler, der andere eint und gemeinsam zum Erfolg führt. Auf diese kurze Formel könnte man die umfangreichen Leistungen von Professor Dr. Joachim Ullrich bringen. Ein Blick auf ausgewählte berufliche Stationen zeigt, dass es nicht nur seine unbestrittenen Forschungserfolge mit weit mehr als 500 Publikationen sind, die ihm diese Auszeichnung bescheren, sondern vor allem sein großes Engagement für die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern über alle Grenzen hinweg. Ihm gelang es durch Zielstrebigkeit, Weitsicht und die Fähigkeit, Menschen für die Zusammenarbeit zu begeistern, Kooperationen zwischen unterschiedlichen Institutionen, Ländern und Fachdisziplinen ins Leben zu rufen und zum Erfolg zu führen.

Neues Mikroskop


In seiner Doktorarbeit (1987) an der Universität Frankfurt mit Experimenten am GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH in Darmstadt sowie an den Beschleunigeranlagen des Lawrence Berkeley National Laboratory hat Prof. Ullrich die experimentellen Grundlagen für eine neue Art von Mikroskop erarbeitet. Mit ihm ist es heute erstmals möglich, nahezu alle Teilchen einer atomaren oder molekularen Reaktion in hoher zeitlicher Auflösung – quasi wie in einem Film – sichtbar zu machen. Damit wurde ein Messverfahren entwickelt, welches die Möglichkeiten, dynamische Prozesse in der Atom-, Molekül- und Laserphysik zu beobachten, revolutionierte.

Weg von der Kernphysik


Als geschäftsführender Direktor des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik (MPIK, 2002-2006) hat Joachim Ullrich eine Neuorientierung mit angestoßen und umgesetzt – weg von der Kernphysik und hin zur Grundlagenforschung im Bereich der Atom-, Molekül- und Laserphysik sowie zu Präzisionsmessungen in Fallen. Die heute herausragende internationale Stellung des MPIK auf diesem Gebiet ist maßgeblich durch ihn mit initiiert. In dieser Zeit begann auch seine Lehrtätigkeit an der Universität Heidelberg. Im Laufe seiner gesamten beruflichen Laufbahn hat Joachim Ullrich eine ganze Schule an herausragenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Atom- und Quantenphysik inspiriert und betreut, die später Anstellungen an weltweit renommierten Forschungseinrichtungen und Firmen fanden.

Ab 2006 war Joachim Ullrich Leiter der Max Planck Advanced Study Group, ASG, am Hamburger Center for Free Electron Laser Science (CFEL), das von der Max-Planck-Gesellschaft, dem DESY und der Universität Hamburg getragen wird. Es gelang ihm, als Vorsitzender des CFEL Management Board, alle beteiligten Institute zusammenzuführen und das CFEL als international führendes Institut in der Kurzzeit-Röntgenlaserforschung zusammen mit Kollegen aus dem DESY und der Universität Hamburg aufzubauen. Weltweit wurden hochbrilliante Röntgenlaser genutzt – nicht nur für die physikalische Forschung, sondern auch für die Untersuchung der Struktur komplexer Biomoleküle.

Synergie von Kompetenz und Forschung


Joachim Ullrich hat zahlreiche internationale Kooperationen zwischen Forschern des CFEL und Kollegen vor allem in Stanford (USA) und in Japan aufgebaut. Mit Apparaturen, die von der ASG unter seiner Leitung entwickelt wurden, konnten diese Kollaborationen u.a. für die Lebenswissenschaften sensationelle Ergebnisse gewinnen. Das CFEL kann heute als ein Paradebeispiel für die gelungene Synergie von Kompetenzen und Forschungsorganisationen betrachtet werden und hat einige der besten Wissenschaftler aus aller Welt nach Hamburg gelockt.

Seit dem Jahr 2012 leitet Joachim Ullrich die PTB. Bereits in diesen wenigen Jahren hat er das Profil der PTB weiter geschärft und die Bundesanstalt strategisch auf die erkennbaren Zukunftsaufgaben gut vorbereitet. Zu dieser Einschätzung kam auch jüngst der Wissenschaftsrat, welcher der PTB exzellente Leistungen und eine „strategische Stringenz“ bescheinigte.


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