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Sendung geplatzt: Braunschweigs OB-Kandidaten verweigern Diskurs mit der AfD



Sendung geplatzt: OB-Kandidaten verweigern Diskurs mit der AfD

Der Veranstalter findet es erschreckend, dass die Kandidaten dem politischen Diskurs ausweichen.

von Anke Donner


Vier der sechs Kandidaten verweigerten die Teilnahme an einer Diskussionsveranstaltung, weil die AfD auch dabei sein sollte.
Vier der sechs Kandidaten verweigerten die Teilnahme an einer Diskussionsveranstaltung, weil die AfD auch dabei sein sollte. Foto: regionalHeute.de

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Braunschweig. Eigentlich sollten sich die Oberbürgermeister-Kandidaten für Braunschweig am gestrigen Sonntag zu einer Diskussionsveranstaltung beim Verein "studio kult TV" einfinden. Doch aus der geplanten Veranstaltung wurde nichts - einige Kandidaten verweigerten ihren Auftritt, weil sie sich an der Anwesenheit des AfD-Bürgermeister-Kandidaten Mirco Hanker störten.



Thorsten Kornblum (SPD), Tatjana Schneider (unterstützt von Bündnis 90/Die Grünen und Piraten), Anke Schneider (Die Linke) und Birgit Huvendieck (BIBS) haben sich der Diskussionsveranstaltung mit der Begründung entzogen, dass man "rechten Parolen im öffentlichen Diskurs kein Podium bieten wolle".

Kaspar Haller erklärte im Nachgang via Facebook, dass er es nachvollziehen könne, wenn manche Menschen oder Parteien nicht mehr mit der AfD diskutieren möchten. Doch Haller schreibt auch: "Ohne Frage: Es braucht keine weiteren Beweise für rechtsextremes Gedankengut und Verfassungsfeinde in der AfD mehr. Deswegen respektiere ich jeden, der mit der AfD nicht mehr diskutieren möchte.


Doch ist das wirklich der richtige Weg? Ich gönne der AfD die Aufmerksamkeit jedenfalls nicht, die sie sich durch sachliche Argumente niemals hätte erstreiten können, nun aber womöglich durch die Absage der Diskussion erhält. Und wo die AfD bisher keine Rolle im Wahlkampf spielte, wäre es für mich unerträglich, wenn sie sich nun in einer „Opferrolle“ inszenieren könnte. Der Umgang mit der AfD ist für Demokraten nicht einfach. Lasst uns deswegen klug abwägen. Die Wut im Bauch über Fremdenhass und Intoleranz mag uns von Diskussionen abstoßen. Doch mein Kopf und mein demokratisches Herz sagt mir: Unsere Argumente sind scharf genug, um jede Diskussion gegen die AfD zu gewinnen."

Ausrichter beunruhigt und bestürzt


Wie "studio kult TV" auf Nachfrage von regionalHeute.de erklärt, sei man in erster Linie enttäuscht, da allen Eingeladenen schon im Mai mitgeteilt worden sei, wer teilnehmen soll. "Wir sind natürlich sehr enttäuscht, da wir sehr viel Zeit in die Vorbereitung der Sendung investiert haben. Dabei zu beachten ist, dass wir dieses Engagement ehrenamtlich getätigt haben, um einen Beitrag zur politischen Meinungsbildung zu leisten. Wir sind sehr bestürzt darüber, dass vier der eventuellen neuen Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin offensichtlich nur wenig oder keinen Respekt oder Achtung vor diesem großen, wochenlangen ehrenamtlichen Engagement haben. Beunruhigend finden wir auch, dass vier der Kandidaten dem politischen Diskurs ausweichen. Kaspar Haller hat einen sehr guten Kommentar auf seiner Facebookseite veröffentlicht, dem wir voll und ganz zustimmen. Denn in einem journalistischen Format ist es unserer Auffassung nach die Pflicht der Veranstalter, im Rahmen des Pressekodex zu agieren und politisch neutral alle zur Wahl stehenden Vertreter gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen", sagt Tonio Vakalopoulos von "studio kult TV".

Die Aktion am Sonntag in Braunschweig scheint einmalig zu sein. Zumindest gab es bei ähnlichen Formaten in Salzgitter und Wolfsburg, die ebenfalls am Sonntag produziert worden sind und bei denen auch jeweils ein AfD Kandidat anwesend war, keine Probleme. "Diese beiden Sendungen sind ein gutes Beispiel, wie eine Diskussion entlang des gesamten politischen Spektrums funktionieren kann", so Tonio Vakalopoulos.


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