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Brexit - große Bestürzung in der Region



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Brexit - große Bestürzung in der Region

von Robert Braumann


Die Briten haben sich gegen Europa entschieden, die Folgen sind wohl noch nicht absehbar, Foto: Anke Donner
Die Briten haben sich gegen Europa entschieden, die Folgen sind wohl noch nicht absehbar, Foto: Anke Donner Foto: Anke Donner

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Region. Die Briten haben sich entschieden, sie wollen aus der EU austreten. 51,9 Prozent der Bürger stimmten für den "Brexit". In der Region haben Politiker und Wirtschaft mit Bestürzung auf die Entscheidung reagiert.

Nach den Niederlanden war Großbritannien, dazu zählen das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, das zweitwichtigste Bestimmungsland niedersächsischer Exportgüter. Nach Mitteilung des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) wurden im Jahr 2015 Waren im Gesamtwert von knapp über 7 Milliarden Euro dorthin exportiert. Der größte Anteil mit rund 3,6 Milliarden Euro entfiel auf die Ausfuhr von Erzeugnissen des Straßenfahrzeugbaus, wie Autos, Wohnmobile, LKW, Spezialfahrzeuge sowie KFZ-Teile. Mit großem Abstand folgten Fleisch und Fleischwaren im Wert von 320 Millionen Euro, die nach Großbritannien geliefert wurden. Die Ausfuhr von Geräten der Elektrizitätserzeugung und -verteilung belief sich auf rund 250 Millionen Euro. Auch bei der Einfuhr war Großbritannien auf dem sechs Platz ein bedeutender Handelspartner Niedersachsens.

Bestürzung bei der Volksbank


Norman Lies, Pressesprecher der Volksbank BraWo, sagte: "Wir haben das knappe Resultat der Brexit-Abstimmung mit Bestürzung zur Kenntnis genommen. Aus unserer Sicht handelt es sich um ein falsches Signal mit wahrscheinlich schwerwiegenden Folgen für Europa.

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Es geht um viel Geld. Foto: Marc Angerstein




Wie die Lücke, die der bisher drittgrößte Nettobeitragszahler der EU hinterlässt, geschlossen werden soll, bleibt abzuwarten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch noch zu früh, um eine belastbare Einschätzung zum Brexit zu geben und die Auswirkungen auf regional tätige Banken - wie unser Unternehmen - seriös einschätzen zu können."

"Ein trauriger Tag"


"Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist ein trauriger Tag für die Staaten-, Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft EU", erklärt Petra Emmerich-Kopatsch, europapolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und Stellv. Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Goslar.

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Petra Emmerich-Kopatsch. Foto: SPD-Niedersachsen.



"Das Vereinigte Königreich ist ein enger Partner Niedersachsens; das muss auch für die Zeit nach der Mitgliedschaft in der EU gelten. Die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger in Großbritannien ist zu bedauern, aber auch zu respektieren. Die Konsequenzen auf allen Ebenen sind noch nicht absehbar", sagt die SPD-Europapolitikerin. Die EU müsse sich jetzt damit auseinandersetzen, die latente Unzufriedenheit in der Bevölkerung abzubauen und neues Vertrauen zu gewinnen. Emmerich-Kopatsch: "Sie muss zukünftig demokratischer und auch sozialer werden."

"Durchaus ernüchtert"


Zur Entscheidung der Briten für den EU-Austritt erklärt der Braunschweiger CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Müller: "Großbritannien will die EU verlassen. Ich habe mir einen anderen Ausgang gewünscht – deswegen bin ich durchaus ernüchtert." Er ergänzte:

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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller. Foto: Sina Rühland



"Möglicherweise muss Politik lernen, neben guten und rationalen Argumenten auch ein gutes Gefühl für komplexe Entscheidungen zu vermitteln. In wirtschaftlicher Hinsicht zeigen schon die ersten Stunden des heutigen Tages, welchen Weg die Angelegenheit wohl nehmen wird – nämlich keinen einfachen für die EU und einen sehr, sehr schwierigen für Großbritannien, wobei daraus möglicherweise "Klein“-Britannien werden wird. Mir ist wichtig, dass die nunmehr anstehenden Verhandlungen und Regelungen fair, aber dennoch konsequent geführt werden. Und mir ist ganz wichtig, dass wir die europäische Idee nicht nur mit dem Rechenschieber in der Hand diskutieren."

Gabriel kämpferisch


SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte dem Stern:

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Sigmar Gabriel, Foto: Sina Rühland



"Unser Motto muss jetzt sein: Nach vorne! Und nicht jammern. Der Brexit ist kein Untergang Europas, sondern eine Chance für den Neuanfang. Der Austritt des Vereinigten Königsreichs ist ein schriller Weckruf vor allem für die europäische Politik. Wer den überhört oder sich in die üblichen Rituale flüchtet, fährt Europa vor die Wand".


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