Gifhorn. Wie kann die Wärmeversorgung im Quartier Alter Postweg / Bildungscampus künftig wirtschaftlich, effizient und zukunftsfähig gestaltet werden? Dieser Frage gehen die Stadtwerke Gifhorn gemeinsam mit der Stadt Gifhorn, dem Landkreis Gifhorn, der Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG (GWG) und der Gemeinnützigen Bildungs- und Kultur GmbH des Landkreises Gifhorn nun konkret nach. Die fünf Projektpartner haben sich zusammengeschlossen, um eine Voruntersuchung zur Wärmenetzeignung des Quartiers durchführen zu lassen. Das berichten Stadt und Stadtwerke Gifhorn in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Zum gemeinsamen Projektstart kamen am Dienstag Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Institutionen im Haus der Wirtschaft zusammen. Mit dabei waren Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich, Stadtbaurat Oliver Bley, Ute Spieler für den Landkreis Gifhorn, Britta Sytnik für die Gemeinnützige Bildungs- und Kultur GmbH, Andreas Otto von der Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft sowie die Geschäftsführer der Stadtwerke Gifhorn, Olaf Koschnitzki und Johannes-Jürgen Laub.
Vom Wärmeplan zum konkreten Quartier
Die Voruntersuchung knüpft an die kommunale Wärmeplanung der Stadt Gifhorn an. Mit ihr wurde für das gesamte Stadtgebiet untersucht, wie sich die Wärmeversorgung langfristig klimafreundlich, wirtschaftlich tragfähig und versorgungssicher entwickeln kann. Neben dem aktuellen Wärmebedarf und der bestehenden Versorgungsstruktur wurden dabei unter anderem Einspar- und Dekarbonisierungspotenziale sowie Möglichkeiten für erneuerbare Energien und zukünftige Wärmenetze betrachtet.
Die kommunale Wärmeplanung ist ein wichtiges strategisches Planungsinstrument. Sie zeigt auf, welche Gebiete grundsätzlich für unterschiedliche Formen der zukünftigen Wärmeversorgung infrage kommen können. Ob ein Wärmenetz an einem konkreten Standort technisch und wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden kann, muss anschließend detaillierter untersucht werden. Genau hier setzt das gemeinsame Projekt für den Bereich Quartier Alter Postweg / Bildungscampus an.
Einzelthemen unter der Lupe
„Auf Basis der Ende Juni verabschiedeten kommunalen Wärmeplanung nehmen wir jetzt Stück für Stück die Einzelthemen unter die Lupe. Dass für den Fokusbereich Bildungscampus dabei Stadt, Landkreis, Stadtwerke, Wohnungswirtschaft und Bildungseinrichtungen gemeinsam an einem Tisch sitzen, ist ein starkes Signal. Denn die Wärmewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur gelingen kann, wenn wir vorhandene Potenziale gemeinsam betrachten“, sagt Matthias Nerlich, Bürgermeister der Stadt Gifhorn.
Mit der Voruntersuchung wurde die EKP Energie Klima Plan GmbH beauftragt, die bereits an der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Gifhorn beteiligt war. Im Mittelpunkt steht ausdrücklich noch keine Entscheidung für den Bau eines Wärmenetzes. Vielmehr soll zunächst belastbar untersucht werden, welche Form der zukünftigen Wärmeversorgung für das Quartier technisch und wirtschaftlich sinnvoll sein könnte.
Mehrere Varianten entwickelt
Dafür werden mehrere Varianten entwickelt und miteinander verglichen. Betrachtet werden zwei unterschiedliche Wärmenetzvarianten, eine Einzelversorgung der Gebäude sowie der Weiterbetrieb bestehender Anlagen. Für die verschiedenen Möglichkeiten erfolgt zudem eine Wirtschaftlichkeitsabschätzung über einen Zeitraum von 20 Jahren. Damit soll ein möglichst umfassendes Bild entstehen: Welche technischen Voraussetzungen bestehen vor Ort? Welche Lösung lässt sich langfristig wirtschaftlich darstellen? Welche Infrastruktur wäre erforderlich? Und unter welchen Bedingungen könnte ein gemeinsames Wärmenetz gegenüber dezentralen Lösungen Vorteile bieten?
„Wir wollen an dieser Stelle bewusst ergebnisoffen vorgehen“, betont Olaf Koschnitzki, Geschäftsführer der Stadtwerke Gifhorn GmbH. „Ein Wärmenetz ist nicht automatisch für jedes Quartier die beste Lösung. Deshalb schaffen wir zunächst eine belastbare Datengrundlage und vergleichen unterschiedliche Varianten miteinander. Erst wenn wir wissen, was technisch machbar und langfristig wirtschaftlich sinnvoll ist, können die beteiligten Partner gemeinsam über die nächsten Schritte entscheiden.“
Fünf Partner tragen die Untersuchung
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist die enge Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen. Die Kosten der Voruntersuchung werden von den fünf Projektpartnern – Stadt Gifhorn, Landkreis Gifhorn, Stadtwerke Gifhorn GmbH, Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG und Gemeinnützige Bildungs- und Kultur GmbH – zu gleichen Teilen getragen. „Für uns muss die Wärmewende vor allem eines sein: wirtschaftlich, verlässlich und für unsere Mitglieder bezahlbar. Deshalb brauchen wir Technologieoffenheit und belastbare Zahlen statt vorschneller Festlegungen“, betont Andreas Otto, Geschäftsführer der Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG (GWG).
Durch die gemeinsame Betrachtung können unterschiedliche Gebäude, Nutzungsarten und Wärmebedarfe innerhalb des Quartiers Alter Postweg / Bildungscampus in die Untersuchung einbezogen werden. Gerade diese räumliche Nähe verschiedener Einrichtungen und Immobilien macht eine über einzelne Gebäude hinausgehende Betrachtung interessant.
Für die Stadtwerke Gifhorn ist die Untersuchung zugleich ein Beispiel dafür, welche Rolle lokale Akteure bei der Umsetzung der Wärmewende übernehmen können. „Als Stadtwerke möchten wir die Wärmewende vor Ort nicht nur begleiten, sondern gemeinsam mit unseren Partnern konkrete Lösungen entwickeln“, so Johannes-Jürgen Laub. „Dabei geht es nicht darum, heute schon ein bestimmtes Ergebnis vorwegzunehmen. Entscheidend ist, dass wir gemeinsam prüfen, welche Lösung für dieses Quartier langfristig tragfähig ist.“
Grundlage für die nächsten Entscheidungen
Die Ergebnisse der Voruntersuchung werden allen Projektpartnern gemeinschaftlich zur Verfügung stehen. Auf ihrer Grundlage soll anschließend entschieden werden, ob und in welcher Form das Projekt weiterverfolgt wird. Ein möglicher nächster Schritt wäre eine vertiefende Machbarkeitsstudie. Erst diese würde die Voraussetzungen für eine mögliche spätere Umsetzung weiter konkretisieren. Eine Entscheidung über den Bau eines Wärmenetzes ist mit der jetzt gestarteten Voruntersuchung ausdrücklich noch nicht verbunden.
Damit übersetzt das Projekt die kommunale Wärmeplanung ein Stück weit von der gesamtstädtischen Strategie in die konkrete Praxis: Ein identifiziertes Gebiet wird detaillierter betrachtet, verschiedene Lösungen werden miteinander verglichen und die beteiligten Akteure schaffen gemeinsam die Grundlage für weitere Investitionsentscheidungen.

