Winterdienst auf Radwegen: Darum ist dies nur begrenzt möglich

In diesem Januar hat der Winter seinem Namen alle Ehre gemacht - es fiel reichlich Schnee vom Himmel. Zum Ärger von manchem Verkehrsteilnehmer.

von


Symbolbild
Symbolbild | Foto: Anke Donner

Braunschweig. In diesem Jahr macht der Winter nach längerer Zeit mal wieder seinem Namen alle Ehre. Im Januar gab es mehrfach Schnee, zum Teil sogar in großer Menge. Dabei zeigte sich, dass anders als auf Hauptstraßen, die Radwege nicht immer zeitnah geräumt werden konnten. Mit dem Thema Winterdienst auf Radwegen beschäftigte sich daher der Ausschuss für Mobilität, Tiefbau und Auftragsvergaben am Dienstag.



Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Rat der Stadt hatte den Antrag zur Aufnahme des Tagesordnungspunktes gestellt und in diesem Zuge einige Fragen an die Verwaltung gestellt. Dazu äußerte sich die Stadt bereits im Vorfeld.

Es wird nicht gestreut


Demnach gibt es mehrere Gründe, warum der Winterdienst auf Radwegen häufig erst später und manchmal auch gar nicht stattfinden kann. Der erste liegt in der Art der Räumung, die mit ALBA für die Radwege vertraglich vereinbart wurde. Zwar gilt für 120 Kilometer Radwege an Hauptverkehrsstraßen die sogenannte „Schwarzräumung“, das heißt, sämtlicher Schnee muss entfernt werden. Doch anders als bei den rund 250 Kilometern Hauptstraße, wird nicht im Anschluss mit Auftausalzen (Feuchtsalz) abgestreut.

Dies entspreche der politischen Beschlusslage. Auftausalze würden zum Schutz von Straßenbäumen, straßenbegleitender Vegetation und Böden nicht verwendet. Daher empfiehlt die Verwaltung auch nicht, dies zu ändern. Unabhängig davon, verfüge ALBA Braunschweig hierfür aktuell auch nicht über die entsprechenden technischen Möglichkeiten.

Keine Wirkung bei Eisregen


Die Schwarzräumung als mechanisches Verfahren wirke nicht bei überfrierender Nässe, Reifglätte oder Eisregen. Auch bei größeren Schneemengen, die in wenigen Stunden fallen sowie bei Dauerschneefall über mehrere Stunden, wie in der ersten Januarhälfte 2026, komme das Konzept der Schwarzräumung an seine Grenzen. Verfestigen sich auf den Radwegen verbliebene Schneeauflagen, etwa durch nach den Schneefällen einsetzenden Dauerfrost, seien die meisten Radwege dann zunächst nur noch eingeschränkt bis gar nicht mehr befahrbar.

ALBA habe zwar in Abstimmung mit dem Auftraggeber Stadt Braunschweig extra Kleinschlepper für den Winterdienst auf Radwegen angeschafft. Diese kämen aber bei Schneeauflagen von mehr als 5 bis 6 Zentimetern an ihre Leistungsgrenzen, sodass die komplette Schwarzräumung dann deutlich erschwert sei.

Nicht genug Personal


Einen weiteren Grund kann man schlicht so zusammenfassen: ALBA hat nicht genug Personal für einen flächendeckenden Winterdienst bei starkem Schneefall. In der Mitteilung der Stadt wird dies folgendermaßen erklärt: ALBA Braunschweig verfolge aus betrieblichen Gründen eine Einsatzstrategie, die bei hohem Schneeaufkommen begrenzend wirkt. Das für die Schlepper notwendige Bedienpersonal werde aus dem Personalstamm für die Straßenreinigung rekrutiert.

Es gebe elf Räumtouren, die im Radwegewinterdienst gefahren werden. Eine Tour dauere bis zu acht Stunden. Nachdem die elf Touren beendet sind, ende aus arbeitszeitlichen Gründen auch der Dienst für die Mitarbeiter. Daher könne erst nach der vorgeschriebenen Ruhezeit von mindestens elf Stunden ein erneuter Einsatz erfolgen. Personal für eine personelle Doppelbesetzung der Räumtouren sei bei ALBA nicht vorhanden.

Erhebliche zeitliche Verzögerung


Gebe es wie vor kurzem Dauerschneefall, der über mehrere Stunden anhält, könne ALBA darauf nicht mit einem erneuten Räumgang reagieren, sodass die gerade abgefahrene Räumstrecke kurze Zeit später wieder mit Schnee bedeckt sei. Hierauf könne erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung reagiert werden.

Die Mitarbeiter des Fachbereiches Stadtgrün können dagegen im Rahmen von Rufbereitschaften mehrfach pro Tag bis zu maximal zehn Stunden Gesamtarbeitszeit alarmiert werden und nach einer mittels Dienstvereinbarung mit der Personalvertretung reduzierten Ruhezeit von sechs Stunden erneut zum Einsatz alarmiert werden. Dadurch werde eine deutlich flexiblere Einsatzstrategie möglich.

Verbesserungen möglich?


Doch welche Verbesserungsmöglichkeiten sieht die Stadt? Für größere Schneemengen oder Dauerschneefall - diese Wetterbedingungen kämen laut Verwaltung nur sehr selten vor - müssten von ALBA Braunschweig deutlich leistungsstärkere Schlepper beschafft werden. Dies würde 1,6 bis 1,8 Millionen Euro kosten, bei einer Restlaufzeit des Vertrages zwischen ALBA und der Stadt von knapp fünf Jahren.

Um bei Dauerschneefall in adäquater Zeit geräumte Radwege zu gewährleisten, müsste zweischichtig agiert und das Personal für den Radwegewinterdienst für kurze Zeiträume verdoppelt werden. Inwieweit das umsetzbar wäre und mit welchen zusätzlichen Kosten für den städtischen Haushalt, müsste in Gesprächen mit ALBA eruiert werden.

Tipps der Verwaltung


Da beides die Stadt viel Geld kosten würde, bleiben die pragmatischen Tipps der Verwaltung für Radfahrer: Bei Raureif und überfrierender Nässe Verwendung wintertauglicher Fahrradreifen, Nutzung der von ALBA winterdienstlich behandelten Fahrbahnen sowie temporäre Nutzung des ÖPNV oder zu Fuß gehen.