Region. Heiße Tage gab es doch schon immer. Aber sind es in den letzten Jahren oder Jahrzehnten mehr geworden? Oftmals werden solche Fragen ohne faktische Grundlage und aus dem Bauch heraus beantwortet, gerade jetzt, da die Debatten aufgrund der momentanen Hitzewelle wieder auflodern. Klare Fakten dazu zu sammeln und übersichtlich aufzubereiten – das hat sich Henry Ganschof zur Aufgabe gemacht.
Der Schweriner hat öffentlich verfügbare Messdaten aus den vergangenen 100 Jahren zusammengetragen und auf seiner Homepage klimanostalgie.de für ganz Deutschland aufbereitet – unter anderem als übersichtliche Landkarte. Diese kosten- und werbefreie Homepage habe Ganschof aufgesetzt, "weil ich diese oft sehr allgemeine Debatte über Hitze und Klimawandel lokal greifbarer machen wollte", teilt der Schweriner mit. Auch die Temperaturentwicklung in unserer Region lässt sich dort genau für alle Städte und Landkreise und teilweise sogar für einzelne Stadtteile und Gemeinden nachverfolgen.
Überall in der Region ist die Anzahl der Hitzetage gestiegen
Recht schnell wird bei einem Blick auf die Landkarte deutlich: Heiße Tage haben zugenommen. Im Braunschweiger Siegfriedviertel hat es demnach zum Beispiel zwischen 1951 und 1970 jeweils 3,1 Hitzetage pro Jahr gegeben – also Tage, an denen die Temperatur mehr als 30 Grad betrug. Im Zeitraum zwischen 2006 und 2025 gab es an derselben Messstelle 10 solche Tage pro Jahr. Es sind also 6,9 heiße Tage mehr als vor 50 Jahren.
Solche Werte lassen sich auf der Landkarte der Homepage einfach für viele Orte in unserer Region ablesen. In Wolfsburg waren es demnach damals 3,3 heiße Tage (1951 bis 1970), jetzt sind es bereits 11,1. Plus 7,8 also. In Cremlingen (Landkreis Wolfenbüttel): 3,0 heiße Tage damals, 10,8 heute. Exakt die gleichen Werte spuckt die Karte für Isenbüttel (Landkreis Gifhorn) aus. Ähnliche Werte gibt es aber in der gesamten Region: In der Stadt Peine waren es 2,9 heiße Tage im Zeitraum von 1951 bis 1970, im aktuellen Zeitraum sind es bereits 9,9.
Weiter: 3,0 damals gegenüber 9,5 heute in Salzgitter, sowie 2,2 und 9,4 in Schladen (Landkreis Wolfenbüttel), 3,7 und 14,4 in Schöningen (Landkreis Helmstedt) oder 2,4 und 9,6 in Vienenburg (Landkreis Goslar). So lassen sich unzählige Orte der Region abklappern. Überall findet sich das gleiche Ergebnis: Im früheren 20-Jahres-Zeitraum gab es deutlich weniger heiße Tage pro Jahr als im aktuellen Zeitraum.
Was die Werte aussagen
Der Seitenbetreiber erklärt dort: "Hohe Werte bedeuten nicht automatisch, dass ein Ort heute am heißesten ist. Sie zeigen, wo die jeweilige Kennzahl im Vergleich der beiden Zeiträume besonders stark zugenommen hat." Die größte Zunahme im Bundeslandmittel verzeichnet demnach Berlin mit +9,2 heißen Tagen pro Jahr. In Schleswig-Holstein sind es nur +2,4. Niedersachsen steht dabei in der Mitte: Dort sind es +5,6 heiße Tage.
Neben den Hitzetagen hat der Betreiber unter anderem auch Messdaten zur Durchschnittstemperatur der Sommer oder zur Entwicklung der Anzahl der Sommertage ausgewertet. Demnach gibt es für fast alle Orte der Region inzwischen 19 bis 20 Sommertage mehr als im Vergleichszeitraum vor 50 Jahren. Dabei gelten Tage mit einer Temperatur über 25 Grad als Sommertage.

