„Sterben darf nicht einsam sein“: Pilotprojekt in Pflegeheimen gestartet

Ein Braunschweiger Pilotprojekt will ambulante Sterbebegleitung dauerhaft in Senioren- und Pflegeeinrichtungen verankern – damit Menschen auch dort am Lebensende nicht allein sind.

Die Verantwortlichen und Ehrenamtlichen des Pilotprojekts.
Die Verantwortlichen und Ehrenamtlichen des Pilotprojekts. | Foto: Evangelischen Stiftung Neuerkerode,

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Braunschweig. Einsamkeit in der letzten Lebensphase ist in vielen Pflegeeinrichtungen bittere Realität. Wo Angehörige fehlen und Pflegekräfte unter enormem Zeitdruck stehen, bleiben Sterbende oft allein. Das neue Pilotprojekt „Gemeinsam begleiten. Bis zuletzt.“ der Hospiz Stiftung Braunschweig, des Vereins Hospizarbeit Braunschweig und der Evangelischen Stiftung Neuerkerode (esn) setzt genau hier an. Ausgebildete Ehrenamtliche begleiten Bewohnerinnen und Bewohner in Senioren- und Pflegezentren nachhaltig – damit niemand seinen letzten Weg isoliert gehen muss, heißt es in einer gemeinsamen Presseinformation der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, der Hospizstiftung Braunschweig sowie der Hospizarbeit Braunschweig.



In Pflegeeinrichtungen fehlen am Lebensende häufig vertraute Stimmen und bekannte Gesichter. „Sterben in einer Senioren- und Pflegeeinrichtung kann einsam sein“, bestätigt Manuela Malitzki, Palliativbeauftragte in den beteiligten esn-Einrichtungen Bethanien und St. Vinzenz. Hohe Fluktuation und knappe Zeitressourcen belasten das Pflegepersonal. Die geschulten ehrenamtlichen Sterbebegleiter sollen diese Lücke nicht als Ersatz, sondern als mitmenschliche Ergänzung schließen – indem sie einfach da sind, zuhören oder die Hand halten.

Neuer Ansatz: Frühzeitige Begleitung im stationären Bereich


Das Besondere an dem auf zwei Jahre angelegten Modellprojekt: Ambulante Sterbebegleitung wird aus dem rein häuslichen Umfeld fest in den Alltag von stationären Pflegeheimen integriert. Gemeinsam mit den Senioren- und Pflegezentren der Evangelischen Stiftung Neuerkerode wird ein nachhaltiges Konzept erprobt. Die Begleitung beginnt dabei idealerweise nicht erst kurz vor dem Tod, sondern möglichst frühzeitig, um eine echte Vertrauensbasis aufzubauen.

Erste Resultate bestätigen den dringenden Bedarf: Bis Ende des Jahres wird die Zahl der stationären Sterbebegleitungen in Braunschweig voraussichtlich um 40 Prozent steigen. Der erste Vorbereitungskurs – speziell zugeschnitten auf die Arbeit in Einrichtungen und den Umgang mit demenziellen Veränderungen – wurde bereits erfolgreich abgeschlossen.

Ein Modell mit Zukunft für ganz Niedersachsen


Das Projekt wird von der Hospiz Stiftung Braunschweig finanziert. Ziel ist es, aus den gemeinsamen Erfahrungen ein Praxiskonzept zu etablieren, das dauerhaft in Pflegeeinrichtungen verankert werden kann. „Die Not gibt es überall. Und der Bedarf wird mit der demografischen Entwicklung weiter steigen“, betont Dr. Rainer Prönneke, Vorsitzender des Landesstützpunkts Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen. Das Braunschweiger Projekt könnte somit zum Vorbild für ganz Niedersachsen werden.

Mitmachen und Zeit schenken


Die Hospizarbeit Braunschweig sucht weiterhin engagierte Menschen, die sich ehrenamtlich in der Sterbebegleitung einbringen möchten. Interessierte können sich für ein Kennenlerngespräch melden: Telefon: 0531 / 16 477, E-Mail: info@hospizarbeit-braunschweig.de