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Kritik an Abwrackprämie: Fridays for Future wendet sich in offenem Brief an Weil



Kritik an Abwrackprämie: Fridays for Future wendet sich in offenem Brief an Weil

Nach Aussage der Bewegung hätte eine Abwrackprämie "verheerende" Folgen.

von Julia Seidel


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Julia Seidel

Region. In einem offenen Brief wenden sich mehrere Regionalgruppen der Fridays for Future-Bewegung an Ministerpräsident Stephan Weil. Darin kritisieren sie die von Weil geforderte Abwrackprämie für Autos, die trotz der Corona-Krise zu neuen Kaufanreizen für Neuwagen führen soll. Bereits am vergangenen Dienstag demonstrierte die Gruppierung unter anderem vor dem VW Werk in Wolfsburg (regionalHeute.de berichtete).



"In Zeiten der Coronapandemie ist es Ihre Aufgabe, allen Bürgern eine Perspektive zu bieten. Stattdessen verbauen Sie mit einer Abwrackprämie unsere Zukunft und nehmen die drastischen Folgen der Klimakrise in Kauf. Antworten auf das Coronavirus dürfen die Klima- Krise nicht verstärken", heißt es in dem Brief. Mehr Autos zu finanzieren sei nicht mit den Klimazielen der Gruppe vereinbar. Darüber hinaus werde eine Abwrackprämie von Wirtschaftsforschern wie Claudia Kemfert "sehr deutlich abgelehnt", wie die Gruppe weiter ausführt.

Eine Abwrackprämie würde weder sozial noch ökonomisch einen Nutzen bringen, sondern dafür sorgen, dass die Umverteilung von untern nach oben weiter forciert werde. "Schon die Abwrackprämie aus 2009 war ein viel zu teures und ineffektives Eigentor, das sich nicht wiederholen darf", so die Gruppe weiter. "Auch ketten Sie uns mit einer Abwrackprämie für die nächsten Jahrzehnte an klimazerstörerische Mobilität. Heute gekaufte Verbrenner haben eine Lebensdauer von 20 Jahren, bis 2040 muss Deutschland allerdings schon lange klimaneutral sein."



"Es gibt andere Möglichkeiten"




Beispiele wie Mailand und Brüssel würden zeigen, dass es auch anders gehe. Dort bestehe mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer neben Bussen und Bahnen, der es ermögliche nicht nur in Corona-Zeiten den Abstand zu wahren. "Und gerade in ländlichen Regionen brauchen wir dringend klimafreundliche und damit zukunftsfähige Alternativen wie Carsharing oder bessere Anbindungen an den ÖPNV", heißt es weiter.

"Auf Ihrer eigenen Website erheben Sie den Anspruch, Niedersachsen zum Klimaschutzland Nr. 1 zu machen. Um diesem Ziel gerecht zu werden, verhindern Sie bitte auch bundesweit eine Kaufprämie für klimaschädliche Verbrennungsmotoren und setzen sich stattdessen zusammen mit Herrn Söder, Laschet und Kretschmann für eine Verkehrswende ein. Lassen Sie nicht weiter klimafreundliche Investitionen und Arbeitsplätze zugunsten einer veralteten Branche schlafen. Bieten Sie allen Menschen in dieser Krise Perspektiven und eine nachhaltige Zukunft", heißt es in dem Brief abschließend.

Unterschrieben ist der Brief von FridaysForFuture Hannover, FridaysForFuture Lehrte, FridaysForFuture Gifhorn, FridaysForFuture Goslar, FridaysForFuture Peine, FridaysForFuture Celle, FridaysForFuture Lüneburg, FridaysForFuture Braunschweig, FridaysForFuture Winsen, FridaysForFuture Uelzen, FridaysForFuture Nienburg, FridaysForFuture Cuxhaven, FridaysForFuture Cloppenburg, FridaysForFuture Wunstorf, FridaysForFuture Einbeck, FridaysForFuture Wittmund, FridaysForFuture Osnabrück.


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