Jetzt ist es offiziell: Atommüll wird noch länger in der Asse bleiben

Die Planung rund um die Rückholung der Atommüllfässer aus dem Bergwerk geriet zuletzt in die Kritik. Jetzt meldet sich die Bundesgesellschaft für Endlagerung mit schlechten Neuigkeiten.

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Im Asse-Bergwerk lagern weiterhin 126.000 Fässer Atommüll (Archivbild).
Im Asse-Bergwerk lagern weiterhin 126.000 Fässer Atommüll (Archivbild). | Foto: Rudolf Karliczek

Remlingen. Im März sickerte es nach und nach durch: Der Beginn der lange geplanten Rückholung der rund 126.000 Atommüllfässer aus der Schachtanlage Asse II bei Remlingen (Landkreis Wolfenbüttel) wird sich wohl weiter verzögern. 2033 war in den vergangenen Jahren stets als Startdatum genannt worden. Nun meldet sich die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) und bestätigt die Befürchtungen.



In einer Pressemitteilung der BGE heißt es: "Erst wenn der neue Schacht Asse 5 mit der Schachtförderanlage gebaut ist, kann mit den untertägigen Arbeiten für das Rückholbergwerk und den vorbereitenden Maßnahmen für die Rückholung der radioaktiven Abfälle begonnen werden." Über den geplanten Schacht 5 sollen später die Fässer aus dem maroden Bergwerk nach oben befördert werden, um sie von dort – über zahlreiche weitere noch nicht geklärte Stationen – zu einem Endlager zu transportieren. Dieser entscheidende Schacht 5 ist allerdings noch lange nicht gebaut.

Beginn der Rückholung aus Asse II verzögert sich weiter


Die Verzögerungen rund um den Bau des neuen Schachts haben jetzt zu dem von vielen Beobachtern schon zuvor vermuteten Ergebnis geführt: Die Rückholung der Fässer wird sich zeitlich weiter nach hinten verschieben – und zwar deutlich. Die BGE teilt jetzt mit: "Mit dem jetzigen Kenntnisstand lässt sich der Rückholbeginn 2033 nicht mehr darstellen. Ein neuer Rückholbeginn kann zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht valide genannt werden. Nach heutigem Planungsstand schiebt der neue Schacht Asse 5 die Rückholung nach hinten."

Neuer Schacht 2039 einsatzbereit?


Ohne den Schacht stocken nahezu alle weiteren Prozesse ebenfalls – er sei das zeitführende Teilprojekt. Laut BGE könne mit den notwendigen Bauarbeiten unter Tage – dort soll ein Rückholbergwerk entstehen – erst begonnen werden, wenn der Schacht in Betrieb genommen worden ist. Laut neuen Planungen könne ab 2031 die Baufeldfreimachung im Naturschutzgebiet beginnen. Erst 2039 könne demnach die Schachtförderanlage einsatzbereit sein.

Mit einer Verzögerung sei eigentlich schon immer zu rechnen gewesen. "Der Rückholplan 2020 war ein Konzept, das an vielen Stellen noch nicht so detailliert planungsuntersetzt sein konnte, wie es mit dem heutigen Kenntnisstand möglich ist. Es war immer klar, dass der ursprüngliche Terminansatz mit dem Fortschreiten der Planung überarbeitet werden muss", teilt die BGE mit. Insbesondere die geologischen Bedingungen hätten sich als noch schwieriger herausgestellt, als das schon 2020 zu erwarten war.

Parallel zur anstehenden Wartezeit während des Schachtbaus soll der Antrag auf Rückholung – dabei geht es zunächst um die Fässer mit mittelradioaktivem Abfall aus einer Kammer auf der 511-Meter-Ebene – im Jahre 2027 gestellt werden, um die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit der geplanten Maßnahmen im Verfahren so schnell wie möglich klären zu können, teilt die BGE mit. Alle im Rückholplan aus 2020 festgehaltenen Planungsmaßnahmen seien vergeben worden, alle Vorplanungen seien abgeschlossen. Auch die Entwicklung der Werkzeugtechnik für die Bergung sei in Auftrag gegeben, berichtet die BGE.

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