Wolfenbüttel

Einmal Werkstatt, immer Werkstatt? Von wegen!


Thomas Ebeling und Nicole Arendt vor dem Parkhotel Altes Kaffeehaus. Foto: DRK-Wolfenbüttel
Thomas Ebeling und Nicole Arendt vor dem Parkhotel Altes Kaffeehaus. Foto: DRK-Wolfenbüttel Foto: DRK-Wolfenbüttel

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09.12.2016

Wolfenbüttel. Wenn sich Menschen mit Behinderung für eine Anstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt entscheiden, können sie sich von Job-Coaches vom Fachdienst zur beruflichen Eingliederung (FbE), einer Einrichtung des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel, beraten lassen.



Der Fachdienst zur beruflichen Eingliederung hilft behinderten Menschen bei der Integration in den Arbeitsmarkt.

Vor Thomas Ebeling ist kein Staubkorn sicher. Im schnellen Schritt marschiert er durch das Zimmer vom Parkhotel Altes Kaffeehaus am Wolfenbütteler Harztorwall. Bewaffnet mit einem Staubsauger und einem Lappen, eilt er aufmerksam im Raum umher, bezieht die Betten und drapiert die Kissen. Man muss schon sehr genau hinsehen, um zu erkennen, dass Thomas ein besonderer Mitarbeiter ist: Er hat das Down-Syndrom, einen angeborenen Gen-Defekt, der dazu führt, dass die geistigen Fähigkeiten eingeschränkt sind.

Für viele Menschen mit einer Behinderung stehe, so der DRK-Kreisverband Wolfenbüttel, die berufliche Laufbahn schnell fest und führe über die Förderschule in eine geschützte Werkstatt. In diese wollte Thomas aber nicht, er strebte eine Anstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an. „Warum sollte er dort auch nicht arbeiten dürfen?“, fragt sich Nicole Arendt vom Fachdienst zur beruflichen Eingliederung (FbE), einer Einrichtung des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel.

Gemeinsam mit ihren Kollegen unterstützt Arendt beeinträchtigte Menschen mit dem Ziel, diese in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu vermitteln oder mit ihnen Beschäftigungsperspektiven zu entwickeln. Unter dem Leitsatz „Erst platzieren, dann qualifizieren“ erstellen die Job-Coaches für ihre Kunden eine persönliche Zukunftsplanung und helfen bei der Orientierung: Wo liegen meine Stärken? Welcher Job passt zu mir?

Einarbeitung durch den DRK


Als gemeinnützige Trägergesellschaft für integrative Sozialprojekte (TFIS) ist das DRK Wolfenbüttel ein „zertifizierter zugelassener Träger für REHA-spezifische Maßnahmen – Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsplatz“. Durch dieses Zertifikat sei eine Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit als Kostenträger möglich, erklärt Betriebsleiter Uwe Rump-Kahl. Sobald die Finanzierung also geklärt ist, sucht der FbE in Betrieben nach Arbeiten, die ein Bewerber zuverlässig durchführen kann.
„Der Arbeitgeber muss sich selbst um die Einarbeitung gar nicht kümmern“, betont DRK-Betriebsleiter Uwe Rump-Kahl. Denn für die Begleitung im alltäglichen Arbeitsleben stehen dann wieder die Job-Coaches zur Stelle. „Wir leiten den Angestellten im Job an und bereiten auch die Mitarbeiter auf den neuen Kollegen vor“, merkt Arendt an. „Natürlich haben Menschen mit Behinderung in einigen Bereichen deutliche Einschränkungen. Dafür bringen sie aber eine Menge Motivation, Fleiß, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Konstanz und Freundlichkeit mit. Eigenschaften, die besonders in der Arbeitswelt einen hohen Stellenwert haben.“

Begeisterung für die Arbeit


Die Begeisterung für das, was er tut, treibt auch Thomas an, hart zu werkeln und seine ganze Energie und Leidenschaft in den Beruf zu legen: „Hier im Parkhotel zu arbeiten, ist etwas ganz Besonderes – meine Aufgaben in der Spülküche, im Frühstücksraum oder in den Zimmern machen mir unglaublich viel Spaß.“ Es ist die Liebe zum Job, die aus Thomas das Optimum herausholt und seine eigenen Grenzen immer wieder überschreiten lässt. Und wer wünscht sich nicht einen solchen Arbeitnehmer?


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