Braunschweig. Die Verwaltung hat den Ratsgremien den Entwurf der kommunalen Wärmeplanung (KWP) für Braunschweig zur Ratssitzung am 12. Mai vorgelegt. Das vom Bundes- und Landesgesetzgeber für alle Kommunen vorgeschriebene Planungsinstrument soll die Öffentlichkeit und insbesondere die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer über die zukünftige Entwicklung des Wärmesektors informieren.
Auch für Braunschweig gilt das Ziel, die Wärmeversorgung bis 2040 treibhausgasneutral aufzustellen. Der Entwurf der KWP wird derzeit in den Gremien beraten, der Umwelt- und Grünflächenausschuss hat am Freitag bereits zugestimmt. Das berichtet die Stadt Braunschweig in einer Pressemitteilung.
Eine erste Orientierung
Viele Hauseigentümerinnen und -eigentümer sowie Eigentümergemeinschaften, werden in den kommenden Jahren vor der Entscheidung stehen, wie sie zukünftig mit treibhausgasneutralen Lösungen heizen wollen. Für diese künftige Entscheidung soll die kommunale Wärmeplanung für die individuell effizienteste und wirtschaftlichste Lösung eine erste Orientierung bieten.
Vorgelegt wurde jetzt ein umfangreicher Endbericht mit Maßnahmenkatalog und Steckbriefen für 177 Teilgebiete. In diesen Teilgebiets-Steckbriefen auf Ebene der Wahlbezirke ist unter anderem abzulesen, ob für das entsprechende Gebiet der Ausbau eines Wärmenetzes geplant ist oder ob lokal erneuerbare Energien verfügbar sind. Bezüglich des Ausbaus der Fernwärme hat eine enge Abstimmung mit BS Energy stattgefunden.
Nicht überall Fernwärme
Obgleich die Fernwärme in Braunschweig gegenüber dem derzeitigen Stand erweitert werden soll, wird sie nicht im gesamten Stadtgebiet die wirtschaftlichste Versorgungsvariante darstellen. Für mehrere Bereiche sieht die kommunale Wärmeplanung daher treibhausgasneutrale Einzellösungen auf Gebäudeebene vor, insbesondere in Form von Wärmepumpen. Ausgewiesen sind zudem Prüfgebiete, in denen die Umsetzbarkeit von Wärmenetzen aktuell noch untersucht wird. Diese Prüfung wird gemeinsam mit den jeweiligen Akteuren, unter anderem auch BS Energy, bis Juni 2028 abgeschlossen.
"Im Moment können wir sehen, dass die Umstellung der Wärmeversorgung auf nicht-fossile Energiequellen nicht nur aus Klimaschutzsicht, sinnvoll ist, sondern auch Argumente wie weltweite Energieverfügbarkeit und die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielen", sagte Umwelt- und Hochbaudezernentin Anna Katharina Hanusch anlässlich der fristgerechten Einbringung des Entwurfs der kommunalen Wärmeplanung auf den Gremienweg. "Zudem liegt in der Dekarbonisierung der Erzeugung der Fern- und Nahwärme in Braunschweig noch ein großes Potential. Es gibt glücklicherweise sowohl für die Nutzung in Wärmenetzen als auch für Einzellösungen in Braunschweig vielfältige Quellen erneuerbarer Energien, wie Wind- und Solarenergie, Flusswasser, Abwasser, Geothermie oder Abwärme."
Wärmepumpe als Schlüsselkomponente
Die Schlüsselkomponente zur Hebung der meisten Potenziale für die Dekarbonisierung der Wärmenetze und für Einzellösungen auf Gebäudeebene sei dabei die Wärmepumpe, so die Dezernentin. "Die Wärmepumpe hat eine sehr hohe Effizienz und das Potenzial an erneuerbaren Energien in Braunschweig reicht nach unseren Berechnungen aus, um den gesamten zukünftigen Wärmebedarf zu decken."
