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Jubiläum in der Pandemie: Wie der TSV Jerxheim trotzdem seinen Geburtstag feiert



Jubiläum in der Pandemie: Wie ein Verein trotzdem seinen Geburtstag feiert

Zwei Jahre Planung wurden durch Corona über den Haufen geworfen. Trotzdem wollte der TSV Jerxheim seinen 75. Geburtstag begehen. Der Vorstand musste kreativ werden.

von Niklas Eppert


So sah der TSV Jerxheim in den 1970ern aus. Die Mannschaft wurde 1973 zur Sportplatzeinweihung abgelichtet.
So sah der TSV Jerxheim in den 1970ern aus. Die Mannschaft wurde 1973 zur Sportplatzeinweihung abgelichtet. Foto: privat

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Jerxheim. Jahrelang hatte der Vorstand des TSV Jerxheim für sein Jubiläumsjahr 2021 geplant. Eine Feierstunde sollte es gebe, Sportevents und Veranstaltungen waren geplant. Dann kam Corona und die Planungen fielen ins Wasser. Trotzdem hat der Verein sich nicht unterkriegen lassen. Gefeiert werden soll trotz allem, pandemiekonform natürlich. regionalHeute.de hat mit dem Vorstand des TSV Jerxheim über ein bewegtes Jubiläumsjahr, Zukunftsperspektiven und Chancen in der Krise gesprochen.



Seit zwei Jahren liefen die Planungen für das Jubiläumsjahr 2021, so Philipp Ralphs, Vorsitzender des TSV Jerxheim. Damals war man davon ausgegangen am Gründungstag eine Feierstunde zu veranstalten, mit anschließendem "gemütlichen Beisammensein", wie es bei den meisten Vereinen so schön heißt. 2021 sollte ein Jahr werden, in dem Jerxheim ganz im Zeichen seines Sportvereins steht - Feste waren geplant, Sportveranstaltungen und andere Events, nicht bloß für den Verein. Das ganze Dorf sollte Zugang haben. Dann kam Corona. Und die Planungen wurden hinfällig.

Dennoch, erzählt der zweite Vorsitzende Michael Kahmann, wollte man das Jubiläum nicht ganz ausfallen lassen. Am Sonntag der vergangenen Woche etwa hat der Verein seine Jubiläumssitzung abgehalten, am Tag genau 75 Jahre nach seiner Gründung am 14. März 1946. Auf der Plattform Zoom, ganz coronakonform. Und die Mitglieder folgten dem Aufruf: 64 Accounts hatten sich eingewählt, etwas mehr als 100 Vereinsmitglieder waren demnach anwesend. Zudem hatten sich prominente Gäste eingefunden: Innenminister Boris Pistorius hielt ein Grußwort, ebenso wie die Landtagsabgeordneten Jörn Domeier (SPD) und Veronika Koch (CDU).

Not macht erfinderisch


Auch wenn die ursprünglich geplanten Veranstaltungen hätten ausfallen müssen, habe der Verein unbedingt Bewegung ins Pandemiejahr bringen wollen. Letztlich bestehe die Gefahr, die man auch bei anderen Vereinen wahrgenommen habe, dass der Betrieb in der Pandemie einschlafe. Um das zu verhindern habe Michael Kahmann sich auf die Suche nach der Vereinsgeschichte gemacht: Mit Zeitzeugen habe er die letzten 75 Jahre und die Zeit davor rekonstruiert, Artefakte aus der Vereinsgeschichte ausfindig gemacht und daraus eine Ausstellung geplant, die für die Dorfbewohner frei zugänglich sein soll. Sie soll anhand von 75 Exponaten 75 Jahre Vereinsgeschichte zeigen, coronakonform auf 40 Quadratmetern.

Überhaupt steht für den TSV Jerxheim in diesem Jahr alles unter der Zahl 75: Die Mitglieder sind aufgerufen 75 Sportabzeichen für den Verein zu machen, 75 Kilometer sollen Gruppen im Verein erlaufen, mit dem Rad fahren oder sogar reiten. Es geht darum, sagen die Vorstandsmitglieder, den Verein wach zu halten. Corona dürfe nicht dazu führen, dass das Vereinsleben einschlafe. Im nächsten Jahr, wenn die Pandemie dann hoffentlich vorbei ist, sollen die eigentlich geplanten Veranstaltungen nachgeholt werden. Es soll gefeiert werden, im eigentlichen Wortsinn, ohne Zoom und Angst vor Ansteckungen.

Die Mitglieder im Verein halten


Trotz Pandemie sei aktuell Bewegung im Verein. Von Austrittswellen, mit denen andere zu kämpfen haben, spürt der TSV Jerxheim aktuell noch nichts. Im Gegenteil nehme man eine gewisse Sehnsucht zur Rückkehr ins Vereinsleben wahr. Seit diesem Jahr wird das Vereinsheim renoviert, ausschließlich von Vereinsmitgliedern. Die Resonanz auf einen Freiwilligenaufruf sei groß gewesen, berichtet Regina Kramp, die für die Neugestaltung verantwortlich ist.

Im Laufe des vergangenen Jahres habe man sich mit der langjährigen Wirtin des Vereinsheims darauf geeinigt den Pachtvertrag auslaufen zu lassen. Sie sei ohnehin nah an der Rente, Umsätze fielen dank Corona aus. Diese Chance habe der Verein nutzen wollen. Nun werde das Lokal in einen modernen Zustand gebracht. Und das Interesse scheint groß: Immer wieder, berichtet Kramp, würden Jerxheimer durch die Fenster schauen, fragten nach, was denn passiere und wann der Stammtisch sich endlich wieder treffen könne. Sobald die Kneipe fertig ist und die Pandemielage es zulasse, solle dann auch geöffnet werden. Dann, hoffentlich wieder bei geselligem Beisammensein.


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