CDU-Konzept: Kostenloses Parken in Wolfenbüttels Innenstadt

Entgegen dem Mainstream spielt vor allem das Auto eine große Rolle für die CDU und ihren Bürgermeisterkandidaten Adrian Haack.

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Die Diskussion um das Parken am Stadtmarkt wird auch weiterhin bleiben.
Die Diskussion um das Parken am Stadtmarkt wird auch weiterhin bleiben. | Foto: Werner Heise

Wolfenbüttel. Wenn man die Frequenz in der Innenstadt steigern möchte, dann muss man deren Attraktivität steigern. Diese ganz und gar nicht neue Weisheit will jetzt auch die CDU mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Adrian Haack aufgreifen. Vor Pressevertretern stellte die CDU am Donnerstagabend ihr auf den Kommunalwahlkampf ausgerichtetes Strategiepapier "Innenstadt 2030" vor. Darin spielt vor allem das Auto eine wichtige Rolle.


In der gesamten Innenstadt (innere Okerumflut) soll das Parken für 30 Minuten kostenlos und die Parkgebühren für die übrige Zeit gesenkt werden. Es müsse sogar darüber nachgedacht werden, das Parken im Parkhaus am Löwentor für mehrere Stunden kostenfrei anzubieten. "Warum kann man bei Supermärkten wohl gratis parken?", fragt Haack zur Erläuterung der dahinter stehenden Logik. Er sei überzeugt davon, dass die Innenstadt für Autofahrer attraktiv sein müsse, um Menschen in die Stadt zu holen. Ausfälle von Gebühreneinnahmen müsse man hinnehmen, um im Gegenzug Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu erzielen.

Für den CDU-Bürgermeisterkandidat Adrian Haack spielt das eine große Rolle bei der Belebung der Wolfenbütteler Innenstadt.
Für den CDU-Bürgermeisterkandidat Adrian Haack spielt das eine große Rolle bei der Belebung der Wolfenbütteler Innenstadt. Foto: Werner Heise




"Autofahrer nicht abmelken"


"Es geht darum, den Autofahrer nicht abzumelken!", fügt Marc Angerstein (Herausgeber von regionalHeute.de, Anm. d. Red.) hinzu. Ihn stellten Bürgermeisterkandidat Adrian Haack und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Andreas Meißler beim Pressegespräch als denjenigen vor, der vor allem das wirtschaftspolitische Profil der Stadt-CDU in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werde. Er selbst bezeichnet dies als "kleines politisches Comeback." Er saß bereits von 2006 bis 2011 für die FDP im Rat der Stadt Wolfenbüttel, ist mittlerweile parteilos und will dies vorerst auch bleiben. Und wie es aussieht, könnte es künftig noch weitere parteilose Unterstützer, nicht nur aus der Wolfenbütteler Wirtschaft für die CDU geben. Das zumindest deutete der Vorsitzende Meißler an.

Marc Angerstein ist Medienunternehmer und betreibt zudem im Wolfenbütteler Ortsteil Fümmelse einen Mini Markt sowie eine Deutsche Post- und Lottoagentur.
Marc Angerstein ist Medienunternehmer und betreibt zudem im Wolfenbütteler Ortsteil Fümmelse einen Mini Markt sowie eine Deutsche Post- und Lottoagentur. Foto: Marc Angerstein Media GmbH


Doch zurück zum Strategiepapier, an dem insgesamt acht Personen gearbeitet hätten und das auch Rückendeckung von einem Großteil der derzeitigen CDU-Stadtratsfraktion genießen soll.


Neben kostenlosen Kurzzeitparkplätzen auf dem Stadtmarkt wolle man den unteren Bereich der Fußgängerzone - von der Okerstraße bis zur Breiten Herzogstraße - für den Autoverkehr freigeben. Das alles dürfte harter Tobak für jene sein, die nach einer autofreien Innenstadt streben. "Eine Innenstadt gegen das Auto zu planen ist zwar in Mode, aber für einen Landkreis wie Wolfenbüttel nicht realisierbar", sagt Marc Angerstein und rechnet vor, dass auf 1.000 Einwohner 600 Fahrzeuge kämen. "Mit dem ÖPNV und Fahrrad alleine kommt man nicht weit", sagt er. Zudem spiele neben den Wetterverhältnissen auch die Bequemlichkeit der Menschen und der Transport eingekaufter Waren eine Rolle. Die Leute werden außerdem immer älter und für die sei das Fahrrad keine Alternative.

Hausmannsturm im Schloss soll Besucher anziehen


Doch das Auto alleine soll und kann auch aus CDU-Sicht nicht das Allheilmittel für eine Frequenzsteigerung in der Innenstadt sein. Die Menschen hätten sich mittlerweile an die Bequemlichkeit mit dem Paketboten gewöhnt und auch wer in der Corona-Pandemie die Amazon-App auf seinem Smartphone installiert habe, werde sie nicht einfach wieder löschen. Daher sehen Adrian Haack und sein Team weitere Ansatzpunkte, die dafür sorgen sollen, Menschen in die Wolfenbütteler Innenstadt zu holen.

Neben kulturellen und touristischen Angeboten wie der Aufstellung von "Musikbänken" mit den Melodien des Hofkapellmeisters Michael Praetorius oder einer Öffnung des Hausmannsturmes am Wolfenbütteler Schloss für den Besucherverkehr, zielt man auch auf ein Wohnangebot und die Ansiedlung von Studenten ab. Hier knüpfen sich die CDUler mit kritisierendem Blick das Löwentor vor.

Das Strategiepapier sieht eine Öffnung des Hausmannsturmes für Besucher vor. Hier wäre ein weiter Blick über die Dächer Wolfenbüttels möglich.
Das Strategiepapier sieht eine Öffnung des Hausmannsturmes für Besucher vor. Hier wäre ein weiter Blick über die Dächer Wolfenbüttels möglich. Foto: Werner Heise


Kritik am Löwentor


Neben einer optischen Aufwertung des Gebäudes bringt man die Hochschule Ostfalia ins Spiel, die mit der Fakultät Recht und ihren über 1.000 Studenten im Löwentor einziehen könnte. Aber auch ein Hotel wäre darin besser aufgehoben, als ein weiterer Bäcker oder das Sortiment vom derzeitigen Ankermieter Woolworth.

Das Strategiepapier, das nach zahlreichen Gesprächen mit Wolfenbütteler Einzelhändlern entstanden sei, steht ab sofort auf der Homepage des CDU-Bürgermeisterkandidaten Adrian Haack zur Ansicht bereit. Es soll einen ersten Entwurf darstellen und zur Diskussion einladen. "Es wird positive und negative Reaktionen hervorrufen", sagt Stadtverbandvorsitzender Meißler. Derer wolle man sich annehmen und das Strategiepapier bis zur Wahl daran anpassen. Rückmeldungen können über das Kontaktformular der Homepage Haacks erfolgen.


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