Goslar. Die Volksbank Nordharz eG stellte auf ihrer Vertreterversammlung im Hotel der Achtermann vor rund 200 Vertretern, zahlreichen Gästen und Mitarbeitern die Ergebnisse für das Jahr 2015 vor. „Die aktuellen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank führen nach unseren Einschätzungen zu einem langanhaltenden Niedrigzinsniveau und stellen die gesamte Finanzbranche vor - in dieser Form noch nie dagewesenen - Herausforderungen! Unser Ziel muss sein, trotzdem akzeptable betriebswirtschaftliche Ergebnisse zu erreichen und Minuszinsen für unsere Kunden zu vermeiden. In 2015 ist uns das gelungen.“ Mit diesen Worten eröffnete Hans-Dieter Reichelt, Vorstand der Volksbank Nordharz eG, seine Ansprache an die über 300 Gäste im Hotel der Achtermann.
Das Geschäftsjahr der Volksbank Nordharz eG
Die Bilanzsummenentwicklung der Volksbank Nordharz eG war im Jahr 2015 geprägt durch den Abbau von Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Einerseits konnten nicht mehr benötigte Refinanzierungsmittel zurückgegeben werden, andererseits konnte die freie Liquidität das Kundenkreditgeschäft steigern. Die Bilanzsumme reduzierte sich hierdurch um 3,8 Mio. Euro oder 1,1 Prozent auf 345,5 Mio. Euro.
Kreditgeschäft
Die Nachfrage im Kundenkreditgeschäft wurde im Jahr 2015 – wie bereits in den Vorjahren – von der vergleichsweise schwächeren Wirtschaftslage in unserem Wirtschaftsraum beeinflusst. Die bilanziellen Kundenforderungen sind entgegen dieser Entwicklung seit dem letzten Jahr um 2,5 Mio. Euro oder 1,8 Prozent gestiegen und betragen 42 Prozent der Bilanzsumme.
Einlagengeschäft
Die Kundeneinlagen der Volksbank Nordharz eG erhöhten sich um 1,3 Mio. Euro oder 0,5 Prozent auf 273,3 Mio. Euro.
Ähnlich wie in den Vorjahren, haben die Kunden besonders auf kurzfristig ausgerichtete Anlageformen vertraut. Eine Entwicklung, die auf die Niedrigzinsen zurückzuführen ist. Die täglich fälligen Einlagen nahmen um 10,4 Mio. Euro oder 8,8 Prozent auf 128,4 Mio. Euro zu. Die Gesamtsumme der befristeten Einlagen stieg um 3,4 Mio. Euro oder 2,3 Prozent auf 151,2 Mio. Euro. Veränderungen gab es auch bei den Spareinlagen. Hier verzeichnete die Bank ein Minus von 2,1 Mio. Euro oder 1,8 Prozent auf 118,3 Mio. Euro.

Eigenmittel/Solvabilität
Angemessene Eigenmittel, auch als Bezugsgröße für eine Reihe von Aufsichtsnormen, bilden neben einer stets ausreichenden Liquidität die unverzichtbare Grundlage einer soliden Geschäftspolitik. Ohne hinreichende Eigenmittel wäre die Bank nicht handlungsfähig. Ein wichtiger Bestandteil der Eigenmittel bilden die Mitgliedsanteile der Kunden. Im Geschäftsjahr 2015 hat die Bank 362 neue Mitglieder hinzugewonnen. Die vorgegebenen gesetzlichen Anforderungen für das Eigenkapital wurden von der Volksbank Nordharz eG im Geschäftsjahr 2015 eingehalten. Die Bank verfügt zum 31.12.2015 über Eigenmittel von rund 42 Mio. Euro. Mit diesem Anstieg ist die Volksbank Nordharz eG für die verschärften Anforderungen an die Eigenkapitalstrukturen der Banken gut gerüstet. Weiterhin wird sie den Fonds für allgemeine Bankrisiken um fast 6,8 Prozent, auf über 10,1 Mio. Euro aufstocken.
Ertragslage
Bedingt durch die aktuelle Zinssituation haben sich die absoluten Zinserträge und -aufwendungen reduziert. Dies bezieht sich sowohl auf die Erträge bei Kundendarlehen als auch bei den festverzinslichen Wertpapieranlagen. Der Zinsüberschuss belief sich im Ergebnis auf 8,4 Mio. Euro, ein Minus von 4,1 Prozent. Der Provisionsüberschuss, als zweitgrößte Ertragsquelle der Bank, konnte leicht gesteigert werden und erhöhte sich um 2,2 Prozent auf 3,3 Mio. Euro.
Die Allgemeinen Verwaltungsaufwendungen konnten trotz tariflicher Steigerungen und erhöhter regulatorischer Anforderungen um 21.000 Euro gesenkt werden. Positiv wirkten sich hierbei geringere Aufwendungen für die Instandhaltung von Grundstücken und Gebäuden sowie niedrigere Energiekosten aus. Nach Verrechnung der Aufwendungen und Erträge aus der Bewertung von Krediten, Geld- und Kapitalmarktanlagen, des außerordentlichen Ergebnisses und der gewinnabhängigen Steuern sowie der Zuführung zu den Fonds für allgemeine Bankrisiken gemäß § 340g HGB, verbleibt ein Jahresüberschuss von rund 512.000 Euro.
Vorschlag zur Ergebnisverwendung
Aus dem Jahresüberschuss 2015 werden 300.000 EUR in die Rücklagen eingestellt. 60.000 Euro fließen in die gesetzliche Rücklage und 240.000 EUR in andere Ergebnisrücklagen. Der Vorstand schlägt im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat den Mitgliedern eine Dividende von 4,2 Prozent vor.
Fazit
Die Volksbank Nordharz eG hat in einem herausfordernden Umfeld, geprägt durch ein politisches Niedrigzinsniveau, einem intensiven Wettbewerb, erhebliche regulatorische Belastungen und nur verhaltenen Wachstumsimpulsen in der Region, ihre Marktposition weiter ausgebaut. Die Bank ist mit ihren insgesamt rund 25.200 Kunden und 14.600 Mitgliedern ein starker Partner für die regionale Wirtschaft und die Privathaushalte. Im Kundengeschäft konnte sie im Jahr 2015 Zuwächse generieren.

Handlungsfelder 2016
Die Erträge der Bank sinken angesichts der für die Bank entstehenden Minuszinsen durch die Geldpolitik der EZB. Letztlich wird dadurch die Einhaltung der Eigenkapitalanforderungen erschwert, gleichzeitig steigen die Kosten der Bank durch die zunehmenden Regulierungsanforderungen, und die Digitalisierung der Finanzbranche erfordert Investitionen. Das erfolgreiche Genossenschaftsbankenmodell wird so zu Strukturreformen getrieben. Dank des Vertrauens ihrer Kunden in das genossenschaftliche Geschäftsmodell und in die Beratungsleistung der Mitarbeiter, konnte die Volksbank Nordharz eG im Jahr 2015 ein zufriedenstellendes Ergebnis erwirtschaften. Damit dies auch weiterhin realisiert werden kann, steht für die Zukunft die kontinuierliche Weiterentwicklung des operativen Geschäfts mit qualitativ guter und persönlicher Beratung an zentralen Standorten und bei gleichzeitigem Ausbau des Online-Bankings im Vordergrund. Zudem wird die Bank ihre online-abschlussfähigen Produkte und Services ausbauen. Den steigenden regulierungsbedingten Aufwendungen wird weiterhin ein striktes Kostenmanagement und Effizienzsteigerungen entgegengestellt.

