Region. Wer an einem heißen Sommertag durch die Innenstadt geht, merkt schnell, wie unterschiedlich sich eine Stadt anfühlen kann. Während Parks und begrünte Plätze noch etwas Abkühlung bieten, speichern Asphalt und Hausfassaden die Wärme bis weit in die Nacht. Doch warum wird es an manchen Orten deutlich heißer als nur wenige Straßen weiter?
Antworten liefern moderne Klimakarten, wie sie unter anderem das Unternehmen Khoch3 KlimaKarten erstellt. Dafür werden Satellitendaten, Wetterdaten sowie Informationen über Vegetation und Flächenversiegelung miteinander kombiniert. Die Analysen zeigen heute bis auf einzelne Quartiere, wo sich Hitze besonders stark staut und an welchen Stellen Maßnahmen gegen die zunehmende Hitzebelastung den größten Nutzen versprechen.
Warum Städte immer heißer werden
Städte heizen sich deutlich stärker auf als ihr Umland. Versiegelte Flächen, dichte Bebauung und fehlende Grünflächen führen dazu, dass Straßen und Gebäude tagsüber große Mengen Wärme aufnehmen und nachts nur langsam wieder abgeben. „Aufgrund der Bebauung, versiegelter Flächen, weniger Verdunstung und anthropogenen Wärmequellen heizen sich Städte tagsüber stärker auf als das ländliche Umland“, erklärt Petra Fuchs von der Klima- und Umweltberatung des Deutschen Wetterdienstes. Besonders nachts sei der sogenannte Wärmeinseleffekt deutlich spürbar.
Auch die öffentlich verfügbaren Klimadaten für Städte der Region zeigen dieses Muster. Besonders betroffen sind zum Beispiel in Braunschweig die dicht bebaute Innenstadt sowie größere Industrie- und Gewerbegebiete.
Klimakarten zeigen, wo gehandelt werden muss
Für Janik Wischmeyer, Geschäftsführer von Khoch3 KlimaKarten, liegt der eigentliche Nutzen der Karten nicht allein darin, Hitze-Hotspots sichtbar zu machen. „Was mit diesen Daten dann passiert, ist das Entscheidende.“ Nicht die Analyse selbst sorge für neue Erkenntnisse, sondern die Entscheidungen, die daraus folgen.
„Das eigentliche Aha kommt nicht durch einen neuen Befund auf der Karte, sondern erst dann, wenn aus der Datenmenge eine klare Handlungsantwort wird. Wo fangen wir an, und warum genau dort?“
Dass Kommunen heute über immer genauere Datengrundlagen verfügen, führe deshalb nicht automatisch zu einer schnelleren Umsetzung.
„Allen voran scheitert es an der Finanzierung und an den Ressourcen. Kommunen arbeiten schon jetzt an ihren Kapazitätsgrenzen. Klimaanpassung ist eines von vielen relevanten Themen, die gleichzeitig Aufmerksamkeit, Personal und Budget brauchen.“
So nutzt Braunschweig die Daten
Braunschweig beschäftigt sich bereits seit den 1990er Jahren mit dem Stadtklima. Klimaanalyse- und Planungshinweiskarten fließen regelmäßig in die Bauleitplanung ein. „Die Klimaanalyse- und Planungshinweiskarten sind eine wichtige Grundlage für die räumliche Planung. So können klimatische Belange frühzeitig in Planungsprozesse einbezogen werden“, teilt die Stadt Braunschweig mit.
Nach Angaben der Stadt werden Kaltluftleitbahnen bei Planungen freigehalten. Neue Baugebiete sollen verstärkt nach dem Schwammstadtprinzip entwickelt werden. Regenwasser wird möglichst auf den Flächen gespeichert oder versickert, statt direkt in die Kanalisation zu fließen.
Wie sich das in der Praxis zeigt, lässt sich an der Kannengießerstraße beobachten. Dort entstand auf einer früheren Parkplatzfläche ein Pocketpark mit Grünflächen, Wasserspiel und Trinkbrunnen. Ein weiterer Pocketpark am Bäckerklint ist geplant. Außerdem sollen bis zu 50 zusätzliche Bäume in der Innenstadt gepflanzt werden.
Mit der digitalen Karte „Kühle Orte“ informiert die Stadt zudem über Parks, Grünflächen, Trinkbrunnen und schattige Aufenthaltsorte. Bürgerinnen und Bürger können weitere Orte ergänzen.
Daten allein lösen das Problem nicht
Nach Angaben des Niedersächsischen Umweltministeriums erwärmt sich Europa schneller als der globale Durchschnitt. Besonders stark betroffen sind dicht bebaute Innenstädte, Industrie- und Gewerbegebiete sowie stark versiegelte Verkehrsflächen.
Mit dem Niedersächsischen Klimagesetz wurden Landkreise und kreisfreie Städte verpflichtet, Klimaanpassungskonzepte zu erstellen. Das Land unterstützt Kommunen unter anderem mit Klimadaten, Beratungsangeboten und Förderprogrammen. Als größte Herausforderungen nennt das Ministerium begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen sowie Zielkonflikte zwischen Nachverdichtung und Entsiegelung.
Auch Wischmeyer sieht dort das größte Hindernis. „Die meisten Städte versuchen bereits sehr viel. Was fehlt, ist selten der Wille vor Ort, sondern der politische Rückhalt und die Finanzierung von oben.“
Klimamodelle des Landes gehen davon aus, dass der Großraum Braunschweig künftig häufiger von Hitzetagen betroffen sein wird.
„Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt stark davon ab, welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind, welche Risiken konkret vorliegen, welches Budget realistisch verfügbar ist und ob man kurz oder mittelfristig denkt“, sagt Wischmeyer.

