whatshotTopStory

Der Todes-Fahrer von Halchter: „Ich bin schon immer überall angeeckt“

von André Ehlers



Artikel teilen per:

24.03.2014


Braunschweig. „Ich dachte immer, mir gehört die Welt und ich kriege das alles hin, habe dann aber viel verbockt.“ Am zweiten Prozess-Tag zur Todesfahrt in Halchter, stand der Angeklagte im Saal 125 des Landgerichts im Mittelpunkt. Zunächst brachte allerdings der KfZ-Sachverständige, der den Unfall-Ort im März vergangenen Jahres untersucht hatte, noch einige grausame Details ans Licht. Diese ließ Denis Z. äußerlich unbeeindruckt über sich ergehen.

Als er dann jedoch Angaben zu seiner Biografie machen sollte, wurde er unruhig. Offensichtlich fiel es ihm sehr schwer, über seine Kindheit und jüngere Vergangenheit zu sprechen. Nervös zitterten seine Knie unter dem Tisch, während er erzählte.

„Ich brauche das nicht, weiß alles besser“




Demnach kam er als Kleinkind bereits in die Obhut der Großeltern nach Melverode. Bei ihnen ist er aufgewachsen. Die Grundschule wechselte er, weil er Stress mit seiner Lehrerin hatte: „Ich bin schon immer überall angeeckt.“ Nach der Hauptschule startete er eine Ausbildung als Metallbauer. Diese schmiss er nach ungefähr einem halben Jahr wieder hin. Auch bei der Bundeswehr war für ihn bereits nach sieben Monaten Schluss. Er wurde beim Kiffen erwischt und nachträglich ausgemustert. Zu dieser Zeit rutschte der heute 33-Jährige immer tiefer in die Drogen-Szene ab. Strafen, Rückfälle und abgebrochene Therapien wechselten sich ab. Meist hielt er es dort nicht lange aus. Am Ende hieß es dann oft: „Ich brauche das hier nicht, ich weiß sowieso alles besser“, sagte er der Richterin. Erst als er sich im ehemaligen Braunschweiger Techno-Club „Bunker 26“ am Madamenweg engagierte, schien Denis Z. die Kurve zu kriegen. Als der Club vor zwei Jahren einem Umbau weichen musste, dauerte es nicht lange, und er habe wieder angefangen „Mist“ zu bauen. Bis es am 4. März 2013 zum tödlichen Unfall in Halchter kam.

Der Prozess und die Aussagen der Beteiligten beschäftigen den Mann, der derzeit im Gefängnis in Wolfenbüttel sitzt. „Ich kann mir nicht erklären, warum ich so krasse Sachen gemacht habe“, sagte er schließlich. Dabei meinte er vor allem die vielen waghalsigen Fluchtfahrten, die er sich mit der Polizei geliefert hatte. Wie groß die persönliche Last für ihn ist, den Tod eines Menschen verursacht zu haben, blieb an diesem Tag im Landgericht Braunschweig weiterhin offen.

Am kommenden Donnerstag, 27. März, werden die Plädoyers gehalten. Möglicherweise kommt es dann auch bereits zum Urteil.

Lesen Sie auch:


Prozess gegen Todes-Fahrer von Halchter: „Ich hoffte, ich komme an ihr vorbei“


zur Startseite