Erkältungszeit: Brauchen Kinder wirklich Immun-Booster?

Wenn die Temperaturen sinken und die Erkältungssaison beginnt, greifen manche Eltern auch für ihre Kinder zu Nahrungsergänzungsmitteln.

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Symbolfoto | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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Region. Gummibärchen mit Vitaminen oder Lutschtabletten mit Zink: Gerade in der Erkältungszeit versprechen zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel speziell für Kinder Unterstützung für das Immunsystem. Doch die Produkte sind meist überflüssig, mitunter sogar schädlich. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt davor, vermeintlich harmlose Präparate vorsorglich zu geben. Eine ausgewogene Ernährung reicht in der Regel aus, um Kinder ausreichend mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen – die Kosten für Nahrungsergänzungsmittel können sich Eltern meist sparen.



Wenn die Temperaturen sinken und die Erkältungssaison beginnt, greifen manche Eltern auch für ihre Kinder zu Nahrungsergänzungsmitteln. Besonders Produkte mit Vitamin C oder Zink werden häufig beworben, um die Abwehrkräfte der Kleinen zu stärken. Aus Sicht der Verbraucherzentrale Niedersachsen sei das jedoch in den meisten Fällen nicht notwendig. „Viele Eltern möchten ihre Kinder bestmöglich schützen und handeln aus Sorge vor Infekten“, sagt Ernährungsexpertin Anneke von Reeken von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Für gesunde Kinder gibt es jedoch keinen Grund, vorsorglich Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Die Versorgung ist laut Studien ausreichend.“ Zudem sei gerade bei Kinderprodukten, die als Bonbons oder Bärchen daherkommen, die Gefahr einer Überdosierung groß.

Vorsicht bei Zink


Besonders bei Zink sollten Eltern aufmerksam sein. Denn mehr hilft nicht automatisch mehr. Zwar könne ein Mangel die Gesundheit beeinträchtigen, eine zu hohe Aufnahme könne aber ebenfalls Probleme verursachen. „Zink ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Wird jedoch dauerhaft zu viel aufgenommen, kann das unerwünschte Folgen haben“, erläutert von Reeken. „Im akuten Fall können Übelkeit, Erbrechen oder andere Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Mittelfristig kann eine hohe Zinkzufuhr außerdem die Aufnahme von Kupfer und Eisen beeinträchtigen.“

Vitamin-C-Präparate oft überflüssig


Auch eine zusätzliche Gabe von Vitamin C an Kinder sei meist verzichtbar. Der Tagesbedarf lasse sich problemlos über die Ernährung decken. „Schon ein bis zwei Portionen Obst am Tag liefern ausreichend Vitamin C“, so von Reeken. „Der Körper kann nur eine bestimmte Menge verwerten. Was darüber hinaus aufgenommen wird, wird wieder ausgeschieden. Zusätzliche Produkte bringen daher meist keinen Vorteil und kosten nur unnötig Geld.“

Vitamin D niemals ohne ärztliche Absprache


Säuglinge bekommen im Rahmen der allgemeinen Vorsorge spezielle Vitamin D-Präparate kinderärztlich verschrieben, da der Vitamin D-Gehalt in der Muttermilch gering ist und die Haut des Säuglings aufgrund des noch fehlenden Schutzmechanismus nicht der Sonne ausgesetzt werden sollte. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die speziell auf den Bedarf der Säuglinge ausgerichtet sind. Eine Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln ist daher nicht angebracht, es besteht Vergiftungsgefahr. Grundsätzlich gilt: Kein zusätzliches Vitamin D für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder ohne Rücksprache mit der Kinderarztpraxis.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt Eltern, Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel kritisch zu hinterfragen. Des Weiteren fordert sie vom Gesetzgeber verbindliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder festzulegen. „Im Moment ist das noch eine Grauzone, die geregelt werden muss“, betont von Reeken. „Es wird unterschätzt, wie schädlich ein Zuviel an den Vitaminen D und A, Zink oder Kupfer für Kinder sein kann.“