Königslutter. Im Landschaftsschutzgebiet „Dorm“, Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000, wird ein naturschutzfachlich bedeutender Teich ökologisch aufgewertet. Zur Vorbereitung sollen ab Oktober 2026 zunächst einzelne Bäume entfernt werden. Das berichtet der Landkreis Helmstedt in einer Pressemeldung.
Im Herbst 2027 ist anschließend eine Entschlammung des Gewässers vorgesehen. Ziel der Maßnahme ist es, die ökologischen Bedingungen des Gewässers zu verbessern und damit einen besonderen Lebensraum für Pflanzen und Tiere langfristig zu erhalten.
Armleuchteralgen und Kammmolch
Zu den besonderen Schutzgütern im Dorm gehören neben verschiedenen Waldlebensräumen auch ein kalkreiches Stillgewässer mit Armleuchteralgen sowie die Tierarten Kammmolch, Hirschkäfer und verschiedene Fledermausarten. Das Gebiet befindet sich im Besitz des Landes und wird durch die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) betreut.
Vom Ton-Abbau zum Stillgewässer
Der bei der Bevölkerung zur Naherholung beliebte Teich entstand aus einer ehemaligen Tongrube aus dem frühen 20. Jahrhundert. Nach Aufgabe der Nutzung entwickelte sich dort ein naturnahes, kalkreiches Stillgewässer. Der Lebensraum sei in Niedersachsen selten und insbesondere wegen seiner charakteristischen Armleuchteralgenvegetation für den Naturschutz von Bedeutung.
Mittlerweile habe sich der Zustand des Gewässers verschlechtert. Durch herabfallendes Laub der umliegenden Bäume gelangten zusätzliche Nährstoffe ins Wasser. Es bildet sich eine wachsende Schlammschicht am Grund und es riecht faulig. Dies beeinträchtige die ökologischen Funktionen des Teichs und verschlechterte die Bedingungen für die Armleuchteralgen – seit einigen Jahren sind sie hier verschwunden. Das soll sich nun ändern.
Maßnahmen zur Gewässerinstandsetzung
Die Beschattung des Gewässers soll durch Gehölzentnahme, vor allem am Südufer, reduziert werden. Außerdem werden ausgewählte Bäume mit stark überhängendem Laubwerk entfernt um den Eintrag von Biomasse zu reduzieren. Zu entnehmende Bäume wurden gemeinsam von den Niedersächsischen Landesforsten und der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises ausgewählt und markiert. Besonders schützenswerte ältere Bäume sowie wertvolle Strukturen werden dabei berücksichtigt. Ein Teil der Gehölze verbleibt im umliegenden Bestand und trägt dort zur Totholzentwicklung bei.
Anschließend ist eine Entschlammung des Teichs mit einem Saugboot vorgesehen. Durch Entfernung des organischen Materials wird der mineralische Gewässergrund für die Armleuchteralgen wieder zugänglich und somit Voraussetzungen für deren erneute Entwicklung geschaffen. Auch der gefährdete Kammmolch profitiert von der Maßnahme. Diese Amphibienart benötigt zur Fortpflanzung besonnte, möglichst fischfreie Stillgewässer mit strukturreicher Unterwasservegetation.
Gemeinsames Engagement für den Dorm
Die geplanten Pflegemaßnahmen werden intensiv zwischen den NLF und der UNB abgestimmt. Die Maßnahmen wurden im Rahmen einer Ortsbegehung außerdem der Landesfachbehörde NLWKN, den Kreisgruppen der Naturschutzverbände BUND und NABU, der Ökologischen NABU-Station Aller-Oker (ÖNSA), und auch dem Naturpark Elm-Lappwald vorgestellt und fachlich diskutiert. Alle Beteiligten sahen dabei den naturschutzfachlichen Handlungsbedarf und unterstützen die geplante ökologische Aufwertung des Gewässers.
Vorübergehende Einschränkungen
Die Untere Natuzrschutzbehörde bittet um Verständnis, dass es während der Gehölzarbeiten aus Sicherheitsgründen zu vorübergehenden Sperrungen oder Einschränkungen auf den betroffenen Wegen kommen kann. Erholungssuchende werden darum gebeten, Absperrungen und Hinweise zu beachten und die Arbeitsbereiche nicht zu betreten.

