Leiche von Karsten M. im See versenkt: Verquere Theorie oder echter Hinweis?

Im Internet kursiert eine Theorie, nach der die Leiche des 51-Jährigen in einem See versenkt worden sein könnte.

von Anke Donner


(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Werner Heise

Liebenburg. Der Fall Karsten Manczak bleibt rätselhaft. Seit vier Monaten fehlt von dem 51-Jährigen jede Spur. Inzwischen nehmen Polizei und Staatsanwaltschaft an, dass Karsten Manczak nicht mehr am Leben ist. Ein Verdächtiger sitzt in U-Haft und schweigt, die Leiche des Opfers bleibt verschwunden. Nun taucht eine Theorie auf, wie der Leichnam beseitigt worden sein kann. Doch wie wahrscheinlich ist diese Theorie und geht die Polizei solchen Hinweisen nach?


Ein Mann, der sich selbst Klaus Fejsa - Fallanalytik und Lösungen - nennt, verbreitet seine Theorie, wie der Mörder die Leiche von Karsten Manczak verschwinden lassen haben könnte, im Internet und unterbreitet sie auch der Presse. Demnach sollen die von der Polizei gesuchten und mit der Tat in Zusammenhang stehenden Gegenstände, wie Rasengitterplatten, Baustahlmatten, Bauzaunelemente und Betonfüße, nicht für die Erstellung einer "Fake-Baustelle" vom Verdächtigen gekauft worden sein, sondern um damit eine Art Floß zu bauen, mit dem die Leiche in einem See versenkt worden ist.

Im Detail schildert es der Hinweisgeber so, dass die Leiche zwischen die beiden Bauzaunelementegelegt wurde. Zwischen die zwei Bauzaunelemente kommen je vier Matratzen. Daraus würde sich ein Einzelfloß ergeben, welches eine Person noch gut hantieren könne. Am Wasser fügt man zwei solcher Lagen übereinander und bindet sie mit Draht zusammen, so dass das Floss dann aus zwei Lagen besteht. Die restlichen Zaunelemente könnten dann verwendet werden um die Plattform des Floßes zu verstärken. Das ganze Konstrukt sei dann auf einen See hinausgetrieben und dort versenkt worden, indem die Luft aus der Matratze gelassen wurde. "Suchen Sie mit dem Sonarboot, fangen Sie bei den Koldinger Teichen an, ganz nur wenige Kilometer vom Abstellort des VW Caddy entfernt. Erklärung: Wahrscheinlich hat der Täter die Leiche zuerst nur provisorisch entsorgt, kam dann aber mit einem besseren Plan zurück", schreibt der Mann, der sich im Internet "DAS Universalgenie" nennt. Als weitere Möglichkeit, die Leiche so versenkt zu haben, könnten auch Stauseen in der Umgebung von Liebenburg in Betracht kommen.

Alles nur verquere Theorie?


Ist alles nur verquere Theorie eines Hobby-Ermittlers oder könnte tatsächlich etwas dran sein? Seit Monaten sucht die Mordkommission "Fortuna" nach Hinweisen und der Leiche des verschwundenen Karsten Manczak. Doch geht die Polizei auch solchen Hinweisen nach? Ja, sagt Kriminalhauptkommissar Markus Lüdke von der Goslarer Polizei auf Nachfrage von regionalHeute.de. Klaus Fejsa sei als „Theoriengeber“ hinlänglich bekannt, welches eine Prüfung jedes seiner Hinweise jedoch nicht ausschließe, sagt Lüdke.

Der Polizei liege die Theorie des Herrn Fejsa ebenfalls vor. "Wir prüfen in jeder Ermittlungsgruppe, Sonder- beziehungsweise Mordkommission, jeden Hinweis gründlich auf Plausibilität und Nachvollziehbarkeit. Hierbei wird ein Abgleich mit dem derzeitigen Ermittlungsstand vorgenommen. Bei Veröffentlichungen in Presse und Social Media gehen wir hin und wieder auch Hinweise ein, die auf den ersten Blick etwas „sonderbar“ klingen. Auch diese Meldungen nehmen wir ernst. Beim Abgleich mit dem Ermittlungsstand ergeben sich in solchen Fällen allerdings zumeist recht schnell Ausschlusskriterien, die gegen eine Weiterverfolgung derartiger 'Spuren' sprechen."

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Konkret für diesen Fall würden solche Ausschlusskriterien vorliegen, so dass diesem Hinweis nicht weiter nachgegangen werde. Welche das sind, könne man aufgrund des laufenden Verfahrens nicht im Einzelnen sagen. Es stünden aber Angaben des Hinweisgebers in Widerspruch zu den zeitlichen Abläufen des objektiv nachweisbaren Nachtatverhaltens, so Markus Lüdke.

Der Fall Manczak bleibt also auch nach vier Monaten mysteriös. Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Polizei nun durch die Ausstrahlung des Falles bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" am kommenden Mittwoch.


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