„Mittelalter-Gouda“ und große Gefühle: Johannes Oerding begeistert Bad Harzburg

Johannes Oerding übernimmt die Bühne an der Rennbahn und begeistert 10.000 Fans.

von Stefan Stümpel


Johannes Oerding begeisterte das Publikum an der Rennbahn.
Johannes Oerding begeisterte das Publikum an der Rennbahn. | Foto: @fotobully

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Bad Harzburg. Sieben Stunden sollte das Konzert dauern – zumindest, wenn es nach Johannes Oerdings augenzwinkernder Ankündigung zu Beginn gegangen wäre. Ganz so lange wurde es am Freitagabend beim Yellow Jockey dann doch nicht. Dafür schaffte es Oerding, die Galopprennbahn mit mehr als 10.000 Besuchern über weite Strecken wie einen erstaunlich persönlichen Ort wirken zu lassen. Es wurde gesungen, gelacht und auch ein wenig rebelliert.



Nach dem Rock’n’Roll-Auftakt mit Dick Brave am Donnerstag stand der zweite Abend des Yellow Jockey musikalisch unter anderen Vorzeichen. Bevor Johannes Oerding die Bühne übernahm, eröffnete Ian Hooper, Frontmann der Mighty Oaks, den Konzertabend.

Johannes Oerding begeistert 10.000 Fans


Dann gehörte die Rennbahn Oerding und seiner Band. Vor ihnen mehr als 10.000 Menschen, dahinter Harz und Abendhimmel – eine Kulisse wie gemacht für einen sommerlichen Open-Air-Abend.

„Ich habe ja auch einen Bildungsauftrag“


Oerding beschränkte sich dabei nicht darauf, einen Song an den nächsten zu hängen. Immer wieder suchte er das Gespräch mit den Menschen vor der Bühne – und lieferte dabei reichlich Stoff zum Schmunzeln. „Ich habe ja auch einen Bildungsauftrag“, erklärte er einmal. „Ich schreibe Songs, damit ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich.“

Johannes Oerding suchte in Bad Harzburg immer wieder das Gespräch mit dem Publikum.
Johannes Oerding suchte in Bad Harzburg immer wieder das Gespräch mit dem Publikum. Foto: @fotobully



Überhaupt nahm Oerding sich selbst nicht allzu ernst. Auch das Älterwerden wurde zum Thema. Früher habe es Shows gegeben, bei denen man keine Stühle gebraucht habe. Mittlerweile sehe das etwas anders aus. Und ein Blick ins Publikum zeigte Oerding offenbar, dass er mit diesem Problem nicht allein war. Dort seien schließlich einige Menschen mit „sehr viel Lebenserfahrung“ unterwegs. Sein Blick in die ersten Reihen fiel noch drastischer aus: „Steinalt hier vorne.“ Die Altersbestimmung steigerte sich schließlich bis zum „Mittelalter-Gouda“. Spätestens da war klar: Wer bei Oerding zwischen zwei Liedern nicht genau zuhört, verpasst einen beträchtlichen Teil der Show.


Partnersuche mit Hochzeitsgarantie


Auch um das Liebesleben seiner Zuschauer wollte sich der Sänger kümmern. Oerding fragte nach den Singles im Publikum und gab ihnen gleich ein außergewöhnliches Versprechen mit auf den Weg: Sollten sich zwei von ihnen an diesem Abend kennenlernen und später heiraten, werde er auf ihrer Hochzeit spielen. Ob Bad Harzburg tatsächlich eine zukünftige Ehe hervorgebracht hat, dürfte sich erst noch zeigen.

10.000 Fans hatten einen unterhaltsamen Abend beim Johannes-Oerding-Konzert in Bad Harzburg.
10.000 Fans hatten einen unterhaltsamen Abend beim Johannes-Oerding-Konzert in Bad Harzburg. Foto: @fotobully



Eine Besucherin hatte jedenfalls ein anderes Anliegen. Auf ihrem Schild stand: „Johannes, ich will kein Kind von dir. Ich will nur ein Autogramm.“ Oerding ließ die Vorlage nicht liegen. Das Autogramm könne sie nachher bekommen – „wenn du sieben Stunden warten kannst“. Damit griff er seine eigene Ankündigung vom Beginn des Konzerts wieder auf. Auch die erste Hälfte der Botschaft blieb nicht unkommentiert: „Oh, das sehen viele Menschen anders.“

Es waren diese kleinen spontanen Dialoge, die immer wieder die Distanz zwischen großer Bühne und Publikum verschwinden ließen.

Wenn das Publikum einfach weitersingt


Dass die Menschen vor der Bühne nicht nur zuhören wollten, zeigte sich besonders bei „100 Leben“. Eigentlich war der Moment musikalisch bereits vorbei – das Publikum sah das offenbar anders und sang einfach weiter. Oerding hörte zu. „Ah, Rebellion“, stellte er fest.

Und statt die ungeplante Verlängerung abzuwürgen, ließ er sich darauf ein und machte weiter. Für einen Augenblick bestimmte nicht der Ablauf auf der Bühne, sondern das Publikum, wann ein Song tatsächlich zu Ende war.

Genau solche Momente passten zu einem Abend, an dem die Verbindung zwischen Künstler und Zuschauern wichtiger wirkte als eine perfekt durchgetaktete Show.

Ein Sommerabend zwischen Harz und großer Bühne


Mit zunehmender Dunkelheit veränderte sich auch das Bild auf der Rennbahn. Das Tageslicht über dem Harz wich einer immer dominanter werdenden Lichtshow. Scheinwerfer schnitten durch den Bühnennebel, während sich davor mehr als 10.000 Besucher versammelt hatten.

Oerding wechselte dabei zwischen den großen Momenten mit kompletter Band und ruhigeren Passagen. Mal stand der Sänger allein im Mittelpunkt, mal überließ er seinen Musikern Raum. Die Show lebte nicht nur von ihm, sondern ebenso vom Zusammenspiel auf der Bühne.
Vor allem aber lebte sie von der Verbindung nach vorne.

Denn zwischen all den Liedern und großen Bildern blieb genügend Platz für spontane Reaktionen, Selbstironie und ein Publikum, das sich bereitwillig darauf einließ – und notfalls eben einfach weitersang.

Sieben Stunden Musik wurden es am Ende nicht. Aber vielleicht war das auch ganz gut so. Schließlich musste der eine oder andere „Mittelalter-Gouda“ irgendwann noch nach Hause.

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