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Reinicke und Richau: Geplante Spielbank erhitzt die Gemüter



Reinicke und Richau: Geplante Spielbank erhitzt die Gemüter

Im Rat der Stadt Braunschweig wurde am gestrigen Dienstag nochmal der geplante Einzug der Spielbank in das ehemalige Reinicke-und-Richau-Gebäude diskutiert.

von Julia Fricke


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Kathrin Kühn

Braunschweig. Die Spielbank Bad Harzburg plant in das ehemalige Reinicke-und-Richau-Gebäude am Bohlweg zu ziehen. Kritik hagelte es bereits durch die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Braunschweig (regionalHeute.de berichtete). In einer Stellungnahme berichtete die Stadt Braunschweig daraufhin, dass eine Spielbank an dieser Stelle das Umfeld eher auf- als abwerten würde (regionalHeute.de berichtete). Nun wurde das Thema nochmals im Rat der Stadt Braunschweig diskutiert.



Wer sich mit den Auswirkungen der Spielsucht einmal beschäftigt habe, wisse, was dies für die Familien der Betroffenen bedeutet, so Annette Schütze (SPD) in der gestrigen Ratssitzung. "Ich bin nicht begeistert von der Idee", so Schütze. Bei einer Spielbank handele es sich heutzutage nicht mehr um einen Ort, an dem sich ältere Damen treffen, um das Geld, das sie über haben in mondäner Umgebung zu verspielen, gibt Schütze weiter zu bedenken. Auch aus sozialpolitischer Sicht sei der Standort am Hagenmarkt nicht gut gewählt. "Bei Spielsüchtigen ist es die Gelegenheit, die sie anreizt. Umso mehr Spielhallen auf ihrem Nachhauseweg liegen, umso mehr spielen sie auch." Auch dass der Standort aufgewertet werde, bezweifelt Schütze.

"Ich glaube, dass es für Braunschweig nicht unbedingt ein Gewinn ist."

- Annette Schütze (SPD)





Eine "unschöne Situation" nannte es auch Dr. Dr. Wolfgang Büchs von der BIBS. Dennoch lasse sich dies nun nicht mehr verhindern. Die Argumentation, dass das Umfeld der Spielbank aufgewertet werde, sieht auch er kritisch. "Spielbanken werden im Gegensatz zu Spielhallen als Aufwertung des Umfeldes gesehen. Worin sieht man das? Vielleicht darin, dass die Spielsüchtigen mit dicken Autos und Smokings vorfahren?" Ein Vergleich zum Drogenkonsum folgte dieser Ausführung. Fakt sei jedoch, dass ein rechtlich bindender Baubescheid vorschnell erteilt wurde. Die Argumentation der Verwaltung fand auch Giesela Ohnesorge von der Linken "hanebüchen". Auch einen geplanten Hinweis zur Spielsucht, der auf der Internetseite der Stadt Braunschweig zu finden sein soll, fand Ohnesorge sichtlich irritierend. "Jemand, der spielen will, wird nicht vorher auf der Internetseite der Stadt Braunschweig nach diesem Hinweis suchen. Und schon gar nicht wird er sich davon vom Spielen abhalten lassen."


"Was wir machen können, ist das, was wir schon getan haben."

- Björn Hinrichs (CDU)



Weniger "dramatisch" sah Björn Hinrichs die Eröffnung der Spielbank im Reinicke-und-Richau-Gebäude. "Das Gebäude steht seit Jahren leer. Was ist da schlimmer? Dass es weiter leer steht oder dass eine Spielbank reinkommt?" Eine Spielhalle wäre viel schlimmer gewesen, so Hinrichs weiter. Ohnehin habe sich das Glücksspiel bereits verlagert. So "liege das Gold im Onlineglücksspiel". "Das können wir gar nicht mehr reglementieren. Wir sehen die Süchtigen nicht mehr und die Verantwortlichen sitzen irgendwo anders." Auch Stefan Wirtz von der AfD bezeichnete den Onlinespielbereich im Vergleich zu den Spielbanken als "Wilden Westen".

Auch vonseiten der Bürgerschaft zeigte sich eine gewisse Enttäuschung in Bezug auf das Vorgehen der Stadt. "Im Rahmen einer möglichen Bürgerbeteiligung bleibt nun nur meine Anfrage", so Hans Junge, der nach eigenen Angaben 20 Jahre lang als Sozialarbeiter tätig gewesen ist. Er bedauere, dass Geschäftsleute und Anwohner ihre Bedenken über den Einzug einer Spielbank an dieser Stelle nicht hatten vorbringen können. Bei zirka 100 Geldspielgeräten handele es sich kaum um eine "höherwertige Unterhaltung", so Junge weiter und verwies ebenfalls auf Gefahren von Spielsucht. Um zu behaupten, dass die Umgebung nicht "beschwert sei", hätte die Umgebung befragt werden müssen, was jedoch nicht geschehen sei. Darüber hinaus gebe es einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2012, in dem eindeutig beschlossen wurde, dass keine weiteren Spielgeräte anzusiedeln seien. Es müsse jedoch immer eine Abwägung zwischen den Interessen stattfinden, wie Baudezernent Heinz-Georg Leuer mitteilte.


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