Helmstedt. Am vergangenen Samstag hatte der Landkreis Helmstedt zu einem Festakt in die Aula des Juleums und anschließend zum Empfang in ein Festzelt auf dem Collegienplatz geladen. Anlass war die Gründung der Universität Helmstedt vor 450 Jahren. Mehr als 200 Gäste waren der Einladung gefolgt. Darüber berichtet der Landkreis Helmstedt in einer Pressemitteilung.
In seiner Begrüßung erinnerte Landrat Gerhard Radeck die Festgesellschaft an die für die ganze Region identitätsstiftende Geschichte der Universität Helmstedt. Auch sprach er die besondere Verantwortung des Landkreises und die damit verbundenen Herausforderungen an, die aus der akademischen Tradition des Ortes erwuchsen. Dabei betonte er, dass die Feierlichkeiten zum Universitätsjubiläum, die sich bereits durch das ganze Jahr ziehen, nicht als bloße Erinnerung an eine Verlustgeschichte zu verstehen sind, sondern der Landkreis ganz bewusst sein historisches Erbe in den Blick nimmt, um daraus Perspektiven für Gegenwart und Zukunft zu gewinnen.
Freiheit von Forschung und Lehre
Anschließend richtete der Minister für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, Falko Mohrs, ein Grußwort an die Gäste. Er verband den Gruß der Landesregierung mit mahnenden Worten: Gerade in einer Zeit, in der Wissenschaftsfreiheit in Bedrängnis gerät und die wissenschaftliche Wahrheitssuche in Frage gestellt wird, sei es umso wichtiger, sich klar zur Freiheit von Forschung und Lehre zu bekennen und diese gegebenenfalls auch aktiv zu schützen.
Im Anschluss hielt Bundestagspräsident a. D. Prof. Dr. Norbert Lammert einen Festvortrag über „Wahrheit und Freiheit – zum Verhältnis von Politik und Wissenschaft“. Die Geschichte der Universität Helmstedt lehre viel über den langen und oft auch steinigen Weg von der Fürstenuniversität des 16. Jahrhunderts bis zur modernen Wissenschaftsfreiheit, ohne die demokratische Gesellschaften nicht denkbar seien. Der Festvortrag knüpfte hieran an und fragte nach der nicht immer spannungsfreien Beziehung zwischen Wissenschaft und Politik.
Erkenntnisse immer vorläufig
Politik sei kein Verfahren zur Ermittlung oder Vermittlung von Wahrheiten, sondern zum Ausgleich von Interessen, so Norbert Lammert. Auch die Wissenschaft verwalte nicht ewige Wahrheiten, sondern den systematischen Zweifel an ihnen, in der Suche nach Erkenntnissen, die immer vorläufig blieben. Das demokratische Mittel der Mehrheitsfindung sei eine Festlegung, was gelte. Das müsse aber nicht richtig sein.
Grundvoraussetzung dieses Instruments sei, dass es keinen Wahrheitsanspruch beinhalte, schon gar nicht als Legitimation für politische Macht. Diese fundamentale Einsicht gegen manche Denkfaulheit, Manipulationsversuche und Propaganda als eine unaufgebbare Errungenschaft unserer Zivilisation zu vertreten, sei die große Aufgabe der Wissenschaft in einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft.
Empfang im Festzelt
Das Publikum in der fast voll besetzten Aula der ehemaligen Universität applaudierte kräftig für einen nachdenklichen und hochaktuellen Vortrag, der auch beim Empfang im Festzelt auf dem Collegienplatz weiter angeregt diskutiert wurde.
Das Ensemble BraunschweigBAROCK setzte den musikalischen Rahmen des Festaktes mit Kompositionen aus drei Jahrhunderten der Helmstedter Universitätsgeschichte. Henning Bundies (Violoncello), Ulla Bundies (Violine) und Bernward Lohr (Cembalo) brachten hierfür historische Kompositionen aus dem nahen Umfeld der Universität Helmstedt zu Gehör, die seit langer Zeit nicht mehr erklungen waren.




