Friseur erklärt: Deswegen werden sich Preise für Haarschnitte bald ändern

Dieses Gesetz zwingt das Friseur-Handwerk dazu, die klassischen Abrechnungsmodelle nach Damen- und Herren-Haarschnitt zu überdenken.

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Symbolbild. | Foto: Pixabay

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Region. Alles wird teurer – etwa auch der Friseurbesuch? Ganz so pauschal lässt sich das wohl nicht sagen. Aber zumindest werden sich die Preismodelle wohl teilweise drastisch verändern. Wie Justin Wiedemann, Obermeister der Friseurinnung Wolfenbüttel-Salzgitter erklärt, hat das mit dem Gleichstellungsgesetz zu tun. Und das betrifft künftig wohl alle Salons der Region und bundesweit.



Die Einteilung in Damen- und Herrenhaarschnitte mit ihren entsprechenden Preis-Abstufungen könnte problematisch werden. "Sie werden zunehmend durch geschlechtsneutrale Leistungsbeschreibungen ersetzt", heißt es in einer Pressemitteilung der Innung. Das geschieht aufgrund gesetzlicher Vorgaben: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verfolgt das Ziel, Benachteiligungen aufgrund persönlicher Merkmale – darunter auch das Geschlecht – zu verhindern.

Diskriminierung beim Preis für den Haarschnitt soll es nicht mehr geben


Dieses Gesetz befindet sich derzeit in einem Reformprozess, die erste Lesung zur Novelle, in der es auch um den Schutz von Kunden vor Diskriminierung geht, hat erst kürzlich im Bundestag stattgefunden. Auch vor dem Hintergrund der Novellierung versuche Wiedemann jetzt gezielt, die Betriebe seiner Innung dafür zu sensibilisieren, erklärt der Obermeister im Gespräch mit regionalHeute.de. Letztlich wird es aber alle Friseur-Salons – aber auch Barber-Shops, wenn diese auch Haarschnitte anbieten – der Region und bundesweit betreffen sowie ohnehin alle anderen Branchen. Auch der Landesinnungsverband des niedersächsischen Friseurhandwerks berät seine Betriebe derzeit in Sachen "Genderpricing".

Statt bei den Preisen klassisch-traditionell zwischen Frisuren für Damen und Herren zu unterscheiden, werden die Friseure künftig nach "erbrachter Leistung" abrechnen, erklärt Wiedemann. „Ein Haarschnitt verursacht nicht automatisch mehr oder weniger Aufwand, weil die Kundin eine Frau oder der Kunde ein Mann ist“, erklärt Obermeister Justin Wiedemann. „Entscheidend sind vielmehr Faktoren wie Haarlänge, Haardichte, benötigte Arbeitszeit, Materialeinsatz und die gewünschte Dienstleistung.“ Das wird künftig seinen Niederschlag auf der Preisliste der Friseursalons finden.

Neue Kategorien


Im Gespräch mit regionalHeute.de erklärt der Innungschef: "Wenn ich die gleiche Leistung auf dem gleichen Stuhl erbringe, kann ich dafür nicht unterschiedliche Preise verlangen." Preislisten würden künftig also beispielsweise nach Kategorien wie „kurzes Haar“, „mittellanges Haar“, „langes Haar“, dem Zeitaufwand oder einzelnen Leistungsbausteinen aufgebaut werden. Ziel sei eine transparente und faire Preisgestaltung für alle Kunden.

Auch der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks betont, dass es sich bei den Umstellungen eben nicht um Ideologie handelt. Auf der Homepage des Verbands wird ein Branchenexperte dazu zitiert: "Es geht dabei nicht um eine politische Gleichmacherei, sondern um eine faire und nachvollziehbare Abrechnung von Leistungen."

Preiserhöhungen sind nicht ausgeschlossen


„Diese Veränderungen können zu Preiserhöhungen führen“, betont Wiedemann. „Allerdings geht es im Kern vielmehr darum, die Preisgestaltung nachvollziehbar, transparent und rechtssicher zu gestalten." Kunden sollen künftig die tatsächlich erbrachte Leistung bezahlen – "unabhängig von Geschlecht, Alter oder anderen persönlichen Merkmalen“, so Wiedemann.

Die Umsetzung des Gleichbehandlungsgesetzes sei übrigens keine freiwillige Leistung, betont Wiedemann. Im schlimmsten Fall könnten Verstöße dagegen Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Die Friseurinnung empfiehlt daher allen Betrieben – unabhängig davon, ob sie Mitglied der Innung sind oder nicht –, ihre Preislisten und Rabattmodelle zeitnah zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Auch andere Preisnachlässe und Rabatte für bestimmte Personengruppen sollten Salons überprüfen.