Die Region fest in der Hand der SPD - Doch warum ist das so?

Mit wenigen Ausnahmen stellen die Sozialdemokraten die Hauptverwaltungsbeamten in den Landkreisen, Städten und Gemeinden. Wir baten einen Politikwissenschaftler um eine Einschätzung dieses Wahlergebnisses.

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Symbolbild | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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Region. Am Sonntag wurden mit den Stichwahlen in einigen Städten, Kreisen und Gemeinden die Kommunalwahlen 2026 abgeschlossen. Und wie vor fünf Jahren zeigt sich: Die Region zwischen Harz und Heide ist fest in der Hand der SPD. Der Trend hat sich - mit wenigen Ausnahmen - sogar fortgesetzt. Doch warum ist das so? Dr. Nils C. Bandelow, Politikwissenschaftler und Professor an der TU Braunschweig ordnet das Ergebnis auf Anfrage von regionalHeute.de ein.



Nachdem am Sonntag auch im Kreis Helmstedt die SPD triumphierte, sind sämtliche Landkreise in unserer Region rot. Auch in den Gemeinden, Samtgemeinden und Städten konnten meist die Sozialdemokraten den Sieg nach Hause bringen. Nur bei den Großstädten hat die CDU mit Salzgitter und Wolfsburg die Nase vorn. Dort konnten sich die Amtsinhaber behaupten. Gleiches gelang der SPD in Braunschweig.

Warum der Trend ein "Genosse" ist


Doch dass man als "Platzhirsch" keine Garantie auf Wiederwahl hat, mussten die langjährigen CDU-Bürgermeister in Gifhorn, Matthias Nerlich, und Helmstedt, Wittich Schobert, schmerzlich erfahren. Sie unterlagen ihren SPD‑Herausforderern. Doch warum ist in unserer Region der Trend ein "Genosse"? Am Rückenwind aus Berlin kann es ja eigentlich nicht liegen. Wir baten daher Dr. Nils C. Bandelow von der TU um eine Einschätzung. Auch zu der Frage, welchen Vorteil nun Amtsinhaber wirklich haben.

Historisch stark verankert


"Aus meiner Sicht kommen zur Erklärung der Wahlergebnisse mehrere Dinge zusammen. Südostniedersachsen ist historisch eine Region, in der die SPD besonders stark verankert ist. Das hat viel mit der industriellen Prägung der Region, mit Gewerkschaften und über Jahrzehnte gewachsenen politischen Netzwerken zu tun. Diese alten Milieus existieren heute nicht mehr in derselben Form, aber ihre politischen Strukturen wirken weiter", so die Einschätzung von Bandelow.

Auch das Personal sei relevant, nicht nur bei den aktuellen Personen. Wenn eine Partei über lange Zeit Bürgermeister, Landräte und Abgeordnete stelle, verfüge sie über viele bekannte und politisch erfahrene Kandidaten. Diese würden bei Kommunalwahlen oft stärker als Vertreter ihrer Stadt oder Region wahrgenommen und weniger als Vertreter der Bundespartei, so der Politikwissenschaftler. Das könne erklären, warum die SPD hier teilweise weniger unter ihrem schlechten bundespolitischen Erscheinungsbild leidet.

Industrielle und gewerkschaftliche Strukturen


Es spreche einiges dafür, dass in der Region teilweise regionale und parteipolitische Identitäten verbunden sind. "Wenn eine Partei über Jahrzehnte in einer Region erfolgreich ist, gehören bekannte Kandidaten für viele Wähler zum vertrauten politischen Personal der Region", erklärt der Politologe. Im Braunschweiger Land komme hinzu, dass industrielle und gewerkschaftliche Strukturen, etwa rund um Volkswagen und die Metallindustrie, stärker erhalten geblieben seien als beispielsweise im Ruhrgebiet. Dort sei mit der Deindustrialisierung auch ein großer Teil des früheren sozialdemokratischen Milieus verschwunden.

Das bedeute allerdings nicht, dass Südostniedersachsen dauerhaft SPD-Land bleiben muss. "Braunschweig war unter Gert Hoffmann lange CDU-regiert. Auch solche regionalen Traditionen können sich verändern, wenn sich Wirtschaftsstrukturen verändern oder andere Parteien überzeugendes Personal aufbauen", gibt Bandelow zu bedenken.

Doch was ist mit dem Amtsinhaberbonus, und warum wirkt er nicht immer? "Der Amtsinhaberbonus spielt vor allem im ersten Wahlgang bei Bürgermeister- und Landratswahlen eine große Rolle. Amtsinhaber sind bekannter, können auf ihre bisherige Arbeit verweisen und werden häufig stärker als Person denn als Parteivertreter wahrgenommen", so Bandelow. Das sehe man gut in Gifhorn. Matthias Nerlich habe im ersten Wahlgang noch vorn gelegen. Dass er in der Stichwahl dann deutlich verlor, zeige, dass sich die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten mehrheitlich anders orientiert hätten.

Kein Bonus in der Stichwahl


Politikwissenschaftliche Forschung deute darauf hin, dass ein Amtsinhaberbonus bei Stichwahlen weniger wirksam ist als bei ersten Wahlrunden. In einer Stichwahl könne ein Amtsinhaberbonus durch eine breite Mobilisierung gegen den Amtsinhaber überlagert werden. "Bei Wittich Schobert war die Lage noch schwieriger, weil er schon im ersten Wahlgang hinter seinem Herausforderer lag", erklärt der Professor.

"Insgesamt würde ich die Ergebnisse deshalb nicht einfach als Reaktion auf die Bundespolitik lesen. In Südostniedersachsen wirken historische Parteibindungen, regionale Wirtschafts- und Organisationsstrukturen, bekannte Kandidaten und der Amtsinhaberbonus zusammen", so das Fazit von Nils Bandelow.