In der KWP ebenfalls enthalten ist ein Katalog aus 18 Maßnahmen, um die Wärmewende in Braunschweig zu begleiten. Teil davon ist etwa eine Informationskampagne für Wärmepumpen, eine stärkere Kooperation aller in der Energieberatung Tätigen sowie Detailuntersuchungen zur Hebung lokaler Potenziale erneuerbarer Energien. Neben dem beschleunigten Ausbau lokaler Wärmeerzeugung liegt ein Schwerpunkt des Maßnahmenpakets auch auf dem Thema Energieeinsparung.
18 Maßnahmen geplant
Bei den 18 Maßnahmen hat die Stadt Braunschweig selbst eine gestaltende Rolle. Dazu gehören die Steigerung der Energieeffizienz städtischer Gebäude auch mit Prüfung externen Energie-Contracting-Lösungen, die noch stärkere Fokussierung auf den beschleunigten Ausbau von Fernwärme im Rahmen der Baukoordinierung und die Erstellung von Planungshinweisen für die beschleunigte Umsetzung von Großwärmepumpen.
Eine Schlüsselrolle nimmt die Stadt Braunschweig auch bei der energetischen Quartierssanierung ein. Für die Erstellung energetischer Quartierskonzepte und das anschließende Sanierungsmanagement sollen Fördergelder beantragt werden. Ein Sanierungsmanagement koordiniert dabei öffentliche und private Effizienzsteigerungen durch Sanierungen. BS Netz kommt mit der strategischen Entwicklung des Stromnetzes eine tragende Rolle bei der zukünftigen Versorgung mit erneuerbaren Energien zu. Die Weiterentwicklung des Stromnetzes ist das Rückgrat des Ausbaus von Wärmepumpen.
Soziale Aspekte berücksichtigen
Schließlich soll die Gründung eines Wärmebeirats sicherstellen, dass auch soziale Aspekte dieses großen Transformationsprozesses berücksichtigt bleiben.
Stadträtin Hanusch kündigte an, die Ergebnisse der Wärmeplanung – vorbehaltlich der Zustimmung des Rates – im Sommer in Informationsveranstaltungen in die Stadtbezirksräte zu tragen. "Uns ist klar, dass die kommunale Wärmeplanung viele Fragen und Beratungsbedarf auslösen wird. Unsere Maßnahmen zielen darauf ab, in den kommenden Jahren gemeinsam mit unseren Partnern die Wärmewende entscheidend voranzubringen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Wärmewende auf Grundlage der städtischen Bemühungen in Braunschweig gelingen kann."
Austausch mit Wirtschaft und Handwerk
Wichtig sei dabei auch ein Austausch mit der lokalen Wirtschaft und dem Handwerk und dieser soll auch im Rahmen des Klimaschutznetzwerks intensiviert werden, so Hanusch. "Die Erstellung der kommunalen Wärmeplanung war ein mehrjähriger Kraftakt und ist doch nur ein erster Schritt. Neue Erkenntnisse werden im Rahmen der Fortschreibung eingearbeitet, Maßnahmen angepasst. Nach dem Ratsbeschluss werden wir nun zunächst die Ergebnisse in die Öffentlichkeit bringen. BS Energy wird dabei die Planungen zur Dekarbonisierung und für den Ausbau der leitungsgebundenen Wärmeversorgung erläutern."
Was sind Fern- und Nahwärme?
Unter Fern- und Nahwärme wird eine leitungsgebundene Wärmeversorgung verstanden, die meist in einem zentralen Heizkraftwerk erzeugt und im Stadtgebiet verteilt wird. Der Begriff Nahwärme ist dadurch gekennzeichnet, dass die Versorgung über kurze Distanzen erfolgt, etwa beim Biomasseheizkraftwerk Hungerkamp. In den Übersichten zur kommunalen Wärmeplanung ist nicht danach differenziert, ob es sich um Nah- oder Fernwärme handelt. Entscheidend ist, ob ein Wärmenetz besteht beziehungsweise ein Ausbau geplant ist oder Potenziale bestehen.

